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Der Weltpostverein. Postverkchr Europas .
kommen, von dem schon oben (Seite 59) die Rede gewesen ist. Durch denselben Kongresswurden Erleichterungen in der Versendung von Warenproben und Drucksachen, sowie imPostanweisnngsverkehr beschlossen und die Errichtung einer Zcntral-Abrechnnngsstellebei dem internationalen Bureau des Weltpostvereins genehmigt. Der neueste Welt-postkongreß zu Washington , der im Mai 1897 eröffnet wurde, hat sich mit derEinführung von Verbesserungen im Briefpostverkehr, sowie im Postanweisungs- undPaketpostdienste beschäftigt. Der nächste Postkongreß soll in Rom stattfinden. So machtdie Ausbildung des inneren Vereinsorgauismus immer weitere Fortschritte, während zu-gleich das Vereinsgebiet durch den Hinzutritt neuer Länder von Jahr zu Jahr sich ver-größert.
Vergleichende Betrachtungen über die Leistungen der Posten in dengrößeren europäischen Ländern. Nach dem allbekannten Aussprache Liebigs istder größere oder geringere Verbrauch der Seife bei verschiedenen Nationen als ein Grad-messer für die Kultur der letzteren anzusehen. Mit gleichem Rechte kann aber auch derBriefverkehr als Maßstab der Bildungshöhe gelten, da derselbe in erster Linievon der Allgemeinheit der Verbreitung der elementarsten Schulkenntnisse abhängt. Wennwir daher in Nachstehendem die Staaten nach der Zahl der Briefe und Postkartenordnen, welche auf jeden Kopf der Bevölkerung durchschnittlich kommen, so gibt daseine Art Zensurentabelle für die Bildung der betreffenden Nationen, aber auch für denGrad der Entwickelung der betreffenden Posteinrichtnngen, da nur bei bequemen Ein-richtungen und billigen Taxen die Fähigkeit, Bricse zu schreiben, sich in höherem Gradebethätigen kann. Die Zahlen beziehen sich für die meisten Staaten auf das Jahr 1898.Für einige Staaten sind die jüngsten bekannten Zahlen gegeben.
.... 12,o
. . . 50,o
.... 8,4
. . . 37,4
.... 0,8
. . . 30,9
. . . 29,7
. . . 26,»
.... 4,7
.... 3,1
. . . 21,8
Rußland . . . .
.... 2,9
. . . 21,0
.2,8
. . . 17,3
. . . 15,6
Diese Zensurentabelle gilt jedoch nicht ohne weiteres. Sie
will vielmehr mit
wissen Einschränkungen angewendet sein.
Wenn man den bedeutend größeren Briefverkehr in Großbritannien mit demdeutschen vergleicht, so findet der erstere allerdings seine Erklärung zunächst in der nn-.gemein entwickelten Fabrik- und Handelsthätigkeit dieses Landes und der Zusammen-ziehnng der Bevölkerung in zahlreichen großen Städten. Es ist dabei aber in Betrachtzu ziehen, daß bei der obiger Berechnung zu Grunde gelegten Anzahl der Briefsendungenfür das deutsche Postgebiet der Vergleichbarkeit wegen weder Geldbriefe, noch Postauf-träge, noch Paketsendungen und Postanweisungen berücksichtigt sind. Erfahrungsgemäßwird aber in Deutschland fast jedes durch die Post versandte Paket und jeder Geldbriefzu brieflichen Mitteilungen benutzt und stellt mithin zugleich einen Brief dar. Dasselbegilt von den Postanweisungen und Postaufträgen. Der englischen Post sind dagegenGeldbriefe und Postaufträge ganz fremd; ferner ist das Postanweisnngsverfahren bei der-selben in der Weise geordnet, daß der Absender einen Abschnitt der Postanweisung,welcher ihm von der Annahmepostanstalt ausgehändigt wird, mittels Briefs dem Em-pfänger zu übersenden hat, die Zahl der Postanweisungen also in der zur Berechnunggezogenen Summe der Briefe mit enthalten ist; endlich bleibt die Zahl der Paket-sendungen in England hinter derjenigen von Deutschland um 90 Millionen Stück zurück.Zieht man diese Umstände in Berücksichtigung, so kommt die Brieffreqneuz in Deutschland derjenigen in England nahezu gleich.