61
Entwickelung des Straßenbaues in der Neuzeit.
In Europa blieben bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts hinaus die Wege--Verhältnisse im allgemeinen sehr traurige. In Brabant und Flandern ging man zuerstdamit vor, dem Wegekörper eine seste Beschaffenheit zu geben. In Deutschland erwies sichdie Kleinstaaterei erklärlicherweise als ein sehr hemmendes Element in der Förderung einesdurchgehenden einheitlichen Wegenetzes, welche Bestrebungen in Frankreich , begünstigtdurch die Zcntralisation der Staatsgewalt, neben welcher die Verwaltung der einzelnenStaatsgebiete bis zur Revolution eine sehr dezentralisierte war, einen viel günstigerenErfolg auswiesen. Der erste französische kunstgemäße Straßenbau kam im Jahre 1556zur Ausführung, ohne jedoch zunächst weitere Anlagen dieser Art nach sich zu ziehen.Der Wcgekörper der genannten Straße ward in einer Breite von 2,5 Doisen 4,8? nraus Steinmaterial hergestellt, die Seitenflächen blieben in ihrem losen Naturzustand.Die unablässig erlassenen Mandate der Könige bewirkten wenigstens so viel, daß dasLand mit einem zusammenhängenden Netz von Straßen und den erforderlichen Brückenüberzogen wurde. Im Jahre 1576 wurde die Benutzung der Post, die bis dahin aus-schließlich staatlichen Zwecken diente, den Privatpersonen freigegeben, 1605 wurde dieseprivatseitige Benutzung auch auf die Beförderung von Personen und Gepäckstücken aus-gedehnt. Die Beschaffenheit der Straßenoberfläche war jedoch noch während langer Zeiteine ziemlich primitive, und der Hauptunterschied zwischen den sogenannten „§ranäsoüsmiiw" und den Straßen untergeordneter Bedeutung bestand lediglich in der verschiedenenBreitenabmessung. Erst mit dem 17. Jahrhundert begann eine merkliche, jedoch sehrlangsame Besserung. Heinrich IV.
(1589 bis 1610) übertrug seinemMinister Sully das Amt eines Lber-anfsehers über alle Straßen. Sullyschlug dem König vor, jährlich einegewisse Summe auf die Wege znverwenden. Im ^zahre 1 600 wurden 28 . Französischer Straftcnnnterbau.
für diesen Zweck 18 000 Frank aus-geworfen, 1606 betrug die Summe bereits 3 Millionen. Colbert führte das vonSully Begonnene weiter. Nicht selten wurden besondere Maßregeln ergriffen, so beidem Bau der Straße von Paris nach Lrleans, einer der ersten gepflasterten StraßenFrankreichs . Der Bau begann 1675, die Fuhrleute, welche gewöhnlich Wein vonOrleans nach Paris brachten und leer zurückfuhren, mußten Sand und Pflastersteineauf ihre Karren laden und sie nach der Stelle bringen, an welcher an dem Wege gebautwurde. Die Mehrzahl der Wege blieb jedoch auch jetzt noch in einem wenig befriedigendenZustande, an dem die Unterhaltungsweise der Straßen durch Frondienste einen nicht ge-ringen Anteil hatte. Sämtliche Landbewohner von 16 bis 65 Jahren mußten 20, 30,in manchen Gegenden 40 Tage im Jahre unentgeltlich an der Herstellung der Straßenarbeiten, und die nächstgelegenen Gemeinden mußten die Arbeiter verpflegen. Als dieVerarmung der Landbewohner zu sehr zunahm, wurde endlich im Februar 1776 derFrondienst abgeschafft und an dessen Stelle eine allgemeine Geldsteuer eingeführt.
In Deutschland war seit 1516 eine Posteinrichtung vorhanden, die Franz von Taxis übernommen hatte. Die von den Posten benutzten Straßen erhielten den übrigengegenüber eine erhöhte Bedeutung, und ihrer Beschaffenheit mußte naturgemäß eineweitergehende Beachtung wie früher zugewandt werden, doch war diese Pflege zunächstnoch eine sehr wenig weitreichende. Der übliche Einwarf von Reisig und Steinen inetwaige Vertiefungen bezeugt zur Genüge den tiefen Stand der Straßenbautechnik. DerDreißigjährige Krieg wirkte in dieser Beziehung sehr nachteilig, und so ist es zu erklären,daß erst seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine Wandlung zum Guten zubemerken ist.
Zu diesem Zeitpunkte begann man in Europa erst wieder mit dem Ausbaue besteinterStraßen außerhalb der Städte, und zwar ging die Anregung von Fürsten aus, welchein der Nähe ihrer Hauptstädte breite Wege mit schmalen Steinbahnen und stattlichenBaumreihen herstellen ließen. Für den Straßenunterbau kam zunächst namentlich die
IVI I.' 1 7 l ^4,