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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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Von der zwanzigsten Dynastie bis zu den Ptolemäern.

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Hallen und in andre Höfe aus den Gemächern. Die Bedeckungaller dieser Bäume ist von Stein, wie die Wände, und die Wändevoll von eingehauenem Bildwerk, jeder Hof mit Säulen umhervon weissem, auf das Beste gefugtem Stein. An dem äusserstenHude des Labyrinthes aber steht eine Pyramide von vierzig Klaf-tern, in welche grosse Bilder eingegraben sind; der Zugang zuihr ist unter der Erde angelegt. Andre Schriftsteller berich-ten noch Andres über das Labyrinth, doch, wie es scheint, nichtebenso aus eigner Anschauung. Diodor (Ih 66) erwähnt einesHauptgebäudes imInnern, mit vierzig Säulen auf jeder Seitedesselben.

Als Beste des Labyrinths sind neuerlich ausgedehnte bau-liche Ueberbleibsel bei der Howara-Pyrämide, im Fayum , be-zeichnet worden : drei Gebäudemassen von je 300 F. Ausdehnung,auf drei Seiten eines grossen, etwa 600 F. langen und 500 F.breiten Platzes belegen, während 'sich an der vierten Seite diePyramide erhebt. Sie bilden ein Avirres Durcheinander von Käm-merchen, Kammern und Gemächern, durch Korridore verbunden,ohne Begelmässigkeit der Ein - und Ausgänge. 1

Einer der Dodekarchen, Psammetich (Psemtik), der Spröss-ling eines älteren Kölligsgeschlechtes, Avard von den übrigen an-gefeindet. Er überAvand sie mit Hülfe griechischer (ionischer undkarischer) Söldner und machte sich im J. 670 v. Chr. zum Allein-herrn des ägyptischen Beiches. . Er ist der Gründer der 26stenDA-nastie. Schon früher Avar der Sitz des Beiches von Theben nach Unter-Aegypten verlegt Avorden ; Psammetich, aus saitischemStamme, nahm zu Sa'is seine Besidenz. Mit ihm beginnt eine

1 Lepsius, Briefe, S. 74, ff.; Denkmäler, Abth. I, T. 46. Ebendort sind auchSäulenfragmente vorgefunden, welche. falls der Sachverhalt und die Aus-deutung desselben richtig sind dem von Diodor angeführten Mittelgebäudeangehört haben dürften. Sie entsprechen (vergl. Lepsius, Denkm., I, T. 47) inauffälliger Weise der Form der Lotossäule, welche an den Gebäuden aus derZeit Amenhoteps III. vorherrscht. Lepsius (Briefe, S. 77, und Chronologie, I,S. 267) "hält sie für gleichzeitig mit dem Bau der Pyramide, also der EpocheÄmenemhes III. (zwölfte Dynastie) angehörig. G. Erbkam , der Architekt derpreussischen Expedition, welche unter Lepsius Leitung Aegypten durchforschteund die Entdeckungen an der in Rede stehenden Stelle machte, erklärt sie für*gleichzeitig mit dem Bau des Labyrinths, besonders in Vergleich zuden, nochso viel weniger ausgebildeten Säulen von Benihassan (Ueber den Gräber- undTempelbau der alten Aegypter, S. 24). In der That dürfte diese letztere An-nahme nicht durchaus unzulässig erscheinen, sofern sich auch anderweitig, baldnach dem Bau des Labyrinths, ein Zurückgehen auf die Kunstformen der Vor-zeit, z. B. auf die der achtzehnten Dynastie, bemerklicli macht. Es muss je-doch liinzugefügt werden, dass neuste Reisende versichern, von Allem, was andieser Stelle entdeckt worden, trotz emsiger Nachforschung überhaupt Nichtswiedergefunden zu haben. Es werden zunächst also weitere Aufklärungen ab-zuwarten sein.