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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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70 Posttransportimttel.

vielfach nachgeahmt worden. Nnnmchr wurde auch dem Postwagenbau größere Auf-merksamkeit zugewendet. Die Erfindung der Federn und die Anwendung eiserner Achsenmachten es möglich, Fahrzeuge von sanfterer Gangart herzustellen. Das Innere derPersonenpostwagen richtete man nach und nach immer bequemer ein, und der äußerenGestalt aller Postwagen gab man ein gefälligeres Aussehen. Ihre Farbe blieb die frühere,gelbe. Sie haben aber ihre Schwerfälligkeit verloren und rollen jetzt auf gut unter-haltenen Straßen leicht dahin. Die gewöhnlichen Personenpostwagen sind hinten miteinem Magazine und vorn unter dem PostittonSsitze mit einem Behältnisse zur Aufnahmevon Postsendungen versehen. Bei den Omnibus-Postwagen finden letztere teils unterdem Postillonssitzc, teils auf dem Verdecke Platz. Die bei den Posten als Hauptwagenkursierenden Fahrzeuge werden in der Regel für unmittelbare Rechnung der Postkasseangeschafft und unterhalten, die Beiwagen dagegen meistens von den Posthaltern gegenEntschädigung hergegeben. Die Gestellung der Postillone und Pferde zu den Postsuhrenerfolgt durch kontraktlich angenommene Posthalter gegen fest verabredete Vergütungs-sätze. Nur in Berlin, Köln a. Rh. und Düsseldorf wird der Postfnhrbetrieb durch reichs-eigene Posthaltereien von der Postverwaltnng selbst wahrgenommen, weil an diesenOrten geeignete Unternehmer zu annehmbaren Bedingungen nicht haben gewonnen werdenkönnen. Die genannten drei Posthaltereien zäblten im Jahre 1898 zusammen 922Postillone und 1259 Pferde.

Außer den vorerwähnten Postengattnngen, deren Unterhaltung für unmittelbareRechnung der Postkasse erfolgt, finden auf Landstraßen zu Postbefördernngen auch nochPrivatfnhrwerke Verwendung. Die Unternehmer empfangen dafür angemessene Ver-gütungen aus der Postkassc. Die Abgangs- und Ankunftszeiten dieser Fuhrwerke bestimmtalsdann die Postverwaltung.

Die frühere Stafettenbefördernng d. i. die sofortige Weiterbeförderung von be-sonders aufgegebenen, nicht umfangreichen Gegenständen durch reitende oder fahrendePostillone hat mit der weiteren Ausbreitung der Eisenbahnen und Telegraphen ihreBedeutung eingebüßt und ist jetzt ganz aufgehoben. Auch der Gebrauch der Extrapostenmit ihrem Systeme geregelte» Pserdewechscls behufs Weiterbeförderung von Reisenden,die sich weder eigener Pferde noch sonstiger Personenfnhrgelegenheiten bedienen wollen,ist sehr zurückgegangen. Es sind deren im ganzen deutschen Reichspostgebiete 1898 nur370 gestellt worden.

Zur Fvrtschaffnng der Postsachen auf Wasserstraßen werden Schifssgelegen-heiten benutzt. Preußen besaß früher auf der Ostsee eigene Postdampfer. Die deutscheNeichspost verfügt nicht über solche, sie läßt ihre Sendungen vielmehr durch Schisse be-fördern, die anderen Unternehmern gehören, und zahlt dafür entsprechende Vergütungen.Besonders umfangreich ist der Seepostverkehr zwischen Deutschland und den Ver-einigten Staaten von Amerika . Um an den Endpunkten der Seepostknrse die weiter-gehenden Sendungen so schnell wie möglich auf die anschließenden Postrouten überführenzu können, wurden 1891 zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten besondereSeeposten eingerichtet, bei denen die Postgegenstände für die sofortige Weitersendungwährend der Seefahrt durch Postbeamte in ähnlicher Weise vorbereitet werden, wie esin den Bahnposten geschieht. Im Jahre 1898 machten diese Seeposten von Deutschland nach Amerika 75 Fahrten und nahmen auf jeder Fahrt durchschnittlich 147 000 gewöhn-liche Briese, 2203 Einschreibbriefe und 193 Säcke Drucksachen und Warenproben mit;in umgekehrter Richtung legten sie 76 Fahrten zurück und beförderten jedesmal im Durch-schnitt 53 000 gewöhnliche Briefe, 712 Einschreibbriefe und 78 Säcke mit Drucksachenund Warenproben.

Standen der deutschen Reichspost zur Vermittelung des Postverkehrs mit Amerika verschiedene von deutschen Häfen ausgehende Dampfschiffsverbindnngen zu Gebote, sowar dies hinsichtlich des überseeischen Verkehrs mit Asien, Afrika und Australien nicht der Fall. Zur Beförderung ihrer Sendungen nach diesen Erdteilen mußte sie sichvielmehr stets ausländischer Schiffe bedienen. Um diesem der Würde des Reichs wenig