564 Chemische Industrie: Verwertung der Fette und Öle.
den Ölbehälter, der auch mit einem Dampfmantel ausgestattet ist, welcher das Erwärmenseines Inhalts je nach Bedarf gestattet. Auch trägt er am Boden einen Ablaßhahn.
Das zu reinigende Öl bringt man auf 27° 0., läßt dann Salzwasser zulaufenund rührt bis zur Erzielung einer möglichst innigen Mischung. Ist dieser Punkt erreicht,so läßt man die Natronlauge zufließen, gegen deren verseifende Kraft das vorherigeDurcharbeiten mit der Kochsalzlösung sich als sehr nützlich erweist. Das Aussehen desÖles zeigt das Ende des Prozesses an, es muß nämlich eine auf eine Tafel gebrachteProbe ganz klar sein, wenn sie auch voll von kleinen dunklen Punkten ist. Hierauf wirddas Rühren unterbrochen und Wasser von etwa 60° auf das Öl laufen gelassen. Imreichlich zugegebenen Wasser lösen sich beim Durcharbeiten alle Klümpchen, und schließlichschwimmt das nunmehr ganz klare Öl obenauf. Um es vom mechanisch beigemengtenWasser zu trennen, wird es noch auf 70° erwärmt, worauf es als Olivenöl marktfähigist, wie es im Patente heißt.
Es ist beinahe unmöglich, gut gereinigtes Baumwollsamenöl von dem besten Olivenöldem Geschmacke oder Gerüche nach zu unterscheiden. Dessen Fälschung besteht meist darin,
daß man zu einem Teil Olivenöl dreiTeile Baumwollsamenöl gießt. Wiees hierin bereits um 1882 stand,geht aus folgenden Zahlen Pribylshervor. 216 000 t des Öles gingenin jenem Jahre nach Frankreich undItalien . Diese Menge überstieg schondamals die Gesamtproduktion Frank-reichs an Olivenöl und bildete etwaein Fünftel von der Italiens .
Da die Vereinigten Staaten von Amerika nur ein Zehntel dieserMenge als sogenanntes Olivenölwieder einführen, ist es klar, daßnicht bloß das Volk, sondern schonzu der Zeit .auch mancher Fein-schmecker Europas seinen Salat mitdem Produkte aus Baumwollsamen-kernen zubereitete, das war also langevor der Zeit, in welcher Margarineund Speisefett für etwas so Fürchter-liches erklärt worden sind. Schondamals ging übrigens auch einigesBaumwollsamenöl direkt von New Orleans nach dem amerikanischen Westen, um dort alsreines Olivenöl verzehrt zu werden, ohne erst den Umweg über Europa gemacht zuhaben. Hauptgrund für den großen Anklang, den das amerikanische Öl allmählich ge-funden hat, ist der, daß es gänzlich geschmacklos ist, und daß es daher anderen vegeta-bilischen Ölen beigemischt werden kann, ohne die geringste im Geschmacke bemerkbareÄnderung zu veranlassen.
Sogar den letzten Unterschied zwischen Baumwollsamenöl und Olivenöl, der darinbesteht, daß ersteres Öl bei höherer Temperatur bereits anfängt, feste Teile aus-zuscheiden, hat man längst zu beseitigen gewußt. Man kühlt nämlich das Baumwoll-samenöl absichtlich stark und preßt es hierauf von den erstarrten Teilen ab. So be-handeltes Öl ist dann gewiß kaum noch vom Olivenöl zu unterscheiden. Die erstarrtenabgepreßten Teile führen den Namen Baumwollstearin und gehen entweder in die Stearin-kerzenfabrikation, oder werden auf Speisefett mit verarbeitet (siehe weiterhin).
Das in die Margarinefabrikation gelangende rohe tierische Fett, welches von andemselben Tage geschlachtetem Vieh herrührt, wird bei einer Temperatur von nur 45° aus-geschmolzen, weil ihre weitere Steigerung bereits ungünstig auf den Geschmack des fertigen
517. Frttschnridcmaschinc.