138
Die Erfindung und Technik der Bnchdrnckerkunst.
daß Gutenberg nach seiner Trennung von Fust den Druck dieses zweiten Bibelwerkesvornahm, wozu ihm der Bamberger Albrecht Pfister die Geldmittel bot, und daß dieser,als der vielgeplagte Erfinder seinen Verpflichtungen ihm gegenüber ebenfalls nicht nach-kommen konnte, den Trnckapparat an sich nahm, das Werk vollendete und später als seinWerk hinstellte.
Der durch die Habsucht Fusts um die Früchte seiner Sorgen und Mühen betrogene,nunmehr bejahrte Gutenberg fand trotz seiner Mittellosigkeit nochmals den Mut und dieStütze, sich wiederum emporzuarbeiten. In Mainz lebte damals ein angesehener, kenntnis-reicher und vermögender Mann, der Stadtsyndikus vr. Konrad Humery, der kein Be-denken trug, Gutenberg das Geld zur Herstellung einer neuen Druckerei anzuvertrauen.Natürlich war ein solches Unternehmen damals zeitraubend, da alles, und zwar größtenteilsdurch des Erfinders eigene Hände, neu anzufertigen war. Zunächst erschienen zwei kleineundatierte Schriften in Quart, welchen 1460 die berühmte erste Ausgabe des JohannesBalbus : „8nmma gnas vocatur OatlloiiLou", folgte, es ist dies ein Folioband von 373zweispaltig bedruckten Blättern von 66 Zeilen Länge. Der Inhalt dieses Katholikon isteine lateinische Grammatik nebst etymologischem Wörterbuch. Das Buch ist durch seineSchlußschrift (Kolophon) besonders interessant, in welchem sich Gutenberg , jedoch ohneseinen Namen zu nennen, über die Entstehung des Buches ausspricht. Abb. 87 ist eine
Kopie davon und heißtzu deutsch : „Unter demBeistande des Allerhöch-sten , auf dessen Winkedie Zungen der Kinderberedt werden, und deroft den Kleinen offenbart,was er den Weisen ver-birgt, ist dieses vortreff-liche Buch Katholikonim Jahre der Mensch-werdung Christi 1460 inder guten, rnhmwürdi-gen, der deutschen Nation
86. Faksimile aas der 36 zeitigen Sibel.
angehörigen Stadt Mainz , welche die Gnade Gottes mit so hehrem Geisteslichte undfreiem Gnadengeschenke den anderen Völkern der Erde vorzuziehen und zu verherrlichengewürdigt hat, gedruckt und zustande gebracht worden, und zwar nicht mittels des Rohrs,des Griffels oder der Feder, sondern durch das bewunderuswerte Zusammenpassen, Ver-hältnis und Ebenmaß der Patronen und der Formen." Aus dem Jahre 1461 existiertnoch ein Ablaßbrief mit den Typen des Katholikons gedruckt. Gutenberg hat nie seinenNamen unter seine Druckwerke gesetzt. Die Gründe, die ihn dazu veranlaßten, dürftendarin gelegen haben, daß er seinen zahlreichen Gläubigern und Bedrängern nicht weitereGelegenheit zum Einschreiten gegen ihn geben wollte.
Tann kam das für Mainz und die junge Kunst so verhängnisvolle Jahr 1462.Der Kurfürst von Mainz Tiether Graf zu Jsenburg lag in Fehde wider Adolf von Nassau ,weil jenem vorn Papst und Kaiser sein Erztnm genommen und an diesen vergebenwar. Eine bei Schöffer erschienene kleine Schrift — die erste gedruckte politische Streit-schrift — suchte die Unrechtmäßigkeit dieser Maßregel darzuthun und Hilfe dagegenzu erwirken. Da die Stadt Mainz zur Partei Diethers hielt, wurde sie in der Nachtvom 27. zum 28. Oktober von Adolfs Leuten überfallen, erstürmt, geplündert und dieedelsten Bürger ermordet oder aus der Stadt verjagt, so daß die blühende Stadt inwenig Tagen verödet und zu Grunde gerichtet war und sich nur langsam wieder er-holen konnte. Die Fust-Schöffersche Werkstätte ging bei dieser Gelegenheit in Flammenauf. Da Gutenberg zu Adolf von Nassau hielt, blieb dessen Druckerei verschont, dochwar in der völlig verödeten Stadt nicht sogleich daran zu denken, hier die Druckerei