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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Der Holzschnitt in Deutschland .

Hausschuh in ihren Zeichnungen für den Holzschnitt. Anf die jüngeren sächsischen Holz-schneider, Hugo Bürckuer A8181897), Flegel, Gnber, Oertel, I. E. Schmidt u. a.,hatte Lndlvig Richter, der allmählich vvm einfachen Linienholzschnitte zu mehr male-rischer Behandlung überging, den größten Einfluß.

Adolf Mcnzel versucht eine Fortcntlvickclung, den Übergang znm Faksimileholzschnittin malerischer Form in seinen Bildern znKnglersGeschichte Friedrichs des Großen" (1839bis 1842) und später in den Illustrationen zuFriedrichs des Großen Werke". SeineVorbilder waren flotte, skizzenhafte Federzeichnungen, malerisch, mit großen Tonkontrasten,pikant gezeichnet lAbb. 192). Er verlangte von den Holzschneidern, daß sie diese Zeichnungenunter Wahrung aller ihrer Eigentümlichkeiten wiedergaben. Anfangs ließ er die Stöckevon französischen Holzschneidern der Firma Andrew, Best L Leloir schneiden, die aber, zuhandwerksmäßig arbeitend, dem individuellen Streben Menzels nicht genügten. Schließlichgelang es seiner Energie, deutsche Holzschneider, wie Flegel, Otto und Albert Vogel ,Unzelmann, E. Kretzschmer, W. Gcorgy, Ritsch! von Hartenbach, Hermann Müller n. a.,heranzuziehen und zu wirklich tüchtigen Leistungen zu führen. Die ersten Zeichnungenwurden von Wenzel noch auf Langholz mit dem Pinsel gezeichnet, vom Xylographen mitdem Messer geschnitten. Tann begann er nach Pariser Manier aus grundiertem Stirn-holz mit dem Bleistifte zu zeichnen und ging zur Anwendung des Stichels statt des Messersüber. In Wien suchte Blasius Höfel (17921863) den Faksimileholzschnitt auszubilden,doch fehlte es ihm an Aufgaben, wie Wenzel sie seinen Holzschneidern stellte.

Immerhin blieb Menzels Anregung anfangs ohne weitgehende Folgen. Erst derallgemeine Aufschwung seit dem Ausgangs der sechziger Jahre und das Vorbild des Aus-landes ließen auch den deutschen Holzschnitt znm malerischen Tonschnitt übergehen. NebendieIllustrierte Zeitung" von J.J.Weber-Leipzig und dieFliegenden Blätter " (seit 1845),sowie dieMünchener Bilderbogen" von Braun und Schneider in München traten eine ganzeReihe illustrierter Wochenblätter,Gartenlaube",Über Land und Meer",Daheim",BongsModerne Kunst", die ModenzeitungenBazar" undModenwelt". Vor allem findetaus dem deutschen Bnchmarkte dasPrachtwerk" mit reicher Holzschnittillnstration starkeAusnahme. Der deutsche Tonholzstich gewinnt dadurch eine bedeutende Förderung, obwohler sich in den Durchschnittsleistungen mit England und Amerika nicht ganz vergleichen kann.

In neuester Zeit hat der Holzschnitt in allen Ländern einen harten Existenzkampfmit den verschiedenen photomechanischen Verfahren, besonders der Autotypie, auszukämpfen,die durch schnelle Herstellung, durch unmittelbare, absolut getreue Übertragung der Original-zeichnung, durch Billigkeit für die Illustration von Journalen, illustrierten Werken,besonders für Drucke in großen Auflagen unentbehrlich geworden sind. Gerade damitaber erhält der Holzschnitt bis zu einem gewissen Grade auch wieder eine Förderung.Nur der künstlerische Holzschnitt, d. h. derjenige, der die Vorzüge des Materials, derTechnik in künstlerischem Sinne ausbeutet, wird volle Lebensfähigkeit bewahren.

So sehen wir überall den Holzstich an Mannigfaltigkeit und kapriziöser Behandlungder Stich- und Tonformen, an Reiz der Modulierung zunehmen. Die Wärme und denReichtum der Abstufungen eines guten Holzschnittes kann eben kein Zinkdruck erreichen,der stets ärmer an Touabstufungen sein wird. Anderseits gibt man den Wettkampf mitdem Tonduchdruck (Autotypie) auf und kehrt, einem archaistischen Zuge folgend, zum altenLinienholzschnitte zurück, allerdings unter höchster künstlerischer Verfeinerung des Ver-fahrens durch impressionistische Wiedergabe der Formen. Kräftige, schwarze Flächenwerden beliebt, Schatten und Kontur in einen Ton zusammengezogen, Schattenbild-wirkung erstrebt. Diese Wandlung erfolgt unter dem doppelten Einflüsse des Japonis-mus und der Neigung znr primitiven Kunst. Der japanische Holzschnitt mit seinernaiven Intimität, seiner Einfachheit der Mittel, seiner wunderbaren Feinheit und Natur-wahrheit der Linie, seinem malerischen Impressionismus entspricht ganz dem Streben deowieder poetisch gewordenen Kunst, die längst nicht mehr in aufdringlichem Realismus, inrenommierender Entfaltung der Technik, der Mache, ihr Ziel sieht, die mehr auf intime,aber raffinierte Reize, aus traumhaftes Andeuten der Formen ausgeht.

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