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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Antriebsarten. Die Nähmaschinenindustric. 469

leicht in und außer Betrieb gesetzt werden nnd auch mit geringerer oder größerer Ge-schwindigkeit arbeiten kann.

Über den Kraftbedarf der Nähmaschinen sind in neuerer Zeit eingehendere Versuchegemacht worden, aus denen sich ergeben hat, daß eine Maschine bei etwa 700 Stichenin der Minute Pferdestärke bedarf. Selbstverständlich ist diese Angabe nur als einDurchschnittswert anzusehen, denn es kommt bei dem Kraftbedarf auf die Art der Maschineund der Arbeit an. Die Nähgeschwindigkeit, welche sich mit der Nähmaschine erreichenläßt, findet ihre natürliche Grenze in der Erhitzung der Nadel, welche man bei gewissenArbeiten dadurch hinauszuschieben getrachtet hat, daß man, nm die Reibung der Nadelim Stoff zu vermindern, den Nadelschaft kurz über dem Öhr verschwächt hat. Alsäußerste Geschwindigkeitsgrenze dürfen wir bei ganz weichen, porösen Stoffen 3000bis 4000 Stiche in der Minute annehmen.

Die Nähmaschinenindustric.

Was die Nähmaschinenproduktion anlangt, so können wir diese gegenwärtigauf rund 2 HZ? Millionen Stück auf das Jahr schätzen. Die größten Fabriken besitzen dieVereinigten Staaten von Nordamerika ; allen voran steht die Singer Co., die allein über600 000 Maschinen jährlich erzeugt. Ihr folgen die Wheeler L Wilson Co. und dieNew Home Co. mit je 150 000 Maschinen, ferner die Withe Co. und Dvmestic Co. mit je100 000 Maschinen. In Deutschland machen einige der größeren Fabriken bis zu 50 000und mehr Maschinen. Zu diesen sind zu rechnen Dürkopp L Co. in Bielefeld , Frisier L Roß-mann in Berlin, Gritzner in Durlach, Gebr. Kayscr in Kaiserslautern, Clemens Müller inDresden, G. M. Pfaff in Kaiserslautern, Seidel L Nanmann in DreSden , Beruh. Stvewerin Stettin. Der Wert der Produktion Deutschlands mag etwa 35 Mill. Mark betragen.Wir zählen in Deutschland gegen 60 Nähmaschinenfabriken, von denen einige sich aus-schließlich mit der Herstellung von Spezialmaschinen als Leder-, Trikot-, Handschuh-,Pelz- und Knopflochnähmaschinen beschäftigen.

Die Herstellung einer so großen Anzahl von Nähmaschinen und deren Vertrieberheischen einerseits große maschinelle Anlagen, anderseits einen intensiv entwickeltenHandel. Wollten wir die Nähmaschine in der Weise anfertigen, wie im GroßmaschinenbauMaschinen hergestellt werden, so würde uns dafür die nötige Anzahl von Arbeitern fehlen.Die amerikanischen Fabriken sind, nachdem der Absatz schon Ende der fünfziger Jahrestetig größer geworden ist, mit zwingender Notwendigkeit darauf hingewiesen worden, eineFabrikationsmethode zu ersinnen, welche eine massenhafte Herstellung der Nähmaschineermöglicht hat. Diese Aufgabe haben die amerikanischen Techniker glänzend gelöst, indemsie eine neue Art der Fabrikation, die Massenfabrikation, geschaffen haben. Die alteMethode der Nähmaschinen-Herstellung hat sich, wie im Großmaschinenbau, darauf ge-gründet, daß die einzelnen Dimensionen der Maschine mit Hilfe von Reißnadel nndMeßwerkzeugen bestimmt und die zu bohrenden Löcher vorgekörnt worden sind. Währendbei dieser Herstellungsmethode der Schwerpunkt in der Ausbildung und Zuverlässigkeitder Arbeiter liegt, liegt derselbe bei dem neuen Verfahren, der Massenfabrikation, inder Genauigkeit und systematischen Durchbildung der maschinellen Anlage.

Worin besteht nun aber das Wesen der Massenfabrikation? In der Anwendungvon Spezialwerkzeugmaschinen, die vermöge ihrer besonderen Konstruktion nur einenbestimmten Gegenstand herstellen. Ferner in der Anwendung von Einspannvorrichtungen,in denen ein einzelnes Stück der Maschine einer besonderen Bearbeitung unterliegt.Endlich in der Art der Montage, insofern die Maschine nicht von einem einzigenArbeiter fertig montiert wird; vielmehr hat dieselbe eine Reihe von Einzelmontagen zudurchlaufen, ehe sie fertig montiert ist. Zu diesem Zweck hat man die Montage-Arbeiterin Gruppen zu teilen, von denen jede einzelne nur gewisse Teile in die Maschine einsetzt,um sie dann der nächstfolgenden Gruppe für die weitere Zusammenstellung zu überliefern.Zur Bearbeitung der Teile werden in ausgiebigster Weise Fräs- und mehrspindeligeBohrmaschinen angewendet. Außerdem kommen noch als allgemeine Werkzeugmaschinenin Frage: Revolverdrehbänke, Gewindeschneidmaschinen, Drehbänke verschiedener Bauart