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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Pyridin. Coniin. Chinin. 623

und ein Pyridinring aneinander lagern, und dieser Doppelring ist das Chinolin(s. Abb. 590 u. 591).

Sein Name leitet uns zum Chinin hinüber, dem wohl berühmtesten aller Fieber-mittel. Das Chinin wird aus den Rinden von Bäumen der Gattung Oiualloua gewonnen.In der Sprache der Eingeborenen Perus bedeutet China soviel als Rinde, und das istwohl das einzige Wort dieser Sprache, das international geworden ist. Den NamenOiuolloua erhielt diese Baumgattung von Linne im Andenken an die Gräfin ChinchonGemahlin des Vizekönigs von Peru , die im Jahre 1638 von einem Fieberanfall durchEinnahme der gepulverten Rinde genas. Damit begann der Ruf seiner Wirksamkeit unterden Europäern. Die Jesuiten brachten das Pulver nach Europa , wo es oder das ausihm dargestellte Chinin bis vor 15 Jahren etwa als wertvolles Fiebermittel einen hervor-ragenden Platz unter den Arzneimitteln einnahm, indem kein weiteres Fiebermittel, welchesdie Natur in den Pflanzen liefert, ihm an Wirksamkeit gleich kommt. Ursprünglich kamdie Rinde nur aus Mittel- und Südamerika . Veranlaßt durch ihre Kostbarkeit versuchteman Anpflanzung auch in anderen tropischen Ländern. Erfolge erzielte damit zuerst derin holländischen Diensten stehende deutsche Botaniker Haßkarl, der große Kulturen aufJava anlegte. Daran schlössen sich solche in Ostindien und Westindien . Die Lieferungder Rinden nach Europa ist dadurch eine so massenhafte geworden, daß ein Teil derPlantagen bereits wieder aufgegeben worden ist, indem nicht nur ihr übermäßiges An-gebot den Preis unter die Herstellungskosten herabdrückte, sondern inzwischen dem Chininselbst in künstlich von den Chemikern hergestellten Heilmitteln die gefährlichste Konkurrenzerwachsen ist. Die Einfuhr an Chinarinde ins Deutsche Reich betrug im Jahre 18963446 t.

Der wirksame Stoff der Chinarinde ist wiederum ein Alkaloid, das Chinin, dessenkomplizierte Darstellung aus den Rinden wir hier nicht wiedergeben können. Schwefel-saures Chinin, welches am meisten in der Medizin gebraucht wird, kostet nunmehr 21 Markdas Kilogramm, ein so niedriger Preis, daß man ihn vor einiger Zeit noch für undenk-bar hielt, da er sich in früheren Jahren immer zwischen 300 und 400 Mark bewegthat. Destilliert man Chinin unter geeigneten Bedingungen, so gewinnt man aus ihmein Öl, welches den Namen Chinolin erhalten hat. Nur reichdotierte Laboratorienkonnten mit diesem Produkt arbeiten, denn wenn schon Chinin eine kostbare Substanz war,so kann man leicht urteilen, daß Chinolin gewiß teuer sein mußte. Heute kostet ein ganzesKilogramm von ihm aber nur wenige Mark, heute stellt man es aus Steinkohlenteer her,und dazu kam man auf folgende Art.

Fand da ein Kolorist zu Mülhausen im Elsaß im Jahre 1877 eines Tages einewunderschöne blaue Farbe, als er Nitroalizarin, Alizarin, das ist das künstliche Krapprot,Glycerin und Schwefelsäure zusammen erhitzte. Die schöne Farbe veranlaßte die BadischeAnilin- und Sodafabrik, durch einen ihrer Chemiker die Entdeckung zu einer technisch ver-wertbaren ausgestalten zu lassen. Wie aber diese, vom chemischen Standpunkte aus be-trachtet, höchst seltsame Mischung aufeinander wirke, blieb rätselhaft. Man wandte sichdeshalb an Grübe, der neun Jahre vorher mit Liebermanu zusammen das künstlicheAlizarin dargestellt hatte, mit der Bitte um Untersuchung dieses Blaues. Grübe kambald dahinter, daß bei dieser Gelegenheit aus dem Alizarin, welches sich vom Anthracenherleitet, das, wie wir wissen, aus drei Benzolringen besteht, ein ringförmiger stickstoff-haltiger Körper entsteht, und über das, was das Glycerin in diesem Gemische leistet,drückte er sich folgendermaßen aus. Nach dem erhaltenen Resultat wirkt das Glycerinbeim Erhitzen mit Nitroalizarin und Schwefelsäure nicht nur reduzierend, sondern esbewirkt gleichzeitig eine höchst wunderbare Synthese. Dieselbe läßt sich durch folgendeGleichung veranschaulichen:

3 - 0,11,0. ---- 0„8,X0, 38,0 3 - 20

Nitroalizarin -3 Glycerin ^ Alizarinblau 3 - Wasser 3 - Sauerstoff.

Da im Alizarinblau ein stickstoffhaltiger Ring enthalten sei, habe es etwas Chinolinartigesan sich.