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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Die Eisenbahnen: Bauliches.

Nach dem bahnbrechenden Gesetz von der Erhaltung der Energie, das der Heilbronner Arzt Robert Mayer 1841 entdeckte, sind ja mechanische Arbeit, Elektrizität, Licht, Wärme,Magnetismus, chemische Energie lediglich verschiedene Formen ein und derselben ur-sprünglichen Energie, hier in unserem Falle der durch die Sonnenwärme in dem Wasser-falle ansgespeicherten. Auf diesem hochwichtigen Gesetze beruht der wirtschaftliche Segen,den in unserer Zeit der Ingenieur durch Nutzbarmachung der Natnrkräste (Wasser, Wind,Wärme) vermittelst mechanischer und elektrischer Kraftübertragung überall zur Geltungbringt. Am St. Gotthard hatte man (1878 —1882) an beiden Mündungsstellen des großenTunnels umfangreiche Kraftstationen errichtet, in denen das Wasser der Rens; und desTessin Turbinen antrieb, die ihrerseits Lnftkompressoren bewegten zur Erzeugung vonDruckluft, die in großen eisernen Behältern angesammelt wurde. Tiefe trieb die Luft-bohrmaschinen im Tunnel, setzte die Lokomotiven der Materialzüge in Bewegung, lüftetedie Tunnelstrecken u. s. w. Mit ihnen war je eine Maschinenwerkstätte verbunden für dieAusbesserung von Schäden, Prüfung der Bohrmaschinen u. s. w. Eine große Brücke überdie Reuß diente bei Göschenen zur Verbindung mit dem Znsahrtswege. Nach Fertig-stellung des Tunnels wurden die beiden Maschinenanlagen mit Zubehör wieder beseitigt.

Am großen Arlbergtunnel hatte man ähnliche ausgedehnte Maschinenanlagen fürdie Tnnnelarbeiten geschaffen, nur wurde auf der einen Seite Druckluft wie am Gotthard ,auf der anderen Truckwasser benutzt, um die Bohrmaschinen n. s. w. in Bewegung zu setzen.Aus beiden Seiten des seit Herbst 1898 in Angriff genommenen Simplontnnnels sindgroßartige Maschinenanlagen geschaffen. Ihre Kostspieligkeit erhellt schon aus demUmstände, daß insgesamt 4400 Pferdestärken durch Turbinen für Beleuchtung, Lüftung,Bohr- und andere Arbeitszwecke nutzbar gemacht werden, wohl das Höchste, das bisher imTunnelbau geleistet worden ist. Die teils in Beton, teils in Eisen hergestellte Wasserzuleitnngaus der Rhone bei Brig und Tiveria bei Jselle hat eine Gesamtlänge von 9 bin. Bei derjetzt im Bau befindlichen Jungfraubahn, deren offene Zufahrtsstrecke Kleine Scheidegg-Eigergletscher (einschließlich eines 84 m langen Tunnels) am 19. September 1898 feierlicheröffnet wurde, setzt man die in einer Tnrbinenanlage aus der weißen Lütschine unten imThal bei Lauterbrunnen gewonnene Energie durch Dynamomaschinen in Elektrizität um,die auch zum Betriebe der Bahn dient. Eine 1350 in lange und 1,8 in weite Röhren-leitung liefert das Druckwasser für die Turbinen, die bis 2650 Pferdestärken nutzbar machenkönnen. Die Turbinen sind mit den Dynamos direkt gekuppelt. Der mit 7000 Volt Span-nung erzeugte Drehstrom wird mittels dreier blanker Knpferdrähte nach einer Transformator-station auf der Kleinen Scheidegg (2064 in über dem Meeresspiegel) geleitet; desgleichennach einer solchen auf der Station Eigergletscher (2319 nr über dem Meeresspiegel). Hier,im Bereich des ewigen Eises, ist eine Maschinenstation mit Werkstätte und Magazinen er-richtet, von der aus die elektrischen Bohrmaschinen im Tunnel (früher auch die Pumpe fürDruckwasser zum Ausspülen der Bohrlöcher*) und der Ventilator zum Lüften nach denSprengungen angetrieben und von wo aus auch die Glühlampen im Tunnel und an der

*> Bis 1899 standen elektrische Trehbobrmaschinen in Benutzung. Sie arbeiteten geräuschlosund recht zufriedenstellend, waren jedoch zu kostspielig in der Unterhaltung und sind deshalb durchdie dauerhafteren Stoßbohrmaschinen der „Union-Gesellschaft Berlin " ersetzt worden. Diese Maschinenmachen 400 Stöße in der Minute, bedürfen keiner Ausspülung ihrer Bohrlöcher, erzeugen aberLärm, wenn auch schwächer als der der Ferrouxjchen Luftdruck-Bohrmaschinen, welche denGotthardtunnel (S. 128) erbohrt haben. Im Sommer 1899 war der große Jungfrautunnelaus etwa 900 ru Länge fahrbar und erfreute sich einer starken Benutzung durch die Reisenden.An seinem oberen Ende liegt die erste Tunnelstation „Rothstock" auf 2520 ru Höhe über demMeeresspiegel, von der die Rothstockwand bequem zu ersteigen ist. Nahe der Station sind zweiFelskammern für Werkstatt- und Schmiedezwccke ausgesprengt, sowie ein Seitenstollen, um daslosgesprengte Tunnelgestein durch ihn in den Abgrund stürzen zu können Die hohe Ltrom-spannung von 7000 Volt wird bei weiterem Bortreiben des Tunnels in Abständen von etwa1 lrm auf die für den Zugbetrieb erforderliche Nutzspannuug von 600 Volt herabgemindert. Dieelektrischen Lokomotiven entwickeln 300 Pferdestärken und vermögen 2 Personenwagen mit80 Reisenden aus 250 °/o« bergaus mit etwa 8 üm Stundengeschwindigkeit zu befördern. Bis zumGipfelanfzuge mißt der zu erbohrende Tunnel rund 10 bin. Täglich können 3 bis 4 m Tunnel-länge hergestellt werden. Die Bauarbeiter: erstrecken sich somit noch über eine Reihe von Jahren.