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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Geschichte des Kautschuks.

Die erste geschichtliche Erwähnung des Kautschuks findet sich bei dem SpanierAntonio Herrera (geb. 1549 zu Cnellar, gest. zu Madrid 1625), der in einer Be-schreibung von Kolumbus' zweiter Reise erzählt, daß die Eingeborenen auf Haiti einSpiel mit Bällen trieben, welche letztere aus dem eingetrockneten Safte einer Pflanzehergestellt waren. Nach ihm erwähnt Juan de Torguemeda in seinem Buche ckv lamoiiargnia incliuna (Madrid 1615) die Verwendung von elastischen Bällen und nenntdie Pflanze, welche die Masse znr Herstellung dieser Bälle lieferte, Ulegnahitl oder Ule-baum, eine Bezeichnung, welche heute noch bei den Eingeborenen in Mexiko für OastMoaalastiaa und dastilloa illarlümiuiana gebräuchlich ist. Ansang des >8. Jahrhundertswurde der damals völlig unbekannte Kautschuk zuerst nach England gebracht und bildetelange Zeit einen Gegenstand unbefriedigter Nengierde, da man über dessen Herkunft nichteinmal eine sichere Mitteilung hatte. Als Rarität wurde die Unze mit einer Gninee be-zahlt. Der berühmte französische Gelehrte de la Condamine, derselbe, dem wir auchdie Entdeckung des Chinabaumes zu verdanken haben, überreichte bei seiner Rückkehr nacheinem längeren Aufenthalt in Südamerika 1736 der Pariser Akademie eine Abhandlung,worin nachgewiesen wurde, daß der Kautschuk der Angetrocknete Milchsaft eines inBrasilien heimischen Baumes sei. Der Ingenieur Fresneau fand 1751 einen Kautschukliefernden Baum in Cayenne und machte die ersten genaueren Mitteilungen über dasVerfahren, welches die Indianer bei Gewinnung des Kautschuks verfolgen. Der BotanikerFuset Aublet beschrieb in seiner Flora von Guayana die Ilavsa Onaz-aususis, und JamesHowison, ein Arzt auf der Prince-of-Walesinsel, beschrieb zuerst unter der Bezeichnung„an slastio xuiu rvins" diejenige Spezies, welche später von Roxburgh „Uraoolasliwtioa" genannt wurde. Nr. W. Roxburgh, ein Schotte, entdeckte zuerst in den Wälderndes Brahmaputra in Assam die Ilona olastioa.

Der erste, welcher auf eine Verwendung des Kautschuks aufmerksam machte, war derberühmte englische Chemiker Priestley (1770), der es znm Auslöschen von Bleistiftstrichenempfahl. Bis zu dem Jahre 1820 blieb dies fast die einzige Verwendung; nur zuweilenwurde es von Chemikern znm Verdichten von chemischen Apparaten, znr Herstellung vonluftdichten Verbindungen u. s. w. verwandt. Erst mit der näheren Kenntnis der chemischenEigenschaften des Kautschuks kam mau zu der Einsicht, daß derselbe vermöge seiner außer-ordentlichen Elastizität, sowie Indifferenz gegen Säuren, Alkalien und Lösungsmittel sich zumannigfachen Zwecken eigne. Anfangs standen der industriellen Verwertung die schwierigeBehandlung resp. Bearbeitung des Rohmateriales, dem man bis dahin nur durch um-ständliches Beschneiden und höchst unvollkommene Methoden der Auflösung sehr schwierigbestimmte Formen geben konnte, hindernd im Wege. Später lernte man diesen Übclstandbeseitigen, indem man gegen Ende des Jahres 1836 die wichtige Entdeckung machte,daß kleingeschnittener oder zerrissener Kautschuk sich durch gewaltsames Kneten bei mäßigerWärme zu großen, dicken Klumpen vereinigen läßt, dabei für einige Zeit seine Elastizitätvollständig verliert und in diesem Zustand in beliebige Formen gebracht werden kann.

Noch aber litten die Kautschnkwaren an einem höchst unangenehmen Übclstanv,nämlich der Veränderlichkeit ihrer Elastizität. Bei gewöhnlicher Temperatur zeigte sichder natürliche Kautschuk sehr elastisch, so daß ein Faden auf die fünf- bis sechsfache Längeausgezogen werden konnte und beim Loslassen wieder auf seine ursprüngliche Größezurückging; in der Kälte jedoch verlor er seine Elastizität, wurde hart und spröde;und bei großer Sommerhitze (über 35°) wurde er klebrig und weniger elastisch. Vonhöchster Bedeutung für die Entwickelung der Kautschnkindustrie war deshalb die Ent-deckung des sogenannten Bulkanisierens des Kautschuks. Durch die Vulkanisierungwurde das vorhin erwähnte Verhalten des Kautschuks (bei niederer Temperatur seineElastizität zu verlieren und spröde zu sein, bei höherer Temperatur klebrig zu werden)verändert. Der vulkanisierte Kautschuk behält bei niederer sowie bei höherer l nicht über120° 0. steigender) Temperatur seine Elastizität und ist gegen chemische Agenzien bedeutendwiderstandsfähiger als der andere.

Lndersdvrf beobachtete 1832 zuerst, daß Schwefel dem in Terpentinöl aufgelöstenKautschuk die Klebrigkeit benimmt. Nach ihm versuchte ein Amerikaner Haywart die

Buch der Erfind. VNI. 88