Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
108
JPEG-Download
 

108 Die Papicrfabrilation.

Firmns konnte die Armee aus dem Ertrage der PapyruSfabrikcn erhalten werden. Derdreikantige Stiel wurde nach der Entfernung der Rinde und einer Sortierung, in thun-liehst feine Streifen geschnitten, die man Scliida, Sciisnra nannte; diese wurden auseinem befeuchteten ebenen Brette parallel nebeneinander gelegt, so das; sich die Längs-kanten berührten. Nun wäre eigentlich das Blatt fertig gewesen, wenn eine dauerndeVerbindung der Kanten gefunden worden wäre. Um diese herzustellen, wurde eine zweiteSchicht dieser Streifen in gleicher Weise, jedoch quer aus die Längcnrichtnng der erstenSchicht gelegt. Tiefes aus zwei Schichten hergestellte Blatt wurde nun gepreßt unddann mittels eines Hammers auf gleiche Ticke geschlagen. Durch diese letztere Be-arbeitung erzwäng man das Anstreten eines klebrigen Saftes aus dem Fascrmaterialc,welcher dann, oft mittels Zusatz eines Samcnschlcimes, eine genügende Verbindung derStreifen bewirkte. Oft bestand das Blatt, wenn es dicker und widerstandsfähiger werdensollte, aus drei Lagen solcher Streifen, welch letztere in den zwei äußeren Schichtenparallel lagen. Ein solches Blatt wurde Selis genannt; durch das reihenweise An-cinanderkleben solcher Selidcs entstand die Rolle, das Blatt, Chartes, mit dessen Teilen,

welche To marion,Tuniar hießen.

An dieser Fabrika-tionSmcthvde, welche inder byzantinischen Re-giernngsperivde die üb-liche war, änderten dieAraber nach der Erobe-rung Ägyptens nichts.Der Hanptsitz der Fa-brikation war auch unterihnen im Nildelta undzwar in dem StädtchenBnra, aber auch an an-deren Orten des Landeswurde Papyrus erzeugt.In der byzantinischenZeit unterstand dieseIndustrie dem Lornsslar^itionuin aaoraruin,in der arabischen demägyptischen Stenerdircktor, und die aus diesen Fabriken stammenden Blätter tragen amt-liche Signierungen, das Protokollon, welches außer Kvransprüchcn oder offiziellenFormeln den Namen der Statthalter und Steucrvcrwalter, die Jahreszahl und dieQualität des Papyrus enthalten. Eine Gcbrauchseinschränkung des Papyrus, welcher inalle bedeutenderen Städte des Westens exportiert wurde, ergab sich frühzeitig in Kon-stantinopel, wo Kaiser Jnstinian II. bei dem Kalifen Beschwerde darüber führte, daßgewisse Signicrungssormeln des Papyrus dem christlichen Glaubensbekenntnisse zuwider-liefen; was schließlich infolge eines erregt geführten Briefwechsels im Jahre 694 n. Chr.zum Ausfuhrverbot von feiten des Kalifen und zum Abbruch der diplomatischen Be-ziehungen zwischen beiden Höfen führte.

Der Preis einer Rolle betrug im Beginn des 9. Jahrhunderts 6 Goldkarate3'Z Frank bei einer Länge von 14^ nr. Ein Tomos gleich ^/g Rolle, 2,r m lang,54 Centimes und ^/z Tuniar von 80,5 anr Länge noch 18 Centimes.

Noch im 10. Jahrhundert wird zu den päpstlichen Bullen ausschließlich Papyrusverwendet, und aus dem 9. Jahrhundert sind mehrfach fränkische Papyrusnrkunden be-kannt. Die späteren Urkunden dürften auf sizilischem Papyrus geschrieben sein. Deraus der Sammlung Papyrus Erzherzog Rainer stammende in Abb. 80 dargestelltePapyrus enthält eine Rechtsurknnde vom 28. September 238 n. Chr. aus der Zeit der

AM

79 . Srhrriürrquisiten aus der Irit rirra 1200 v. Chr.