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Chemische Industrie: Die Steinkohlen.
durch die hohe Temperatur verändert, und zwar unter Ausscheidung von Kohlenstoff,welcher sich an der Retortenwand ansetzt. Dies ist der Grund, weshalb das längereVerweilen des Gases in der Retorte seine Qualität verschlechtert. Diese Retortenkohleist fast chemisch reiner Kohlenstoff, sie ist von außerordentlicher Härte, sehr schwer ver-brennlich, und so werden aus ihr die Kohlenspitzen für die elektrischen Bogenlampen her-gestellt. Bei dem stetig wachsenden Verbrauch an diesen hat sie jetzt ein großes Absatz-gebiet gefunden.
Nun wollen wir die allmähliche Entwickelung der Gasbeleuchtung einer großenStadt hier in Kürze betrachten, weil sie uns einen Einblick in die jetzige Größe derGasindustrie gewähren wird.
Das Berliner Polizeipräsidium hatte am 21. April 1825 mit einer englischenGesellschaft der Jmperial-Continental-Gasassociation einen Vertrag abgeschlossen, der ihrauf die Dauer von 21 Jahren das Recht einräumte, Gasröhren in den Straßen zu ver-legen und Gas zur öffentlichen und Privatbeleuchtung zu liefern. Für die Rohrleitungen,welche im Jahre 1847 vorhanden sein würden, war ihr die dauernde Benutzung auchnach diesem Jahre zugesichert. Das Gas wurde damals mit 35, s Pf. per 1 odiu bezahlt.Trotzdem muß der Verdienst kein übermäßiger gewesen sein, indem später die Gesellschaftzur Ausdehnung ihres Rohrnetzes auf noch nicht belegte Stadtteile nicht einzugehen geneigtwar. So beschloß denn die Stadt, die Beleuchtung dieser Teile selbst in die Hand zunehmen. Im Jahre 1847 begann neben jener Gesellschaft die Stadt ihren Betrieb mitzwei Gasanstalten, denen sich 1859 die dritte, 1873 die vierte anschloß, welchen 1895die fünfte folgte.
Die Gesamtkosten dieser städtischen Anstalten samt dem zugehörigen Röhrennetz u. s. w.betrugen bis Ende März 1895 65 626 120 M. Alle fünf Anstalten können zusammentäglich 593 000 obin Gas fabrizieren, zu deren Erzeugung vorhanden sind: 24 Öfen mitRostfeuerung, die 186 Retorten enthalten, und 365 Öfen mit Generatorgasfeuerung,in denen 3043 Retorten liegen. Die Kondensatoren sind gußeiserne Cylinder von1—1,8 m Durchmesser und 6,6 — 8,s in Höhe. Jeder Cylinder ist innen mit 7—12 guß-eisernen Röhren versehen, durch die Kühlwasser geleitet wird. Hinter den Kondensatorenfolgen Apparate zur Teerabscheidung mit einer Leistung von 50 000 odiu in 24 Stunden.Die Skrubber, aus gußeisernen Platten erbaut, haben teils rechteckigen, teils zehn- biszwölfeckigen Grundriß mit einem Durchmesser bis zu 4,s m und eine Höhe bis 15 in.Die Exhaustoren sind teils Dampfstrahlsaugeapparate, teils Kolbenluftpumpen,- mit einemCylinderdurchmesser bis zu 1,s in und 1 m. Hub. Die Reinigerkästen bilden zu je vierenein System und sind auf 4 Hordenschichten mit Raseneisenstein belegt. Vor ihnen sindVorreiniger eingeschaltet, die nur mit Sägespänen auf 4—6 Horden gefüllt sind. Dannfolgen die Stationsgasmesser, die bis 3600 odm. in 24 Stunden zu messen gestatten.Die Gasbehälter, deren 22 vorhanden sind, fassen einzeln 2800 — 94 000 odiu, alle zu-sammen haben einen Inhalt von 617 700 obm. Das Rohrnetz hat eine Länge von862,i üm Hauptleitungen, deren größter Durchmesser 1065, deren mittlerer 264 mm.beträgt.
Vom 1. April 1894 bis 1. April 1895 wurden 365 289 t Kohlen verarbeitet,also zufällig täglich 100 Waggonladungen., Von diesen stammten 215 654 t aus Ober-schlesien , 127 614 t aus dem Waldenburger Revier und 22 021 t waren englische Kohlen.Aus ihnen wurden gewonnen: 103 789 000 obm Gas, 244 785 t Koks, 18 284 t Teerund 35 846 t Ammoniakwasser. Verkauft wurden 190 795 t Koks, die Differenz waralso verfeuert worden, sowie der gesamte Teer und das Ammoniakwasser und 206 000 üg-Retortenkohle. Von 6—12 Uhr ist an jedem Sonntag Vormittag Stillstand des Be-triebes, der Schichtenwechsel der Arbeiter findet am Sonntag Mittag statt, die eineKolonne ist Sonntag früh 6 Uhr fortgegangen, die andere tritt mittags 12 Uhr zurArbeit an.
Der Gesamtjahreskonsum betrug 103 913000 obm. Davon beanspruchte die Straßen-beleuchtung 16 242 453 obm, an Private wurden verkauft 72 195 484 odm und fürMotoren und zu Heiz- und Kochzwecken 9 981021 obiu abgegeben. Verlust und Selbst-