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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Einleitung: Entwickelung des Verkehrswesens.

Bäumen bepflanzt und an welchen in bestimmten Abständen Gasthänser und Schuppenaufgestellt wurden. Von Peking gingen eine Anzahl Radialstraßen in verschiedenerRichtung ab. Ein wohlgeordnetes System von Stationen, welche mit berittenenKurieren und mit Gespann ausgestattet wurden, ermöglichten eine schnelle undsichere Verbindung. Der venezianische Kaufherr Marco Polo spricht in seinem viel-genannten Werke von den Einzelheiten dieser Einrichtung und erwähnt dabei die Auf-sichtsbeamten, welche verpflichtet waren, für die Ordnung und Unterhaltung der Wege zusorgen. Neben den gepflasterten Heerstraßen lag ein ungepflasterter Streifen, der denReitern ein rasches Vorwärtskommen ermöglichte.

Die beginnenden langandauernden Kämpfe zwischen den Arabern und Byzanz er-wiesen sich für einige unternehmende Städte Italiens von großem Vorteil. Venedig ,Genua, Pisa, Amalfi wußten den Handel mit Ägypten und Syrien immer mehr inihre Hände zu spielen; durch Verträge mit dem griechischen Hose und mit den Sarazenensicherten sich die Gennesen und Venezianer den Zwischenhandel. Im gleichen Maße wiedie Schiffe Konstantinopels gezwungen waren, sich aus dem Ägäischen und dem Mittelmeer zurückzuziehen, im selben Maße drangen die Fahrzeuge der Italiener vor. Die Spuren derVenezianer im Handel mit Konstantinopel und auch in den Handelsverhältnissen nach Syrien und Ägypten lassen sich bis in das nennte Jahrhundert zurückverfolgen. Die Stellungder Italiener in Konstantinopel war zeitweise eine sehr angesehene, zeitweise suchten sichdie griechischen Kaiser durch die schändlichsten Mittel dieser Konkurrenten zu entledigen.

Eine sehr bedeutungsvolle Rolle spielte jahrhundertelang in der Geschichte desHandels und damit in derjenigen des Verkehrs Venedig . Ein Fischerdorf, gegründetvon den vor Attila geflüchteten Bewohnern von Aquileja, Padua und Concordia , war derAusgangspunkt des machtvollen Venedigs . Schon unter Thcoderich (454—526 n. Chr.)bediente sich Ravenna der Fahrzeuge der Venezianer. Im Jahre 829 drohte der Stadt,die mit 60 Schiffen im Bunde mit dem griechischen Kaiser Sizilien gegen die Maurenverteidigt hatte, die Gefahr der Vernichtung. Die dem Kaiser Karl dem Großen geleisteteHilfe gegen Pavia verschaffte Venedig die Unabhängigkeit. Otto lll. (996) erteilte denVenezianern die Befugnis zum Besuche der deutschen Messen. Bis gegen Ende derKreuzzüge war jedoch der Verkehr mit Deutschland ein sehr geringer, und ein unmittel-barer Großhandel mit den italienischen Städten existierte nicht.

Deutschland war um diese Zeit von dem Weltverkehr gleichsam ausgeschlossen. Esgehörte zu denjenigen Ländern, in welchen nach dem Zusammenbruch des Römerreicheszunächst eine sehr traurige Periode des Verkehrslebens und des Handels begann. DieZahl der Verbindungswege blieb zwar eine ziemlich große, doch war ihre Beschaffenheiteine sehr mangelhafte. Der Unverstand der Menschen ließ die prachtvollen Kunststraßenvielfach zu Grunde gehen, indem man deren Verfall thatenlos zusah. Karl der Große zeigtesich auch in dieser Beziehung als ein Mann mit weitem Blick, indem er wiederholt Befehleerließ, Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Überresten der Römerstraßen herzustellen.Die fränkischen Soldaten mußten wie einst die römischen mit Hand aus Werk legen. Inseinen Kapitnlarien verordnete er die Wiederherstellung der Kirchen, Brücken und Straßenund schrieb er den Handelsleuten die Straßen vor, um sie zu ihrer eigenen Sicherheitan seine Gaugrafen verweisen zu können. Es heißt daselbst: „Die Kaufleute auf ihremZuge in die Lande der Slawen und Avaren sollen gen Sachsen bis Bardewik reisen, woHredi für sie zu wachen hat, zu Schesla (an der Aller), wo sie Madalgoz schützt; zuMagadoburg sind sie der Hut Hattos anvertraut, zu Erpissurt dem Madalgand, zu Forch-haim, zu Bremberg, zu Ragenisbnrg sitzt Adnlph, zu Lorch der Warnar". Eine Haupt-straße zog sich von dem Tonauthal in das Elbe - und Wesergebiet, eine zweite ging überAugsburg und Ulm, den Main und Neckar abwärts, nach Frankfurt und an den Rhein .Die Machtausdehnung der Araber hatte eine allgemeine Stockung des Welthandels be-wirkt, die erst durch die Anknüpfung neuer Verbindungen in dem Donauthal durch Kölner und Mainzer Kaufleute einigermaßen aufgehoben wurde. Der Einbruch der Hunnensperrte diesen Weg für den Durchgang der orientalischen Waren, die fortan nur überKiew und Nowgorod nach Deutschland und ztvar an die Ostsee gelangen konnten.