Nebenmdustrien der Sodafabrikation: Doppeltkohlensaures Natron. Ätznatron. 409
man in allen Betrieben, die viel Kohlensäure brauchen, diese den Kalkösen (s. S. 35).Mit dieser Kohlensäurequelle kann keine andere, abgesehen von der zufällig an einzelnenOrten der Erde entströmenden Kohlensäure, sich an Billigkeit messen, wir werden sehrbald uns noch ausführlich mit ihr zu beschäftigen haben.
Das fertige doppeltkohlensaure Natron wird, nachdem es den Absorptionskammernentnommen ist, bei etwa 40" getrocknet. Viel höher darf man mit der Temperatur nichtgehen, sonst gibt es wieder sein zweites Molekül Kohlensäure ab. Hierauf wird es feingemahlen und verpackt.
Das Ätznatron oder die kaustische Soda.
Erhitzt man Kalkstein, also kohlensauren Kalk, so zerfällt er doch durch das Brennenin Kohlensäure und in die Base Kalk, erhitzt man aber kohlensaures Natron und ebensokohlensaures Kali, so erweisen sich beide, wie schon aus der Art ihrer Darstellung hervor-geht, die doch in Flammöfen erfolgt, als feuerbeständig. Diese beiden zerfallen nicht inder Hitze in Säure und Base. Und doch braucht man in vielen Industrien ihre Basen,das Ätznatron und das Ätzkali, deren Gewinnung wir jetzt kennen lernen wollen.
Die Darstellung des Ätznatrons ist heutzutage ganz auf die Sodafabriken über-gegangen, während die Seifensieder, die die ältesten Verbraucher für dasselbe sind, woraufwir später zurückkommen, es sich ehemals im Hause bereiteten. Sie lösten zu seinerHerstellung kohlensaures Natron in Wasser und setzten der Lösung Kalkmilch zu. Dannbilden sich in der Flüssigkeit kohlensaurer Kalk, eine im Wasser unlösliche Verbindung,die sich deshalb abscheidet und abfiltriert werden kann, und Ätznatron, das gelöst bleibt.
Soda -I- Ätzkalk --- Ätznatron ^ kohlensaurer Kalk0a(OU)2^ 2UaOU ^ OaOOg.
Die Sodaindustriellen, welche sich mit seiner Fabrikation beschäftigen, stellen nunnicht erst fertige Soda für den Zweck dar und kaustifizieren diese, wie man deren Be-handlung mit Kalk nennt, sondern benutzen zu ihrer Herstellung die aus der Sodaschmelzeerhaltenen Rohlaugen, indem sie schon die Rohmaterialien, die in den Öfen zum Ver-schmelzen kommen, etwas anders mischen, um gleich an Ätznatron reiche Lösungen zuerzielen. Sie geben nämlich der Schmelze schon reichlich Ätzkalk zu.
Diese Fabrikation ist von ihnen in den vierziger Jahren aufgenommen worden undhat heute eine kolossale Ausdehnung erreicht. So liefert ein Drehofen zu St. Helens inEngland wöchentlich 150000 Ätznatron, indem man in jener Fabrik Soda gar nichtmehr, sondern nur noch „kaustische Soda" fabriziert.
Die Rohlauge, welche nicht sehr stark hergestellt werden darf, da sonst die Kausti-fizierung, d. h. also die Überführung des kohlensauren Natrons in Ätznatron nicht quan-titativ verläuft, wird mit gebranntem Kalk versetzt, der in Körben in sie gehängt wird, sichin ihr selbst löscht und zugleich seine Wirkung ausübt. Eingeleiteter Dampf bringt dieLange ins Sieden, die man hernach durch Absetzen sich klären läßt und vom Kalkschlammabzieht. Man wäscht diesen möglichst mit Wasser aus, und da er doch aus kohlensauremKalk besteht, indem er dem kohlensauren Natron die Kohlensäure entzogen hat, wanderter hernach statt Kreide zurück in die Sodaschmelzösen und wird so ausgenutzt.
Die erhaltene Lauge muß nun eingedampft werden, was bei ihrer geringen Stärkeviel Kohlen kostet. So hat man denn versucht, sie in Dampfkesseln zu konzentrieren, umden Dampf verwerten zu können, doch hat sich das nicht bewährt, und man konzentriertsie jetzt wieder in offenen Gefäßen. Allmählich scheiden sich mit der zunehmenden Kon-zentration schwer löslich werdende Fremdsalze aus, die ausgesoggt werden, und jetzt hatman scheinbar nur noch nötig, die Lauge vollends abzudampfen, um das Ätznatron zubekommen. Aber in der Lauge steckt trotz Entfernung vieler Fremdsalze noch ein wenigSchwefelnatrium, gelöstes Schwefeleisen und manches andere, das dem eingedampftenRückstand ein höchst unerfreuliches, bald gelbes, bald grünes u. s. w. Aussehen nicht nurerteilen, sondern das fertige Produkt auch für viele Zwecke unbrauchbar machen würde.Hier beginnt nun erst die eigentliche Schwierigkeit der Fabrikation, deren völlige Über-windung vieljährige Arbeit in Anspruch genommen hat.
Buch der Erfind. VII.
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