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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Stau- und Kaminerschlcuseu.

von Rotterdam und Cornelius Tirixcn Muys von Telft sich bemüht habe, den Schleusendurch Herstellung brauchbarer Thüren eine gute und den früheren Konstruktionen über-legene Anordnungsweise zu geben. Während diese Quelle auf Holland ^als das Geburts-land der ersten Kastenschleuse verweist, deuten andere Nachrichten aus Italien und denIngenieur Alberti als Erfinder hin (1500 n. Chr.).

Für die Geschichte des Kanalbauwesens ist dessen Förderung in Italien von be-sonders großer Bedeutung. Im 11. Jahrhundert begann iu diesem Lande nach jahr-hundertlanger Barbarei eine neue Ära des Aufschwungs. Zahlreiche Städte tratenin eine neue Entwickelungsepvche ein und suchten durch die Schaffung schiffbarer Kanäle,die gleichzeitig Bewässerungszweckeu dienten, diesen Prozeß zu befördern. Das Aufblühender Künste und Wissenschaften kam auch der Wasserbauknnst zu gute, deren Ausbildungdie größten italienischen Mathematiker ihre Aufmerksamkeit zuwandten. An das Beispielder Römer anknüpfend, bauten die Italiener im Jahre 1460 bei Ausführung des^ Kanals Martesana über den Kiistenfluß Molgora den ersten Aquädukt für Schiff-^ sahrtszwecke. Dieser Brückenkanal bestand aus drei Bogen von je 60 Fuß Spann-tz weite. Etwa 20 Jahre später wurden auf der Brenta in der Nähe von Padua von

^ zwei Ingenieuren, deren Namen die Geschichte nicht überliefert hat, die ersten Kanal-schleusen in Italien geschaffen. Es ist anzunehmen, daßdie beschwerliche Durchfahrt der Schiffe gegen den Strom-fall bei den Schüttschleusen die Anregung zu der weiterenAusbildung gegeben hat. Um die Durchfahrt zu erleichtern,

blieb nur übrig, die Strö-mung in der Zeit dieses Vor-s gangs nach Möglichkeit zuschwächen oder ganz aufhören

476. Längenprastl des Saarkohlrnkanals.NachHandb. d. Jng. Missensch."

zu lassen. Dies konnte nur durch Einbauung einer zweiten Abschlußvorrichtung erreichtwerden, wodurch eine Schleusenkammer entstand. Im Jahre 1497 wandte Leonardo da Vinci Kammerschleusen auf den von der Adda und dem Ticino abgeleiteten Kanälen an.

Fortan wurden die Kanäle, sofern dieselben in Terrain mit größeren Erhebungenangelegt wurden, aus einzelnen Strecken «Haltungen) mit nahezu wagerechter Sohle her-gestellt und untereinander durch Kanalschlensen resp. in der neuesten Zeit durch andereHebevorrichtungen verbunden. Die Kanäle können hierdurch annähernd den Erhöhungenund Vertiefungen der Erdoberfläche folgen. Sie unterscheiden sich somit von den schiff-baren Flüssen durch das ganz geringe Gefälle, so daß die Schiffe in ihnen nach beidenRichtungen gezogen werden müssen, während dieses auf den Flüssen nur für die Berg-fahrt nötig ist.

Die Kammerschleuse besteht in der Hauptsache aus einem Raum, der das zu be-fördernde Schiff aufnimmt, und zwei Thoren b b für die Ein- und Ausfahrt und zumAbschluß der Kammer. Die Thore sind mit Schützen und mit Vorrichtungen zur Be-wegung versehen. Der Vorgang bei einer Turchschleusung eines Schiffes ist, wenn z. B.die Beförderung von unten nach oben erfolgen soll, folgender: 1. das etwa in der Kammerbefindliche Wasser wird durch Ziehen der Schütze am unteren Thore bis zum Unter-wasserspiegel abgelassen. Nachdem dies geschehen, wird das untere Thor geöffnet, das