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9 (1834) Der Kanton Freiburg, historisch, geographisch, statistisch geschildert ... : ein Hand- und Hausbuch für Kantonsbürger und Reisende / herausgegeben von Franz Kuenlin
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-'V,

Fürsehet Euch, sag' ich für wahr,

HerodeS ist erzürnt so gar

Ueber das Kind Herr Jesus Thrist,

Daß es ein König geboren ist,

Nicht kehrt mehr ;u Herodes ein.

Durch andere Straßen ziehet heim:

ES wolle Gott vom Himmelreich,

Euch bewahren heut und ewiglich.

Nach mehreren andern Auftritten, sah man auch am Him-mel den Leitstern, der stets am Horizont den streifen vorlcuch-rere, und dann auch die Flucht nach Aegypten, nämlich denBeichtiger der Klosiernouneu zn Bifenberg als Joseph ge-kleidet, Maria, gewöhnlich eine junge, schöne Tochter, aufdem Eselein reitend und daö göttliche Kind auf ihrem Schooßehaltend, und bon einigen Engeln begleitet.

So wie die öffentlichen Aufzüge des Spiels vorüber wa-ren, begaben sich die Hauptpersonen nach der Pfarrkirche znSankt NiklauS , um einem feierlichen -Hochamte beizuwoh-nen, bei welchem die Mutter Gottes an der linket, Stufe desHauptalrarS die Opfer empfing.

Auf dem Plahe machten sich die Schwarten oder Moh-ren vielen Spaß mit den Mädchen, da sie keinSgenecktließen, und alle zu verbrämen versuchten, wenigstens wie siezum Theil selbst, da ihre Gesichter mit schwarzer Oelfarbe an-gestrichen waren.

Nach dem Hochamte beehrten die drei Weisen nebst ih-rem Gefolge einige Nonnenklöster mit ihrem Besuch«, wo siemit Liguenr und Marzipan bewirthet wurden. Hernach ver-fugte sich jeder in die betreffende Znnftherberge, um einergroßen Gasterei beizuwohnen.

Des Nachmittags zogen die bunten Schaaren zu Pferdund zu Fuß in der Stadt herum , damit sie jedermann sehenund bewundern könne. Während der Vesper segneten die dreiKönige die Hälse und Köpfe derjenigen Personen, die mitdem Dreikönigsweh behaftet waren. Darauf folgten Balleund Tänze, die mehrere Tage dauerten, so daß der Jubelbeinahe weder Anfang noch Ende haue.

Herodes, der genügsamste aller Könige, bezog jährlichvon der Regierung zehn Kronen, und alle sieben Jahre einnettes Kletd. Das Fest verursachte überhaupt viele Kosten,und da ich auch zur Zeikerei des Königs Kaspar gehörte,so nahm ich an allen Vergnügungen theil, so wie an denübrigen Freuden der Fastnacht.

Unter die Schönen, die mich besonders fesselten, gehörtedas vortreffliche Fräulein Elsbech Vondcrweid, eine Cou-sine meines Freundes, die in der gleichen Straße wohnte wieich, und die man die reiche Gasse nennt. Mit vielem Witzeverband sie eilte äußerst reizende Gesichtsbildung, einen schlan-ken Wuchs und eine edle Haltung. Ihre dunkelbraunen Lo-cken umschattete» zum Theil die schönsten hellblauen Augen,