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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Glasmalerei.

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Platten noch mit einem feinen Kitt versehen, damit sie ganz dicht werden. Die Ver-bleiung erfordert viel Sorgfalt und Übung, besonders bei figürlichen Darstellungen, sieist auch ein wesentlicher Faktor für die Haltbarkeit der Fenster. Sind endlich die ein-zelnen Glasstückchen in der richtigen Anordnung aneinander gefügt, so ist das Bild fertig.

Die aufgemalten und eingebrannten Farben der alten Glasgemälde werden mit derZeit von den Witterungseinflüssen zerstört. Mit der Vervollkommnung der Chemieist darin eine Wandlung eingetreten. Die heutigen Schmelzfarben widerstehen größten-teils nicht nur den atmosphärischen Einflüssen, sondern sie trotzen auch stärkerenAngriffen. Die eigentlichen Farben, die Pigmente, können nicht auf das Glas direkt auf-getragen werden, sondern sie müssen zuvor je nach dem Tone, der erreicht werden soll,in mehr oder minder großer Menge mit leichtflüssigen Gläsern, dem sogenannten Flußgemischt werden. Zur Bereitung des Flusses schmilzt man Mennige mit reinem Quarzoder mit einem Zusatz von calciniertem Borax ein. Das Einschmelzen geschieht in derRegel in durchlochten hessischen Tiegeln, bei welchen die geschmolzenen Anteile durch dasLoch in ein Gefäß mit kaltem Wasser tropfen, wo die Schmelze abgeschreckt wird undsich nun leichter pulvern läßt. Zum Gebrauch wird der Fluß mit dem Pigment, d. h.der betreffenden Farbe, zusammen auf der Glasplatte verrieben. Gewisse Metalloxydewerden auch gleichzeitig mit dem Fluß eingefrittet, abgeschreckt und vermahlen. Diese nenntman verstärkte Schmelzfarben, und sie sind wirkliche Lösungen von Metalloxyden imFluß. Andere färbenden Oxyde, wie die braunen und roten Färbungen durch Eisenoxyd,vertragen jedoch ein Zusammenschmelzen nicht, sondern bei diesen ist das Pigment nurmechanisch eingehüllt; sie sind also im Feuer leichter zu zerstören und verlangen großeSorgfalt. Die Hauptbedingungen, die die in der Glasmalerei benutzten Schmelzfarbenerfüllen müssen, ist die, bei niederer Temperatur in Fluß zu kommen, ohne daß dasGlas erweicht. Ferner müssen sie alle bei derselben Temperatur und der gleichen Zeit-dauer, wie gewünscht, einbrennen.

Die Flußmittel für die Glasmalerei sind meist sehr basisch und sehr leichtflüssig. Manerhält gute Flußmittel durch Zusammenschmelzen von: 1 Teil Quarzpulver, 2^ Teil Mennigebezw. 10 Teilen Krystallscherben, 7 Teilen Mennige, Teilen Borax oder 100 TeilenKrystallglasbrocken, 66,7 Teilen Mennige, 41,7 Teilen Borax. Ein sehr widerstandsfähigesGemenge besteht aus 1 Teil Sand, 3 Teilen Borsäure, 6 Teilen Mennige. Nach Salvetatist dieser Fluß für alle Oxyde anwendbar mit Ausnahme des Goldpurpurs, für welchen er zuschmelzen empfiehlt: 100 Teile Sand, 75 Teile Mennige, 150 Teile Borax. Die Flüssewerden eingefrittet, abgeschreckt, gemahlen und mit dem Metalloxyd vermischt; alsdann mitetwas Terpentinöl angerieben und mit dem Pinsel aufgetragen.

Weiße Schmelzfarben erhält man durch Zusammenschmelzen von Flußmitteln mitZinnoxyd, arseniger Säure, oder weiß gebrannten Knochen mit Mennige. Man erhält stets einschönes Weiß, wenn man das Zinnoxyd in Gestalt pon Äscher einschmilzt und nicht nur daruntermischt. 1) 2 Teile kohlensaures Kali, 5 Teile Äscher aus 1 Zinn 4 Blei, 3 Teile Quarz-pulver, 1 Teil calc. Borax. 2) 3 Teile Quarzpulver, 1^ Teile Zinnoxyd, 6 Teile Mennige,2 Teile calc. Borax. Die Bestandteile werden bei hoher Temperatur geschmolzen, in Wasserabgeschreckt, gemahlen und schließlich auf der Glasplatte mit dem Läufer abgerieben. —Außerdem kann man die weiße Schmelzfarbe des Handels nach dem Umschmelzen mit Mennigebenutzen; oder man mischt 2 Teile Beinglas mit 1 Teil Mennige zusammen, frittet ein undbehandelt die Fritte wie gewöhnlich. Auch kann man 1 Teil weiß gebrannte Knochen mit2 Teilen bleiischem Flußmittel oder 1 Teil Zinkoxyd mit 2 Teilen Flußmittel zusammenreiben.

Für Schwarz gibt es eine große Menge von Vorschriften. Wir geben im nachstehendenzwei wieder. 1) 2 Teile Eisenoxyd, 1 Teil Kobaltoxyd, 7H Teile Flußmittel. 2) 1 TeilEisenhammerschlag, 3 Teile Kupferoxyd, 4 Teile Antimonoxyd. Diese werden eingeschmolzen,gemahlen und mit 3 Teilen Fluß (1 Teil Sand und 3 Teilen Mennige) und 0,2 TeilenBorax auf 1 Teil der Oxyde verrieben. Zur Erzeugung von Blauschwarz muß dasKobaltoxhd in größerer Menge vorhanden sein; wird Beinschwarz gewünscht, so wirdguter Braunstein hinzugesetzt. Diese Farben haben nach dem Einbrennen ein glänzendesAussehen. Werden maitschwarze Töne verlangt, so nimmt man 1 Teil Kupferschmalteund 1 Teil Schwefelantimon oder 1 Teil Kupferschmalte, 1 Teil Braunstein oder auch 1 TeilGoldpurpur, 1 Teil Kobaltoxyd, 1 Teil Braunstein. Die Mengen werden innig verrieben,mit dickem Terpentinöl, sogenanntem Dicköl, angemacht und aufgetragen.

Die roten Schmelzfarben bedürsen einer sehr sorgfältigen Behandlung beim Ein-brennen und werden mit Hilfe von Eisenoxyd hergestellt. Zur Erzeugung des feineren Rotesbedient man sich des Goldpurpurs. Auch rot durch Lasur kann man das Glas bei Muffel-temperatur oberflächlich färben. Hierzu gebraucht man nach Zscheuschner Silberpräparate.