Um 310.
In einer armen Hütle am Gestade der Limmat waltete in grauer Vorzeit ein Geschwisterpaar,dessen Name Jahrhunderte lang in Zürich heilig gehalten, wenn auch jetzt nicht mehr der Gegenstandfrommer Verehrung, doch jedem sinnigen Gemüthe theuer ist, Felir und Regula. Ihre Wiegestand in dem durch die Natur reich gesegneten Egyptenlande, und von frühester Kindheit an hatteihnen das Licht des Evangeliums geleuchtet, welches, die herrlichen Anlagen ihres Gemüthes veredelnd,ein Band zwischen den geschwisterlichen Seelen knüpfte, das weder Noth noch Tod zu zerreißenvermochte. Vereint flohen sie aus der schönen Heimat, als unter Diocletian eine grausame Verfol-gung über die junge Christenkirche hereinbrach, vereint zogen sie mit der thebaischen Legion nach demrauhen Lande der Helvetier; aber auch hier wartete der standhaften Bekenner Christi keine Ruhe.Dle römische Gewalt, auf Vernichtung des Evangeliums ausgehend, konnte sie eine christliche Legiondulden? konnten hinwieder die frommen Männer, die den Einen Gott erkannt und verehrt hatten,ihre Kniee aufs neue vor todten Göttern beugen? Mit schrecklichen Martern erwarben sich dieseTreuen die ewige Siegerkrone wie die gläubige Verehrung der Nachwelt; nur eine kleine Zahlentkam in die unwegsame Gebirgswelt; mit namenlosen Entbehrungen und Gefahren kämpfend.Unter diesen Wenigen unsere Heiligen, die endlich in dem wilden Thale der Linth bei einer rohenheidnischen Bevölkerung eine Stätte der Ruhe fanden. Bald brach in die Finsterniß des Aberglaubensdas Licht von Oben sich Bahn; mit unermüdlicher Ausdauer und glühender Liebe arbeiteten dieGottesboten an den Seelen dieser Armen, und wo ein zerschlagenes Herz, eine von Zweifelnbelastete Seele eine Furche bot, da streuten sie den Samen des Wortes, Felir mit der Kraft desGlaubens, Regula mit den erhebenden Tönen der Liebe, beide vereint in der beseligenden Hoffnungdes Christen. Doch als sie manches Herz dem Heilande gewonnen, als ein Küchlein die Gläubigenvereinte, da pilgerten sie weiter, dem Zürichsee entlang, verlangend nach einem neuen Wirkungskreis.In dem bevölkerten Turicum, wo die Römer mit ihren verfeinerten Sitten, wo der regere Handelund Wandel mit dem Heidenthum sich gepaart, begannen sie ihr Glaubenswerk wieder, und vonneuem segnete der Herr ihre Arbeit. Aber mit Abscheu sah der Landpfleger Decius auch unter seinenAugen die Lehre des verhaßten Nazareners Wurzel fassen, mit wilver Rache erfüllte ihn das stilleWirken dieser Thedaner und freudig vernahm er den Verfolgungsbesehl seines Kaisers. Schergendringen in die Hütte der Geschwister und schleppen sie zum Richterstuhle hin. Mit frohem Glaubens-muthe sprechen sie vor dem Mächtigen ihr Bekenntniß aus, keine Folter, keine Versprechungen