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Die Eisenbahnen: Schmalspurbahnen.
In Europa und Nordamerika ist das englische Spnrmaß (1435 mm) vorherrschend,das sich überhaupt aus etwa Dreiviertel aller Eisenbahnen in der Welt vorfindet. NurLänder, denen von Natur ein Durchgangsverkehr mit den Nachbarstaaten unmöglichgemacht oder erschwert ist (Irland, Spanien ), oder die ihn aus politischen beziv. mili-tärischen Gründen ablehnten, wählten eine andere Spur. Sie beträgt in Rußland 1525 mm,in Irland 1600 mm, in Spanien 1676 m»>. Letzteres Maß zeigt auch ein Teil der ost-indischen Bahnen.
Schmalspurbahnen. Große Spurweiten bedingen naturgemäß flache Gleisknrvenund breite Bahnkörper, machen somit die Anlage teuer. Man ist deshalb sür Bahnenmit schwachem Verkehre oder aus finanziellen Gründen vielfach zu einer kleineren Spurweiteals 1435 mm übergegangen (Schmalspurbahnen). Der hierbei zulässige kleinere Knrven-halbmesser und die wegen der leichteren Züge auch ermöglichte stärkere Steigung gestattennun im Hügel- und Gebirgslande ein viel besseres Anschmiegen der Bahnlinie an dieBodengestaltung. Die stets kostspieligen Kunstbauten und Erdarbeiten werden bei engerSpur wesentlich eingeschränkt. Schmalspurbahnen fallen deshalb für das lausende Kilo-meter etwa 30 000 Mark im Mittel billiger aus als eine Bollbahn, auch Betrieb, Unter-haltung und Bewachung erfordern wesentlich geringere Summen. Sie sind daher indünnbevölkerten Gegenden, wo kein lebhafter Verkehr zu erwarten steht, sehr am Platze.In unserer Zeit finden sie als Kleinbahnen eine stark wachsende Verbreitung. Die Spur-weite der deutschen Schmalspurbahnen beträgt 1000, 750 oder 600 mm. Abweichungenkommen vielfach im Auslande vor, so zeigen schwedische und norwegische Bahnen 871und 1067 mm, bosnische Bahnen 760, die Linie Beirnt-Tamaskus 1050, die Wengern-alpbahn 800 mm u. s. w. Das kleinste Maß, nämlich 1' 114^" ^ 590 mm, besitzen zweiBahnen in Wales , darunter die Festinivgbahn, die zugleich die älteste der Schmalspur-bahnen ist. Die Englänver konnten sich somit bis 1892 rühmen, die größte und auch diekleinste aller Spurweiten, welche bei den dem öffentlichen Verkehre dienenden Bahnenvorkommen, in ihrem Lande zu besitzen. Die Festinivgbahn verbindet den HafenplatzPortmadoc mit der 214 m höher gelegenen Ortschaft Tinas. Von der fast 23 ümlangen Linie liegen 20 üm in Steigungen, die im Mittel 11 °/oo (1 : 92), im Höchstwerte14^/2°/oo (1:69) betragen. Gleisbögen sind sehr zahlreich, ihr kleinster Halbmesserbeträgt 35 m.
Ursprünglich sür den Schiesertransport der zahlreichen um Tinas gelegenen Schicferbrüchebestimmt, die durch Bremsberge der Neigung LOO"/^ (1:5> bis 1300" o» (1: 4Z mit derBahn in Verbindung stehen, wurde bis zum Ansauge der sechziger Jahre der Betrieb durchPscrde bewirkt. Dieselben zogen die Wagen ins Gebirge hinauf und wurden mit den iusolgeder Schwerkraft thalwärts gehenden Lastzügen wieder abwärts befördert. Auch jetzt nochwerden die beladenen Schieserwagen, zu langen Zügen zusammengestellt, unter Begleitungeiniger Bremser lediglich durch ihre Schwerkraft zu Thal gesandt.
Die Pferde wurden 1863 durch Lokomotiven abgelöst, was seiner Zeit wegen der anßcr-' ordentlich kleinen Spurweite dieser Bahn großes Aufsehen erregte, das noch gesteigert wurde,als sechs Jahre später die langgebantcn Fairlie-Lokomotiven eingeführt wurden. Die erstederselben führte auch den bezeichnenden Namen „luttlo IVoncker- (vergl. Abb. 219 im Ab-schnitt „Lokomotiven").
Das Bähnchen erfreut sich eines großen Verkehres, beförderte es doch bereits imJahre 1869 nicht weniger als 97 000 Reisende, welche Zahl jetzt aus rund 140 000 an-gewachsen ist, daneben werden jährlich etwa 115 Millionen tex Güter, meistens Schiefer, aberauch Kohlen, Holz u. s. w., befördert. Sonntags ruht der Betrieb.
Eigenartig sind die kleinen 3 in langen älteren Personenwagen, die oberhalb des Fuß-bodens nur aus Dach und zwei Stirnwänden mit zwei Längssitzen in der Mitte bestehenund an den Seiten durch einen Lederschurz abgeschlossen werden. Sie fassen zwölf Personen.Ihr Fußboden liegt 20 ein über den Schienen, daher eigentliche Bahnsteige aus den Stationenfehlen. Die Schieferwagen sind rohe Holzkarren ohne Federung, von ihnen stehen etwa1100 Stück in Benutzung Abb. 57 zeigt eine Station dieser Bahn mit zwei zur Abfahrtbereitstchenden Zügen. Sie scheinen für Zwerge gebaut zu sein, bieten jedoch dem Reisendenin den neueren Wagen erster Klasse volle Bequemlichkeit.
Die Bauart der ganzen Bahnanlage mit ihren Dämmen, Tunneln, Einschnitten und ihrBetrieb sind höchst eigenartig durchgeführt. Die landschaftliche Umrahmung ist höchst malerisch,und eine Fahrt auf dieser Linie, zumal auf der Lokomotive, offenbart die ganze Wildheit derschluchtenreichen Gebirgswelt von Wales .