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Theorie der Seile. Rohstoffe. Das Scildrchcii.
Weiter aber als bis zu diesem Punkte soll die Drehung auch nicht getrieben werden;denn jede Drehung raubt nachweislich einem Seil etwas von seiner natürlichen Festigkeit,d. h. von der Summe der Widerstandskräfte der einzelnen Fasern, und dies steigert sichnatürlich mit der Drehung. Auch macbt die feste Drehung die Seile steif, so daß sie sichnicht willig um eine Rolle u. s. w. hcrumbiegen, und hierin liegt ein weiterer Grund zueinseitiger Anstrengung und zu möglichen Brüchen; denn je steifer das Seil, umso mehrhat es Ähnlichkeit mit einem wirklichen festen Körper. Dreht doch umgekehrt der Holz-hacker seine Weidenrute aus, mit der er ein Reisigbund machen will, weil sie sonst zu starrist und bei kurzen Biegungen brechen würde. Hier wirkt dieselbe Behandlung nichtschließend, sondern öffnend, die einzelnen Fasergrnppen trennen sich der Länge nach, unddie nun freiere Beweglichkeit der einzelnen Bestandteile ergibt eine größere Geschmeidigkeitdes Ganzen.
Das beste Seil ist dasjenige, welches mit der größten Stärke die größte Biegsamkeitverbindet. Dies ist nun gerade nicht mit der runden, gedrehten Form am besten zu er-reichen, wiewohl diese in anderer Hinsicht wieder Vorzüge besitzt; vielmehr hat manschon früher erkannt, daß die bloß wie ein Zopf geflochtenen Seile darin Vorzüge haben,und daß die letztere Art noch von den geklöppelten Seilen nbertroffen werden. Man be^folgt ein ähnliches Prinzip in den Flachseilen, welche die ihrem Namen entsprechendeForm haben und daher mehr Gurte als Seile in gewöhnlichem Sinne darstellen. Siesind an ihrer richtigen Stelle besonders da, wo es etwas aufznwinden gibt, also nament-lich in Bergwerken n. s. w.
Rohstoffe. Die Grundlage der meisten Seilcrwaren ist ein gröber oder feiner ge-sponnenes Garn, Hanf oder Flachs. Die feinsten und weichsten Hanfsortcn wählt man zuden Bindfadenartcn und feineren Schnüren. Die festen Hanssorten, deren Fasern wenigerweich sind, werden zu Leinen und stärkeren Seilen bestimmt. Außerdem kann man selbst-verständlich alle uns schon bekannten Faserstoffe zu Seilen verarbeiten; mit einigen, wiemit der Seide, geschieht es wohl auch zu besonderen Zwecken; in ausgedehnterem Ge-brauch sind aber außer unseren einheimischen Rohstoffen nur noch einige ausländische,von denen der Cvir oder Roya, die faserige Hülle der Kokosnuß, und der sogenannteManila - sowie Pisahanf die hervorragendsten sind. Seile und Taue aus Coir fühlensich zwar rauh an und lassen sich nicht teeren, sie gewinnen aber durch das Wasser ehernoch an Haltbarkeit und geben guten Hanftauen nichts nach. Seit langen Zeiten stellendie Südseeinsulaner das sämtliche Tanwerk ihrer Schiffe daraus her; in neueren Zeitenwerden sie aber auch von europäischen Nationen gern zu Ankertauen benutzt.
Der Manilahanf stammt aus den Blättern einer Spielart der Banane und wirdvon den Philippinen aus neuerdings stark zur Taufabrikation verschifft. Neben diesenschmiegsamen Fasern beteiligt sich nun aber auch noch das starre Eisen an der Herstellungvon Tauen, und wir werden am Schluß aus die Erzeugnisse daraus, die Drahtseile, nochbesonders zu sprechen kommen. Die Telegraphenkabel gehören einem besonderen Zweigeder Technik an, der mit ganz anderen Hilfsmitteln und zu ganz anderen Zwecken arbeitet;wir müssen in Bezug auf dieselben unsere Leser auf das in Band III. S. 452 ff. Gesagteverweisen.
Das Seildrehen. Wollte man einige Hundert oder Tausend Garnsäden gleich inein Ganzes zusammendrehen, so würde das ein schlechtes Seil geben, denn die äußerenGarnlagen müßten dabei notwendig, weil sie die weitesten Spiralen beschreiben, ammeisten eingekürzt werden, während die inneren, je tiefer sie nach dem Zentrum lägen,zwar dieselbe Anzahl Windungen, aber mehr um ihre eigene Achse haben würden.
Würde nun ein solches Seil angestrengt, so würde die Spannung zunächst mir dieäußeren Lagen treffen, die inneren aber würden müßig liegen, ja die ersteren würdenweit früher Platzen, ehe die inneren in den Fall kämen, ihre Widerstandskraft geltendzu machen. Die wirkliche Bauart der Seile ist daher eine andere; man dreht (schlägt,wie der teiiuiuus taollniLus heißt) aus dem Garn Litzen oder Duchten, und diese wiederzu Seilen zusammen. Seile für Flaschenzüge, für die Landwirtschaft u.s. w. werden ausvier Litzen zusammengedreht, Seile für die Schiffahrt dagegen aus drei. Zu den Litzen
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