176
Eisenbahnen: Die Lokomotive.
Die Lokomotive vermag also jetzt bei der geringeren Fahrgeschwindigkeit einen schwererenZug zu befördern, was sich oben aus der allgemeinen Formel bereits ergab. Neuere Loko-motiven*) leisten bei voller Beanspruchung:
Lokomotiven der preußischen Staatsbahncn: I. ", ,-Schnellznglokomotive(90 km,St. Mb. 161 bis I6ö) a) Zwilling lHcizfläche 118 gm) 700 Pferdestärken! b) Verbund(Heizfläche 118 gm> 820 Pferdestärken. 2. ^/.,-Gntcrznglokonwtive (10 St.) a) Zwilling(Heizfläche 121 gm) 500 Pferdestärken; b> Verbund (Heizfläche 116 gm> 560 Pferdestärken.8. ^-Verbund-Gnterznglokomotive (10 üin/St., Heizfläche 111 gm. Abb. 170) 700 Pferde-stärken. 1. ^(.-Ncbcnbahn-Tcnderlokomotive (Heizfläche 60 gm) bei 10 llw St. 250 Pferde-stärken. — ö. Ausländische Lokomotiven: 1. Verbund-Schncllziiglokomotive derfranzösischen Nordbahn (1 Dampfcylindcr, Heizfläche 175'/., gm) bei 90 Irrn St. 1200 Pferde-stärken. 2. ^/.-Verbund-Schncllzuglokomotive der Jura-Simplonbahn (Schweiz ) (8 Eplinder,Heizfläche 110,3 gm) bei 50 üm St. 1000 Pferdestärken. 3. ^-Verbund-Schnellzuglokomotive derGotthardbahn (Abb. 228, 1 Cylinder, Heizfläche 165 grn) bei 90 Irrn st. 1200 Pferdestärken.1. 2.5-Verbund-Schnellzuglokomotivc der österreichischen Ttaatsbahn >Abb. 225, 2 Cylinder,Heizfläche 207,o gm) bei 65 lein St. 1300 Pferdestärken. 5. ",^-Verbnnd-Schnellznglokomotiveder Philadelphia und Readingbahn (Abb. 221, 1 Cylinder, Heizfläche 171 gm> bei 100 üra St.1300 Pferdestärken. 6. */g-Vcrbund-Giiterzuglokomotive der Northern-Pacificbahn (Amerika )(2 cylindrig, Heizfläche 271 grn) bei 26 Irrn St. 1200 Pferdestärken.
Aus vorstehender Zusammenstellung erkennt man, wie leistungsfähig, namentlich imAuslande, die heutigen Lokomotiven sind.
Der Lokomotivkessel. Der Kessel, von dem Abb. 165 einen Längsschnitt durchdie Mitte gibt, besteht in der Hauptsache aus einem cyliudrischen, von einem Bündelenger Röhren — Heiz-, Feuer- oder Siederöhren genannt — durchzogenen Vorderteil,dem Langkessel, und einem kistenartigen Hinteren Teile, der Feuerkiste. Diese enthältim Inneren eine ähnlich gestaltete, unten offene Fcuerbüchse mit dem Rost, unter dender Aschenkasten gehängt ist. Liegen alle Räder vor der Feuerkiste, wie in der Regelbei den Güterzuglokomotiven, so liegt auch der Rost gewöhnlich wagerecht. Ist einRäderpaar unterhalb der Fcuerbüchse angeordnet, was der Lastverteilung und des ruhigenGanges wegen bei den Schnellznglokomotiven (Abb. 165) und manchen anderen üblichist, so muß der Rost geneigt liegend eingebaut werden, falls man nicht dem Kessel einebesonders hohe Lage giebt, wie dies bei neueren amerikanischen Lokomotiven der Fallist (Abb. 224 u. 228), deren Kessel dann nach Abb. 173 auch eine wagerecht begrenzteFenerkiste erhalten kann. An das vordere Ende des Langkessels ist die durch eine Thürverschließbare Rauchkammer mit dem Schornstein angeschlossen. In sie münden dieHeizröhren sowie die Ausströmungsrohre des in oen Cylindern verbrauchten Dampfes.Unten ist sie gewöhnlich mit einem besonderen Aschenfallrohr (mit Teckelverschluß)versehen (vergl. Abb. 165). Oberhalb der Heizrohrmündungen ist ein Trahtsieb odereine durchlöcherte Blechtafel (Funkensänger) gelegt, um das Aussprühen von Funkendurch den Schornstein zu mildern. Gar oftmals sind durch den Funkenauswurf Brand-schäden, namentlich in Wald- und Heidegegenden entstanden, für die dann die be-treffende Bahnverwaltung Entschädigung zu zahlen hat. Je schwerer eine Lokomotivearbeitet, desto mehr unverbrannte Kohlenteilchen (Flugasche ) werden durch die Heizröhrenhindurchgerissen. Sie sammeln sich unten in der Rauchkammer an und können beimStillstand der Lokomotive leicht durch das Aschenfallrohr entfernt werden. Seit einigenJahren wird nach amerikanischem Vorbilde die Rauchkammer wesentlich länger als sonstüblich war, gemacht, namentlich bei denjenigen Lokomotiven, die lange Strecken zu durch-führen haben (vergl. Abb. 225). Dadurch wird der Funkenauswurf und das Verstopfender unteren Siederöhren gemildert.
Die Ausströmungsrohre der Dampfcylinder tragen oben in der Rauchkammer eingemeinsames, nach oben hin trichterförmig verengtes Mundstück, das Blasrohr. Dieseran sich so einfache Rohrstutzen ist für den Lokomotivbetrieb von besonderer Wichtigkeit,er ist die Lunge der Lokomotive. Infolge der Verengung der Ausströmung erhält derin den Schornstein entweichende Auspuffdampf eine größere Spannung, so daß er mit
*) 1) Man pflegt die Gesamtzahl der Radachscn als Nenner, die der gekuppelten Achsen alsZähler eines echten Bruches auszudrücken. /',-Lokomotive bedeutet also, dast von den vor-handenen 1 Radachsen 2 gekuppelt sind. 2) Über Verbundlokomotiven vergl. näheres auf S. 219.