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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Entwickelung des Verkehrswesens in China, Indien , Arabien.

Ninivcs eine starke Förderung erfuhr, bedingte das Entstehen einer großen Anzahl Ver-kehrswege, über deren Konstruktion jedoch bis jetzt nichts bekannt ist. Es dürfte sichersein, daß ihre Beschaffenheit durchgängig eine sehr einfache war. Babylon und Ninive waren Knotenpunkte von Straßen, welche sich durch ganz Westasien, östlich bis Indien und Westchina, südlich bis in das Land der Sabäer erstreckten.

Im Osten Asiens, in China , entwickelte sich gleichfalls früh ein reges Vcrkehrsleben,dem die Ströme des Landes, künstliche Wege und Kanäle dienstbar gemacht wurden. Ausdem ältesten Teil des Kaiserkanals wurden bereits im Altertum Reis und andere Produktetransportiert, die als Tribut abzuliefern waren. Alle 12 Jahre hatten der Kaiser unddie Basallenfürsten Bisitationsreisen auszuführen, die auf weite Strecken zu Wagen zurück-gelegt wurden und als ein Beweis anzusehen sind, daß die Straßen eine gute Beschaffenheitbesaßen. Bei Reisen aus allen Provinzen nach der Hauptstadt konnten Wagen benutztwerden. Die Wege waren geebnet und mit Bäumen bepflanzt. Dieselben waren zum Teil sobreit, daß man vierspännig fahren und in eilendem Fluge mit Jagdwagen über sie Hinweg-rollen konnte. Die geologische Beschaffenheit weiter Flächen des chinesischen Riesenreichesgestaltet die Schaffung der Wege zu einer höchst eigentümlichen Aufgabe. Der Löß, eineBodenart, die sich in Deutschland am Rhein findet, führt infolge von Auswaschungen zutief eingeschnittenen Hohlwegen, in denen der Weg steil hinunter führt, um nach einigerZeit wieder an die Oberfläche hinaufzusteigen. Die Lößwände erheben sich an diesenWegen senkrecht zu großer Höhe, wie dieses die Abb. 3 zeigt. Die bekannte älteste undberühmteste chinesische Kunststraße ist die Straße über den Tsin-ling-schan in der ProvinzShensi. Diese Heerstraße wurde aller Wahrscheinlichkeit nach im dritten Jahrhundertv. Chr. erbaut, und nach dem Ausspruche des Tirolers Martini, der die Straße um dieMitte des 17. Jahrhunderts gewandelt ist, stellte dieses Werk alles Ähnliche auf der Weltin den Schatten. Wenn auch diese Behauptung eine Übertreibung enthält, so ist dochimmerhin dieser Heerweg nach dem Urteile des bekannten Geographen von Richthofen einesehr beachtenswerte Leistung der Straßenbautechnik.

In Indien ließen Religion und Sitte frühzeitig Landstraßen entstehen und war esbesonders der König A^oka (300 v. Chr.), der sich außerordentlich verdient um die Schaffungvon Wegen machte. Derselbe ließ die Wege mit Karawanseraien, Brunnen und Meilenzeigernversehen. Zwecks Schaffung dieser Wege wurden Bäume entfernt, der Boden geebnet, Felsendurchbrochen, Brücken erbaut und zum Abzug des Wassers Kanäle gegraben.

Schon für diese frühe Zeit läßt sich erkennen, wie der Welthandel die günstigstenRouten unter Ausnutzung der jeweilig zur Verfügung stehenden Transportmittel aufsuchte.Zu allen Zeiten lag es außerhalb der Macht der Menschen, dem Welthandel seine Bahnvorzuschreiben, vielmehr ist es diesem stets nur möglich gewesen, durch die Vervollkommnungder Verkehrsmittel und durch die Beseitigung von Verkehrshindernissen, wie beispielsweisedurch die Turchstechung von Landengen aus die Richtung des Welthandels dauernd ein-zuwirken. Während man früher glaubte, den Untergang des im Süden Arabiens belegenenSabäerreiches dem Bruch des berühmten Dammes von Marib zuschreiben zu müssen,durch welches Ereignis die blühenden Fruchtgärten zerstört worden seien, neigt man sichheute der Ansicht zu, daß dieser Untergang die Folge eines langsam fortschleichenden Übels,nämlich der Verschiebung einer Welthandelsstraße gewesen ist. Solange die Schiffahrtnoch nicht in weitergehendem Maße ausgebildet war, hatten die Sabäer allein denKarawanenhandel vom südlichen und östlichen Arabien bis nach Ägypten, Syrien undden Euphratländern in Händen gehabt und waren die Vermittler des indischen undafrikanischen Handels gewesen. Mit der sich vervollkommnenden Schiffahrt wurden dieHandelsstraßen langsam aber sicher aus dem Binnenlands abgelenkt, wodurch die nörd-lichen Provinzen des Sabäerreiches immer mehr an Bedeutung verloren.

Der von den Herrschern Babyloniens geschaffenen Verbindung mit dem Westen istdie Verpflanzung der babylonischen Kultur nach Europa zu verdanken. Die Phönizierwaren die Vermittler und Verbreiter der vorderasiatischen Kultur, die gleichsam eineVerschmelzung der babylonisch-assyrischen und der ägyptischen Kultur darstellte. Nebendem Lande wurde das Meer fortan in ausgedehntem Maße dem Verkehrswesen dienstbar