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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Einleitung: Entwickelung des Verkehrswesens.

kaum zu unterscheiden war. Nur bei schönem Wetter war die ganze Wegebreite für Räder-suhrwerk zu gebrauchen. Meistens lag rechts und links tiefer Kot, und nur ein schmalerStreifen festen Bodens erhob sich über dem Sumpfe. Bei einer solchen Wegebeschaffenheitwar es unvermeidlich, daß häufig Wegeverspcrrnngen und Zänkereien vorkamen und daßnicht selten der ganze Weg lange Zeit hindurch von Fuhrleuten besetzt war, von denenkeiner ausweichen wollte. Alltäglich saßen die Kutscher fest, aus einem benachbarten Pacht-hause mußte alsdann ein Gespann herbeigeschafft werden, um den Wagen aus dem Schlammeherauszuarbeiten. Das Reisen auf solchen Wegen war mit den denkbar größten Unbequem-lichkeiten verbunden. Die große Straße durch Wales nach Holyhead war in einem solchenZustande, daß der Vizekönig im Jahre 1685 fünf Stunden brauchte, um 22 hg Kilometerzurückzulegen. In Conway wurden die Wagen auf jener Strecke gewöhnlich auseinandergenommen und auf den Schultern stämmiger wallisischer Bauern bis zur Menaistraßegetragen. An dem schlechten Zustande der Straßen war nicht am wenigsten der Umstandschuld, daß die Kirchspiele die sie durchziehenden Straßen zu bauen und zu unterhaltenhatten. Die Bauernschaft mußte sechs Tage im Jahre unentgeltlich daran arbeiten. Ge-nügte deren Leistung nicht, so wurden gemietete Arbeitskräfte benutzt und die Kosten durcheine Kirchensteuer gedeckt. Es war unleugbar eine Ungerechtigkeit, daß die Landstraßenzwischen den Städten auf Kosten der zwischen ihnen liegenden zerstreuten ländlichen Be-völkerung unterhalten wurden. Nach der Restauration wurde ein Landstraßengesetz er-lassen, wonach von den Reisenden und für Waren eine Abgabe zu entrichten war. Gleich-zeitig wurde durch Parlamentsbeschluß die Einführung von Schlagbänmen festgesetzt.Das Volk wollte jedoch den damit geschaffenen Zoll nicht tragen und zerstörte die Schlag-gitter zu wiederholten Malen.

Alle diese Umstände trugen in England in gleicher Weise, wie solches für andereLänder zutrifft, dazu bei, daß das Verkehrsleben im Inneren des Landes sehr wenigausgebildet und daß den wenigsten Menschen ein Hinaustreten aus dem Orte ihrer Geburtbeschicken war. Der Mangel an brauchbaren Wegen beherrschte das gesamte Leben unddrückte ihm seinen Stempel auf. Eng umgrenzt war der Blick deS einzelnen, und dieWelt mit ihrem Getriebe war für die meisten Menschen ein nnausgeschlossenes Land. Nurselten drang von auswärts eine Kunde, und die Ereignisse waren am Thatorte fast ver-gessen, wenn die Nachricht davon nach den entlegenen Stätten gelangte. Die Kirchturms-politik und der Lokalpatriotismns konnten sich zur höchsten Blüte entfalten, jeder konntemit Recht seine Ortsverhältnisse für die besten und schönsten der Welt halten, da er vonden übrigen nichts sah, selten etwas hörte. Leicht war es, dem Leben einen patriarchalischenCharakter zu wahren, Meister und Gesellen wohnten unter einem Dache und aßen auseiner Schüssel. Die Lebenserfahrungen des einzelnen waren gering, Sitten und Gewohn-heiten nicht der feinsten Art.

Infolge der durch die schlechte Beschaffenheit der Wege verursachten hohen Transport-kosten mußte der größte Teil der Menschen auf Hunderte von Gegenständen verzichten,deren Benutzung heute als selbstverständlich gilt. Selbst viele Edelleute besaßen im17. Jahrhundert noch nicht viel mehr als Bett, Tisch, Stuhl und Truhen. Die Bequem-lichkeit war unzähligen Menschen ein ungekannter Genuß. Dem Leben, welches gleich-mäßig dahinfloß, war zwar die Nervosität unserer Zeit nicht eigen, ihm fehlte aber auchdas meiste, wodurch uns dasselbe reizvoll erscheint. Die wenigen Gegenstände des täg-lichen Gebrauches waren äußerst einfach und unausgebildet. Die Töpferei befand sichauf ihrer kunstlosesten Stufe, Holz-, Zinn- und selbst Ledergesäße bildeten den Hauptteilder Hausstandsgegenstände und die Tischgeräte von wohlhabenderen und gebildetenFamilien. Hausierer, welche gleichzeitig die Beförderer der Nachrichten von Ort zu Ortwaren, versahen die Bewohner mit den erforderlichen Waren, in den meisten Ortschaftengab es keine Läden. Die land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnisse konnten nur in un-genügender Weise verwertet werden. In Schottland , welches Land reich an gutem Bau-holz ist, brachte man nur die Baumrinden auf dem Rücken der Pferde nach der Stadtund ließ das übrige verfaulen. Auf dem Rücken der Pferde mußten Korn und Wollefortgeschafft werden, und mittels Tragkörben empfing London einen erheblichen Teil seiner