598 Das Weben: Teppichfabrikation. Gobelins.
vernähte Öffnungen zeigt Abb. 343. Das Festdrängen des Schusses geschieht mittelseines Kamines ebenfalls aus freier Hand.
Bei der hochschäftigen Arbeit mit einer in senkrechter Ebene ausgespannten Kettesind die Schäfte durch ein anderes Mittel ersetzt: von der als Vorder- nnd Hintersachgeteilten Kette werden alle Hinterfäden einzeln angelitzt und können von dem Weber nachVorschrift der etwa ^ na hinter der Kette befindlichen Patrone durch das Vorderfach ge-zogen werden.
Abb. 344 zeigt einen solchen Gobelinstnhl von der Seite gesehen. Die Kette kommtvom Kettbanm a, und die Ware x wird auf den Warenbanm b aufgewickelt. Oben
sind zwei Kreuzrnten tc nnd oeingelassen, von denen die unteredas eine Taftfach aus den Faden-partien 1 und 2 bildet. An derFadenpartie 1 sind nun Litzen t an-geknüpft, die sämtlich am Stäbe ckhängen. Soll aus einzelnen Fädendas andere Tastfach gebildet wer-den, so erfaßt der Weber ihreLitzen I? nnd zieht sie auf sich zu(Abb. 344II). Damit die Fäden 1beim Loslassen der Litzen wiederin ihre erste Stellung zurückgehen,wird der Stab o nach unten ge-schoben (Abb. 344 0). Das Webenerfolgt wie im vorigen Falle, undes liegt die rechte Seite des Ge-webes hinterwärts. Mittels durch-sichtigen Papieres werden die K on-tnren des Mnstergemäldes auf dieausgespannte Kette übertragen,auf welcher die durch Punkte an-gedeutete Figur als Anleitung fürden Weber dient, der wie vorherdie Ausfüllung durch Farben vor-nimmt.
Bei dieser Arbeit, die sich
damit beschäftigt, die Werke der
Maler bis in die kleinsten Einzel-heiten treu wiederzugeben, mußder Farbenkasten des Gobelins,wo keine Mischungen stattfindenkönnen, den größten Reichtum an Farben und deren Schattierungen enthalten, und des-halb hat auch die Anstalt der Gobelins ihre eigene Färberei, bei der Chemiker wieChevrenil, Chaptal , Thc'nard sich beschäftigt haben. Es liegt am Tage, daß dieserZweig der Weberei mehr als irgend ein anderer den Namen einer Kunst in Anspruchnimmt. Wenn das reichste Muster in der Seidenweberei eine große Aufmerksamkeit zuseiner Herstellung bedarf, so hat doch der Jacqnardstuhl eben diese Herstellung mechanischgemacht; der Gobelinweber arbeitet wie der Maler. Er schafft mit seinen Fäden ein
Kunstwerk, für das es allein in seiner Hand und in seinem Auge liegt, wieviel Fäden der
Kette er zu dieser oder jener Farbe verwenden und wie er die Schattierungen wählenwill. Es werden daher bei richtigem Verständnis und künstlerischem Blick und Gefühl vor-zügliche Herstellungen, wie Abb. 345 z. B. zeigt, geschaffen, die mit solchen durch Gemäldewetteifern können.
S4s. Gobelin uns der Zeit Ludwigs XIV.
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