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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Die Spinnerei.

auch „Vlies;-" oder „Taselstrecken" verwendet, bestehend aus 4—6 gewöhnlichen Walzen-strecken, deren Ablieferung als Vlies; aus einem Wickler zusammenlaufen. Um melierte,gesprenkelte oder Fantasie-Garne zu erzeugen, läßt man entweder zwei verschiedene Farbenaus der Spinnmaschine zusammenlaufen und zusammendrehen, oder man gibt büschelweisedie gewünschte Farbe auf der Krempel zu. Besonders reich an verschiedenen Effektengestaltet sich die Zwirnerei für Phantasicwaren,'wie sie in den neueren Modcstoffen fastüberall auftreten. Hier lassen sich Stoppen, Schleifen und sonstige Verzierungen sehrleicht dadurch anbringen, daß beim Zwirnen der Grnndfadcn mit konstanter Geschwindig-keit durch die Maschine geht, während die anderen, Effektsäden, ruckweise oder mit ver-änderlicher Geschwindigkeit zugelassen werden. Die Verschlingnngen können regelmäßigoder unregelmäßig über die ganze Länge verteilt werden.

Während für die Gespinste der Streichgarnspinnerei eine einheitliche Numerierung nochnicht dnrchgedrungen ist, haben doch für die Kammgarnspinnerei die neuesten kontinentalenFabriken das metrische System angenommen. Hierbei gibt die Stummer an, wieviel 1000 inGespinst auf 1 tc§ gehen; 86er Garn ist also beispielsweise ein solches, bei dem 86000 inauf 1 gehen.

Mchappcspinnerei.

Im Anschluß an die Wollspinnerei sei hier die Verarbeitung der beim Abhaspelnder Seidcnkokons und beim Zwirnen entstehenden Abfälle kurz geschildert. Zu diesenAbfällen gehören: 1) Die „Strnsc" oder „Frisons ". Dieser bedeutendste und reichsteder Abfälle entsteht während des Streichens und Bürstcns der Kokons in den Spinn-becken, und ihm werden ebenfalls die unreinen Fäden, die beim Abhaspeln ausgeschiedenwerden, zugegeben. 2) Die „Bassinets " oder „Gallctame", das sind jene Kokons, diewegen irgend eines Fehlers aus dem Spinnbecken genommen werden mußten. 3) Die„Ricotti", die pergamentartige, innere, die Chrysalide umgebende Hülle, welche während24 Stunden in warmem Wasser maseriert wird, wobei sich die Fasern lösen. Dann wirdder so erhaltene Stoff gewaschen und nach dem Trocknen geklopft, um den Chrysalidcn-staub möglichst zu entfernen, worauf die Fasermasse einem Offner, bestehend aus einermit Kratzenbeschlag versehenen Trommel in abgewogenen Mengen vorgelegt wird. AuSder Trommel wird die Masse als Vlies; dadurch herausgenommen, daß man diesesparallel zur Achse durchschneidet und die Trommel zurückdreht. 4) Die durchbrochenenKokons, aus denen die Larven znr Gewinnung des Samens ansgekrochen sind. 5) Die„Doppelkokons", bei welchen zwei oder mehrere Würmer zusammengesponncn haben.6) Die „Strazze", das sind die Abfälle von Grcge und Seidenzwirn.

Die Bearbeitung der Seidenabfälle besteht im wesentlichen im „Fäulen", „Mischen"und Kämmen. Das „Fäulen" geschieht in Gruben, in denen die Abfälle lagenwciseangeordnet und mit Wasser von ungefähr 50° angefeuchtet werden. Die Grube Ivirdhieraus zugedeckt und die Hitze in dieser für den ersten Tag aus ungefähr 80° gesteigert.Nach 3 — 5 Tagen ist die Fäulnng beendet, worauf die Fasern einem heißen und danneinem kalten Waschen in ziemlich primitiven Maschinen, die mit Stampfwcrken ausgerüstetsind, unterworfen werden. Das Trocknen der Seidenabfälle, die vorher oft noch in eineschwache Seiscnlösung getaucht werden, geschieht in Trockenräumen, nachdem sie auf einerSchleudermaschine entwässert wurden. Nun wird die Masse, die bei den vorigen Be-arbeitungen ungefähr ^ ihres ursprünglichen Gewichtes verloren hat, ähnlich wie in derStreichgarnspinnerei mit Seifcnwasser eingesprengt, längere Zeit liegen gelassen unddann aus dem „Offner", der „Fillingmaschine", bearbeitet. Diese besteht aus einer Trommel,welche mit mehreren Doppelreihen, in der Bewegnngsrichtung geneigter Nadeln versehen ist,welche die ihr von zwei übereinander liegenden, endlosen Tischen, die mit Nadeln aus-gerüstet sind, dargebotene Fasermasse so lange kämmt, bis sie von den Nadeln der Zu-führung nicht mehr gehalten werden. Nachdem derartig eine bestimmte Menge in dieTrommelzähne gelangte und noch mit einer über der Trommel angeordneten Arbcits-walze bearbeitet wurde, wird die Maschine angehalten, und nun werden mittels hölzernerZangen, den sogenannten „Kluppen", die in den einzelnen Zahnreihen befindlichen Bärtevon ungefähr 20 oin Breite abgenommen.