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9 (1834) Der Kanton Freiburg, historisch, geographisch, statistisch geschildert ... : ein Hand- und Hausbuch für Kantonsbürger und Reisende / herausgegeben von Franz Kuenlin
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125
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aufhob, in eine große Wanne legte, und ste oft Stundenlanghcriimschüttelte, wie wenn er die vermeinte» Goldstücke vomStaube nnd Koth reinigen wollte. Noch jetzt erblickt man ihnoft, besonders an den O.natemberabenden beim blaffe» Lichtdes Mondes, wie er seine Kieselsteine in dem mit einer halbzerfallenen Maner umgebenen Hofe, den der Pachter in einenGarte» verwandelt hat, wannt nnd lüftet, »nd dann mit demletzten Glockenschlage der Mitternachrsstnnde im alten Tlmrmemit einem so gewaltigen tiefen und hohlen Seufzer verschwin-det, daß die Erde dröhnt nnd zittert. Möge Gort seine armeSeele bald aus der vierhnnderrjahrige» O.nal des Fegefeuerserretten !

O, sagte Leclcrc sehr ergriffen nnd gerührt durch dieseErzählung, wenn ich wieder in Wie» bin, will ich mit demKavuzinergnardian reden; der fromme nnd weise Pater Wil-libald a Sankt« Limon wird der geplagten Seele des ar-men Vclga wohl die ewige Ruhe zu verschaffen wissen, daer ein Sonntagskind ist, die, wie bekannt, allein Geister sehe»und befreiet, können." Und ich, setzte Nertchen hinzu,will in der Kapelle der vierzehn Nothhelfer eine neunstündigeAndacht verrichten.

Amen! Amen!" betete Bruder Joseph, indem erdie Hände faltete.

Bon den Velgen weiß ich auch etwas," sagte UlliKcatti» gcr, Setzenrer zu B a ll i S w y l, nnd zwar von mei-nem Großvater, der Lehenman» zu Mcnziswyl war. DieDüdinger waren sehr reich; denn ste besaßen das SchloßMaggenberg bei Tafers, das große Gut dorr nnd meh-rere Höfe, unter andern zu Brunnenberg nnd Menzis-wy l. Nicht weit von lenterm Orte, am Rande des Gal-te rnthal es, links neben dein Walde auf dem Schönen-berg, bewohnten sie gewöhnlich eine Burg, die jetzt ganz ver-schwunden ist, nnd wo man nur noch die Stelle mit Wallgra-ben sieht, auf welcher ste gestanden hat. Die Aecker dortherum heiße» jetzt noch Velge n setzener. Unter dem Schlosse,am steilen Felsen ob dem 6a ltern dache, befindet sich ein tiefer,enger Balm, den man das Fantomenloch nennt. In dieserHöhle hansere ein ungeheurer Stollenwnrm, der besondersdem Vieh vielen Schaden verursachte, es entweder presthaftmachte oder erwürgte und dann sein Blut aussog; den Men-schen aber that das Ungerhnn, nichts zu leid. Man hatte schonlängst alle nur mögliche Mittel versucht, um ihn zu töden oderzu besänftigen, aber alles umsonst. Oft wenn der Herr Velgamit einem Knechte den steilen Tobel auf dem schmalen Fußpfadein das enge Thal hinunter ging, um im Bache zu fischen,,sah er vor der Höhle des Fanroms einen schtvaczbrannen Klnm-pcn, mit grünen, rothen nnd weißen Streifen; wenn er abernäher treten wollte, so rollte sich die Schlange blitzessctznellauseinander, erhob sich bäumend, zischte und pfiff, streckte ihresvitzige Zunge aus dem anfgesvreitzten Rachen, der mit einerDoppelreihe schneidender Zahne versehen war, nnd verschwanddann in einem Hni wieder im feuchten Loche. Man hatte mirPfeilen'und Kugeln auf ste gescholten, große Sicine gegen ste