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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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Epoche der achtzehnten Dynastie.

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Andre merkwürdige Reste eines von Tutlimes 111. errich-teten Tempels liegen abermals weiter gen Süden, bei Semneh.Der Portikus desselben hat schlanke viereckige Pfeiler und starkekanellirte Säulen mit leicht vorspringender Deckplatte und star-ker gerundeter Basis. Ein gegenüber, bei dem Dorfe Kum-meh befindlicher Tempel, der schon von Tuthmes II. angefangenwurde, zeigt dieselben Elemente. 1

N och beträchtlich weiter gen Süden, auf der Insel S ä, i, liegendie spärlichen Reste eines Tempels, wiederum mit Inschriften vonTuthmes III. und Amenhotep II. 2 Unfern davon, zuSedeinga,sind die Ueberbleibsel eines Tempels, welchen Amenhotep III. seiner Gemahlin Tii errichtete. Eine Säule steht noch aufrecht. J

Endlich folgen, gegen die Grenze der Pro-vinz Dongola hin, bei So leb, die ansehnlichenReste eines bedeutenden Tempels, den Amenho­ tep III. seinem eigenen Genius, dem göttlichenRa-neb-ma, errichtet hatte. 4 Einem Pylonenbauschloss sich hier ein grosser Säulenhof an; diesemfolgte ein mächtiger Saal mit 48 Säulen ; daraufandre Gemächer, ebenfalls mit Säulen. Die vor-deren Tlieile der Anlage enthalten Lotossäulen(mit geschlossenem Kelche) in edelster Ausbil-dung. Acht Stengel, wie es scheint, vereinigensich zu dem Säulenschafte, der oberwärts starkumgürtet ist; die Bänder derUmgürtung hängenzwischen den Stengeln herab. Das Kapital istunterwärts fein ausgebildet. Der Schaft zieht sichgegen die Rundbasis, auf welcher er steht, inleichter Linie ziemlich stark ein und ist hier miteiner Art von Schilfblattzierden versehen, aus wel-chen die Stengel aufzuspriessen scheinen. Ebensogeschmackvoll sind die Säulen der hinteren Räumebehandelt und noch merkwürdiger dadurch, dassin ihnen eine ganz neue künstlerische Form auf-tritt. Sie lassen die bildnerisch-architektonischeNachahmung eines Palmenbaumes erkennen. Der Schaft,auf einer Rundbasis stehend, hat eine etwas verjüngtecylindrisclie Gestalt, ohne weitere Gliederung; das Ka-pital wird, der Palmenkrone entsprechend, durch achtschlank aufsteigende einfache Blätter gebildet, die vorder Deckplatte (dem Abakus), welche zum Tragen des . . Architravs bestimmt war, sich leicht nach auswärts

Kapital in den . . ...... ..... .

hinteren Bau- neigen. Hier ist, zwar noch mit einfachen Mitteln undn 'ton e soieb! pels mit einem bildnerischen Motiv, doch in dieser Weise

Saale des Tempels vonSoleb .

1 Lepsius, Briefe, S. 259. Denkmäler, Abth. II, T. 54. Cailliaud, voyage äMeroe , II, t. 23, ff. 2 Lepsius, Briefe, S. 257. ;1 Ebendaselbst. 4 Ebenda,S. 256. Cailliaud, voyagc äMeroe, II, pl.X, ff. Hoskins, travels in Ethiopia , pl. 40, ff.