Eisenbahnfähren. 333
kreuzte die Meerenge in 26 Minuten und 8—10 mal an einem Tage. Beide Fährensind nach dem Bau der Tay- und Firth of Forth -Brücke (vergl. Abb. 75) 1892 be-seitigt. In Deutschland wurde die erste Fähre 1856 erbaut und zwar am Rhein zwischenRuhrort und Homberg . Sie galt bis zu ihrem 1885 erfolgten Ersatz durch die festeEisenbahnbrücke bei Rheinhausen als eine in ihrer Art mustergültige Anlage. In den50 er Jahren wurde auch das erste amerikanische Fährschiff „Maryland " über denSusquehannasluß bei Hävre de Gräce in Betrieb gesetzt. Es vermag auf seinen zweiGleisen 14 Güterwagen überzusetzen und ist jetzt noch auf dem East River in Benutzung.In Amerika wurde es seiner Zeit als ein hervorragendes Werk der Technik angesehen,wie es denn auch an seiner Kommandobrücke die bezeichnende Aufschrift trug: „DasWerk von 1000 Menschen während 3 Jahre."
Die größte zur Zeit bestehende Eisenbahnfähre ist die 1887 in Betrieb gesetzte, imZuge der Central-Paciftc-Bahn bei Sän Francisco liegende Solanofähre. Sie über-setzt hier einen 1600 in breiten Meeresarm und vermag aus ihren vier Gleisen einenganzen Eisenbahnzug, bestehend aus Lokomotive nebst Tender und 24 Personen- oder48 Güterwagen — alles lange Trehgestellwagen — aufzunehmen. Die Zuglokomotivefährt mit einem Teil der Wagen aus das Schiff, während der übrige Teil durch eineRangierlokomotive ausgebracht wird. Letztere wird mit übergesetzt und hilft am anderenUfer den Zug wieder ordnen. Die Fahrdauer einschließlich des naturgemäß nur langsamvor sich gehenden Absahrens und Anlegens beträgt 10 Minuten, was eine Höchst-geschwindigkeit von etwa 3H-2 vr in der Sekunde ergibt. Der Schiffskörper ist 129 mlang und über Radkasten 35,2 m breit. Jedes der beiden gegeneinander versetzten,9'/z ur großen und 5,2 m breiten Schaufelräder wird für sich durch eine stehende Ba-lanciermaschine von 750 Pferdestärken (O in Abb. 341) angetrieben, wie solche bei denamerikanischen Flußdampfern allgemein üblich sind. Zur Dampferzeugung dienen achtgroße Kessel von je 228 gm Heizfläche. Die starke Triebkraft ist erforderlich, da in derMeerenge (von Carquinez) zeitweilig eine Strömung von 3^/z m Sekundengeschwindigkeitherrscht. Als Vergleich sei hier das die Rheinschiffahrt bekanntlich ungemein erschwerendeBingerloch angeführt, in welchem noch jetzt nach der Regulierung eine Stromgeschwindigkeitvon 3 m in der Sekunde herrscht.
Das Steuern dieser großen, „Solano" genannten Fähre erfolgt durch je vier anjedem Ende angebrachte, von Hand oder durch Wasserdruck bewegte Ruder, sowie durchden Einzelantrieb der Schaufelräder. Der Tiefgang wechselt von 1 stg ru (leer) bis 2 m(beladen). Die Besatzung besteht aus 32 Personen. Das Schiff macht einen recht statt-lichen Eindruck. Abb. 341 bis 343 geben stark verjüngt seine Bauart wieder.
Der Rhein war in früheren Jahren reich an Fähren. Es bestanden solche inRheinhausen, bei Ruhrort, in Griethausen, bei Bonn und Bingerbrück . Die ersteren 2sind, wie so manche andere Fähre, nach dem Bau einer festen Gleisbrücke beseitigt worden.Diese Rheinfähren sind in besonderer Art ausgebildet. Sie übersetzen den Rhein , dessenGeschwindigkeit im Mittel 1T/g m in der Sekunde, aber zuweilen auch mehr als 2 rubeträgt, senkrecht zur Strömung. Es sind mehrere Fahrstraßen nebeneinander an-geordnet. Jedes Boot ist 50 m lang und trägt ein Gleis, auf dem bis fünf WagenPlatz finden. Es führt eine 25pferdige Maschine auf Deck, die eine Seilrolle antreibt,durch welche es sich unter Zuhilfenahme einer zweiten Rolle nach Art der Schiffstauereiund Kettendampfer an einem gespannten Drahtseil über den Strom zieht. Geführt wirdjedes Boot noch an einem verankerten O'/^em dicken Drahtseil, das an beiden Uferndurch ein Gewicht von 15 000 üg gespannt gehalten wird. Da der Wasserstand bis fastzu 8 in wechselt, so sind in die Ufer lange schiefe Ebenen eingeschnitten, auf deren normal-spurigem Gleise ein keilförmig gestalteter Übergangswagen mit Gleis sich bewegt. Das Über-setzen der Bahnwagen vom Lande auf das Schiff und umgekehrt über den ersteren hinwegvermitteln Lokomotiven. (Bei anderen Fähren hat man statt dessen auch eine feststehendeDampfmaschine mit Drahtseiltrommel gewählt.) Die Zahl der Fährstraßen richtet sichnach der Verkehrsstärke. Bei der Rheinhansener Fähre waren ihrer z. B. fünf angelegt,Leren jede etwas über 200000 Mark gekostet hat; sie kreuzte den hier rund 600 m breiten