358 Die Photographie.
(Abb. 25V). Der Kopierrahmen ist meist so eingerichtet, daß man durch Aufheben einerKlappe an der Rückwand des Rahmens den Fortschritt des Kopicrprozesses kontrollierenund den richtigen Moment der Beendigung desselben beobachten kann.
Unter den Auskopierprozessen wenden wir uns zunächst dem Silberprozesse zu,der auf der Fähigkeit des Chlorsilbers beruht, sich im Lichte schnell zu schwärzen, eineFähigkeit, welche, wie wir früher sahen, schon von Schulze erkannt worden war. ZurHerstellung eines Kopierpapiercs bedarf man daher weiter nichts, als irgend einerMethode, welche es erlaubt, eine dünne, gleichmäßige Schicht von Chlorsilber auf einePapierunterlage auszubreiten. Praktisch wird dies Verfahren in verschiedener Weise ge-handhabt. Das bis jetzt verbreiterte und besonders von den Berufsphotvgraphen beliebteVerfahren ist das auf sogenanntem Albnminpapier. Feines, in seiner Textur gleich-mäßiges Papier wird mit einer chlornatriumhaltigen Eiweißschicht überzogen, wodurches nach dem Trocknen eine glänzende Oberfläche erhält. Dieses Papier, welches eben-falls in großem Betriebe massenhaft hergestellt wird, wird nun vom Photographen licht-empfindlich dadurch gemacht, daß man die Albnminseite auf einer Silberlösung schwimmenläßt. Es bildet sich dann in der Schicht Chlorsilber, und es verbleibt außerdem in der-selben überschüssiges Silbernitrat. Es er-übrigt jetzt, dasselbe dadurch zu fixieren,daß man mitHilfevon unterschwefligsauremNatron das Chlorsilber, welches noch nichtgeschwärzt wurde, entfernt. Würde manin dieser einfachen Weise verfahren, indemman die belichtete Kopie einfach in eineLösung von unterschwefligsaurem Natronbrächte, so erhielte man allerdings ein Bildvon vollständiger Beständigkeit, aber dieFarbe desselben ist eine durchaus nicht an-genehme. Das aus dem Chlorsilber redu-zierte Silber nämlich zeigt nach dem Fixiereneinen gelben oder fuchsroten Ton.
Diejenigen Prozesse, welche dazu die-Aopirrrahmen. neu, die Farbe des Bildes zu verändern,
nennt man Ton Prozesse, und man führtdieselben bei Albuminpapier durch, indem man die Kopie vor dem Fixieren in einealkalische Goldlösung bringt, in welcher ein Teil des metallischen Silbers ausgelöst unddurch metallisches Gold ersetzt wird. Das fein verteilte metallische Gold hat eine blau-graue Farbe, und die Folge davon ist, daß die Kopie je nach der Menge des darin ab-gesetzten Goldes Mischtöne durchläuft, welche von rotgelb in braun, pnrpurviolett undblauschwarz übergehen. Man sieht also, daß man je nach der Länge des Verweilensder Kopie im Goldbade den Ton derselben innerhalb gewisser Grenzen in der Gewalthat. Es mag noch erwähnt werden, daß die Farbe des Bildes sehr wesentlich vonder Zusammensetzung des Goldbades und der Natur des angewandten Kopierpapiercsabhängt.
Das Albuminpapier hat man in neuerer Zeit vielfach durch andere Silberpapiereersetzt. Die sogenannten Chlorsilberemnlsionspapiere oder Kopierpapiere sindmit einer Schicht Chlorsilberkollodium oder Chlorsilbergelatineemulsion überzogen, diezu gleicher Zeit überflüssiges Silbernitrat enthält. Diese Schichten verhalten sich voll-kommen analog den beschriebenen Albuminschichten, und ihre Behandlungsweise weichtnur in Einzelheiten von der des Albuminpapiers ab. Die Emnlsionspapiere zum Aus-kopieren werden heutzutage meist von Amateuren verarbeitet, aber auch die Fachphoto-graphie beginnt sich allmählich dieser sehr schönen Verfahren zu bemächtigen, besondersda die Herstellung lichtempfindlicher Chlorsilberemnlsionspapiere jetzt ebenfalls in groß-artigem Maßstabe fabrikmäßig betrieben wird.