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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Die Sibirische Eisenbahn .

Durch die in verhältnismäßig kurzer Zeit zur Ausführung gekommene TranskaspischeEisenbahn wird ein früher hochkultiviertes Gebiet, mit den einst vielgepriesenen und ge-rühmten Städten Samarkand, Buchara, Merw dem Kulturleben wieder zurückgegeben werden.

Ein noch riesenhafteres Unternehmen ist die von Rußland geplante und zu einem gutenTeile schon fertiggestellte Sibirische Eisenbahn (Abb. 19). Die Bahn erstreckt sich vonTscheljabinsk am Ostabhange des Urals bis nach Wladiwostok am Japanischen Meere. DieLängenausdehnung beträgt 7609 lon. Die gesamte Sibirische Eisenbahn ist in Unter-abteilungen zerlegt worden, in die Westsibirische Linie von Tscheljabinsk bis znm Ob

- 14l 1 Ion, die Mittelsibirische Linie vom Ob bis Jrkntsk --- 1848 Ion, die Baikalringlinievon Jrkntsk nach Mpsowskaja ^312 lem, die Transbaikallinie von Mysowskaja nachStrjetensk an der Schilka 1128 Ion, die Amurlinie von Strjetensk bis Chabarowsk am Amur-^2132 Ion und die Ussuri-Eisenbahn von Chabarowsk nach Wladiwostok

- 778 Ion. Der Eisenbahubau ist von beiden Endpunkten aus im Jahre 1891 in Angriffgenommen, und man hofft die gesamten Arbeiten bis 1904 vollenden zu können. Stattder ausgegebenen Amurlinie wird direkt durch die Mandschurei eine Eisenbahn zwischenOuon über Kirin nach Nikolskoje gebaut, und die einst ohne Zweifel von dieser Linie sichabzweigenden Bahnen werden in dem Aufschließnngsprozesse des chinesischen Reiches einegroße Rolle spielen.

Während die Eisenbahnen in den alten Kulturländern neues Leben und einen wohlnie für möglich gehaltenen Aufschwung der wirtschaftlichen Thätigkeit im Gefolge hatten,dienten und dienen sie in den neuen Ländern zur Erschließung. In Amerika undAustralien ermöglichten sie die Besiedelnng weit ausgedehnter, vorher fast unbewohnterLänderstrecken. In Asien und Afrika werden durch die jetzt zur Ausführung kommendenEisenbahnen die reichen Naturschätze der von ihnen durchzogenen Gebiete für die Mensch-heit nutzbar gemacht, und in allen Verhältnissen werden Änderungen hervorgerufen, dieihren Einfluß auch auf die anderen Länder erstrecken.

Daß die Eisenbahnen mit ihrem weiteren Vordringen den Postverkehr immer mehrverdrängen, erscheint selbstverständlich, da auch die bestausgestattetcn Posten keine genügendeAnziehungskraft mehr auszuüben vermögen, sobald sie mit einer Eisenbahnlinie in Wett-bewerb treten müssen. So wird auch bald die Tagespost «Abb. 20) von Beirut nachDamaskus ihre letzte Reise zurücklegen, nachdem zwischen diesen beiden Orten eine Eisen-bahn entstanden ist.

Die vorteilhaften Wirkungen der Eisenbahnen lassen es erklärlich erscheinen, daß dasEisenbahnnetz der Erde an Ausdehnung beständig zunimmt. Die Eisenbahnen der Erdehatten zu Ende 1897 eine Länge von rund 732255 bin gegen 654528 lein Ende 1892.Diese Länge übertrifft das 18 fache des Erdumfangs am Äquator und das 1,sfache dermittleren Entfernung des Mondes von der Erde noch um etwa 12000 lein. Der jähr-liche durchschnittliche Zuwachs beträgt 14 500 lein. Der in Amerika eingetretene Rück-gang in dem Eisenbahnban wird durch die großen Fortschritte desselben in Sibirien und Kleinasien mehr als ausgeglichen. Im Jahre 1893 sind die ersten kurzen Streckender Sibirischen Bahn, 108 Ion, fertiggestellt, Ende 1896 waren 3038 lern dieser Bahnvollendet. Das kleinasiatische Eisenbahnnetz ist auf 2509 Ion angewachsen. In Amerika waren im Jahrfünf 1885 89 52 179 lein ausgeführt worden, im Jahrfünf 1892 96kamen nur 12 860 Ion zur Herstellung, wodurch eine Besserung der wirtschaftlichen Lageder amerikanischen Eisenbahnen herbeigeführt worden ist. Amerika ist jedoch nach wie vorder an Eisenbahnen reichste Erdteil mit 380 384 lein, die Vereinigten Staaten besitzen296 745 lein und damit mehr als ganz Europa , welches 263 145 lein auszuweisen hat.In Asien sind 49 764 Ion, in Australien 22 372 Ion, in Afrika 14 798 Ion Eisenbahnen.Unter den europäischen Staaten nimmt Deutschland mit 48 116 Ion die erste Stelle ein.Es folgen Rußland mit 45 576 Ion, Frankreich mit 41342 Ion, Großbritannien und Irlandmit 34 445 lem, Osterreich-Ungarn mit 33 668 lein. Das Anlagekapital sämtlicher Eisen-bahnen der Erde wird auf 144^ Milliarden Mark berechnet, die Anzahl der Lokomotivenwird auf 131219 Stück mit etwa 280 Millionen Pferdekräften, die Gesamtzahl derunmittelbar beim Betriebe der Eisenbahnen beschäftigten Personen auf 5 Millionen geschätzt.