Tie Handelsstädte Italiens. Venedig. Deutschland . Bedeutung der Kreuzzüge. 17
Die Küstenbewohner Deutschlands hatten es zwar schon im Altertum gewagt, mitprimitiven Schissen das Meer zu besahren, aber weder diese noch die sestgezimmerten,mit Schils kalfaterten und durch märchenhafte Tiergestalten geschmückten Fahrzeugebrachten dem Handel Vorteile. Schon die römischen Kaiser kämpften vergebens gegen dieSeeränberbanden der Friesen und Sachsen , deren Ranbznge als Wikingerzüge bekanntsind, und an welche noch die in Irland an der Küste stehenden, neben den Kirchen er-richteten Anssichtstürme erinnern. Bis ins zehnte Jahrhundert hinein war die ganzeKüste durch diese kühnen Seefahrer gefährdet. Die Besiedelung Großbritanniens durch dieAngelsachsen bewirkte in Verbindung mit der festeren Gestaltung der Verhältnisse Galliens und Germaniens , daß die Piraten sich auf die skandinavische und cimbrische Halbinselzurückzogen. Ihre Kraft war jedoch noch lange nicht gebrochen und trat nicht selten mitelementarer Gewalt hervor. Karl der Kahle , Karl der Ticke und Karlmann waren ge-nötigt, große Summen zu zahlen, um das Reich von den Skandinaviern und den Nor-mannen zu befreien. Um die Mitte des 9. Jahrhunderts gründeten die letzteren inverschiedenen Teilen Europas, besonders in Spanien , auf Sizilien und in dem südlichenItalien Herrschaften, welche sich zu einer gewissen Bedeutung erhoben. Im Jahre 1090eroberten sie Malta, welche Insel später (1530) von Kaiser Karl V. den Johanniter-Ritternzum Geschenk gemacht wurde.
Der bedeutendste der Normannenfürsten, Robert Guiscard rief die Idee zu denfür die Gestaltung des Welthandels in den folgenden Jahrhunderten so sehr bedeutungs-vollen Krenzzügcn ins Leben, welche Idee seitens des Papstes und der italienischen Seestädte mit Lebhaftigkeit aufgegriffen wurde. Die in der Zwischenzeit dem Handel nachSyrien und Ägypten durch die religiösen Anschauungen, welche in diesem Handel mitden Ungläubigen etwas Unzulässiges erblickten, erwachsenen Hemmnisse mußten es denitalienischen Hafenstädten erwünscht erscheinen lassen, am Jordan und am Nil wiederumdas Kreuz aufgerichtet zu sehen. Um diese Zeit hatte sich in der Poebene eine blühendeIndustrie entwickelt, welche erklärlicherweise auf den Handel der italienischen Seestädteeinen günstigen Einfluß ausübte. Auch dieser Umstand trug dazu bei, den frommen Eiferzur Znrückeroberung des Heiligen Landes anzuspornen. Es ist von besonderem Interesse,darauf hinzuweisen, daß selbst die Kreuzprediger in ihren Predigten die Behauptung An-flochten, daß man durch die Eroberung Ägyptens zum unmittelbaren Besitz des indischenHandels gelangen könne, und daß die Eroberung Jerusalems samt den umliegendenLändern zur bequemen Überführung der Waren nach Europa sehr vorteilhaft sein würde.
Die Venezianer beteiligten sich an den Kreuzzügen als Handelsmacht. Sie be-trachteten die Niederlassungen im Heiligen Lande als Handelsfaktoreien, welche ihnendie Möglichkeit gewähren sollten, außer über der großen über Konstantinopel führendenHandelsstraße auch einen unmittelbaren Verkehr mit dem Morgenlande zu unterhalten.Auch noch in anderer Weise erwiesen sich die Kreuzzüge für einige italienische und süd-französische Seestädte in finanzieller Beziehung von Vorteil. Die zunehmenden Pilger-fahrten führten nämlich zu einem regelmäßigen zweimaligen Postkurs im Jahre. DieseFahrten nahmen insbesondere von Venedig, Genua, Pisa, Amalfi und Marseille ihrenAusgang. Mit dieser Personenbeförderung war ein geregelter Frachttransport verbunden.Das sogenannte Passagium, die Meerfahrt nach dem Heiligen Lande, begann im Früh-jahr und um die Sonnenwende. Mit der ersten Fahrt kam man um Ostern, mit derzweiten im August oder September in Palästina an. Durch den Vertrag, welchenLudwig IX. abschloß, erhält man einen ungefähren Anhalt über die Kosten der Überfahrt.Danach waren für einen Ritter mit zwei Knappen, ein Pferd und einen Pferdejungenetwa 300 Mark (nach unserem Gelde) zu zahlen. Ein Ritter zahlte aus dem Kajüttplatz90 Mark, ein Knappe aus dem Deckplatz 35 Mark. Der Fahrpreis für einen Pilger aufdem letzteren Platz betrug 30 Mark.
Nachdem die Pilger wochenlang sich in den Hafenstädten aufgehalten hatten und nachdemendlich die Schiffe mit allem Erforderlichen ausgerüstet waren, begann die Einschiffung.Die Pilgergesellschaften zogen unter Vortritt der Geistlichen an Bord und zwar in feierlicherProzession, Hymnen und Pilgerliedcr singend. Um das Fahrzeug wurden an den Brust-wehren die bunten Schilder der Ritter befestigt und auf dem Kastell die Fahnen aufgesteckt.
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