639
wohnten 19 Mitglieder dem eidgenössischen Sängcrfeste in St. Gallen bei und erwarben sich dortden zweiten Preis.
Im I. 1844 wurde der Platz zur Errichtung eines Denkmals für Vater Nägeli auf der hohenPromenade ausgewählt und von dem Eigenthümer, Herrn Tiber , geschenkt; im Frühling 1845begann der Unterbau desselben.
Bei dem eidgenössischen Sängerfeste zu Schaffhausen am 14. Juni 1846 errang der Vereindie erste Ehrengabe im Wettgesang, schloß sich dort dem eidgenössischen an und Nägeli'S Monumentwurde da als eidgenössische Sache erklärt.
Im I. 1847 trat in dem Vereine eine sehr merkbare Lauheit ein, der Präsident trat ab, eSwurde ein neuer, Herr Melchior Hank, und Herr Abt als Direktor gewählt. Der neue Vorstandnahm die Angelegenheit wegen Nägeli'S Monument lebhaft an Hand, und bei dem eidgenös-sischen Sängerfeste zu Bern im August 1848 wurde die Festlichkeit der Einweihung desselben aufden 16. Oktober festgesetzt. Am Vorabend des TageS wurde die Front des Kasino ausgeschmücktund auf allen Straßen, die zur Stadt führten, Ehrenpforten errichtet. Der Verein, der SängervcreinHarmonie, derjenige von Riesbach u. a. zogen vereint zum Bahnhof, um die eidgenössische Fahneund die ankommenden Gäste zu empfangen und in das Kasino zu geleiten. Am Festtage selbstbrachten die Dampfschiffe und Wagen noch zahlreiche Sängergruppen. Im Hofe des Pvstgcbäudcssammelten sich 8 — 900 Sängen Während in der Fraumünsterkirche die Chöre eingeübt wurden,vollendete man die Ausschmückungen beim Monumente und seinen Zugängen. Die Zuschauer grup-pirten sich großentheils auf dem neuen Friedhofe. Um 10 Uhr setzte sich der Zug ver Sänger unterKanonendonner von der Fraumünsterkirche aus in Bewegung, voran eine Militärmusik, dann dieeidgenössische Fahne, das eidgenössische Komite, die Vereine mit ihren Fahnen, in deren Mitte eineBlechmusik. Am Fuße der Höhe angekommen, hielt der Zug und sämmtliche Fahnen wurden andie Spitze derselben gebracht. Neben dem Monument saßen auf einer mit den eidgenössischen Farbenund Fähnchen gezierten Estrade die Behörden und Ehrengäste, zuvorderst die Gattin, Sohn undTochter des Gefeierten, neben und hinter ihnen die Abgeordneten der Regierung, des StadtratheS,Erzichungsrathes, der Musikgesellschaft und sämmtliche Künstler und Meister, die an dem Monumentgearbeitet hatten. Zur Seite der Tribüne und des Monumentes stellten sich die Fahnenträger undPräsidenten der Vereine, und nun wurde begleitet von der Blechmusik das bekannte Lied Nägeli'S:„Wir fühlen uns zu jedem Thun entflammt" gesungen. Hierauf betrat der Präsident des Sänger-vereins der Stadt Zürich , Herr Hauk, die Rednerbühne und hielt einen Vortrag, an dessen Schlußer die Enthüllung des Monumentes verlangte. Der weiße Mantel sank und zugleich traten ausdem Vorhänge zwölf weiß gekleidete Mädchen, die mit Blumengewinden den Picvestal bekränzten.Hierauf hielt der Präsident des eidgenössischen Sängervereins, Herr Oberst Germer von Bern , einenVortrag, in welchem er Nägeli'S Verdienste um den Volksgesang beleuchtete und dem Stadtralhe dieUrkunde über die Schenkung des Monumentes überreichte. Die Sängerschaar stimmte das Lied:„Stehe fest, o Vaterland!" an, mit dem sich die Feier schloß, und zog dann, an dem Monumentevorbei, in das Kasino. Nachmittags war Gesangaufführung in der Fraumünsterkirche und HerrSeminardirektor Keller hielt die Festrede. AbendS fand dann im Kasino und Theatersaal das Fest-essen statt, an dem 700 Personen Theil nahmen. Gesang und Toaste wechselten mit einander, undes herrschte allgemeine Fröhlichkeit.