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X. Der Islam ete.
und in ihrer Anlage den syrischen Moscheen und denen vonKairo zu entsprechen scheint. An näherer Kunde über dasGebäude fehlt es noch.
Von Ivairwau aus ■wurde, seit dem J. 827, Sicilien erobertund die Religion und die Sitte des Islam nach der Insel hin-übergetragen. Zu Anfang des zehnten Jahrhunderts fiel sie unterdie Herrschaft der Fatimiten Aegyptens , ein Ereigniss, 'Wodurchsich ein näheres Verliältniss zu den dortigen Culturerscheinungenanbahnen musste. Sicilien hatte sich in kurzer Frist in ein völligorientalisches Land umgewandelt. Palermo , die Hauptstadt derInsel, glich in der späteren Zeit des zehnten Jahrhunderts, nachdem Berichte eines Reisenden aus Bagdad , den asiatischen Resi-denzen, durch ansehnliche Werke des gemeinen Nutzens unddurch 300 Moscheen ausgezeichnet. In der Spätzeit des elftenJahrhunderts wurde Sicilien der muhammedanischen Herrschaftdurch die Normannen wiederum entrissen; aber die durch jenegegründete Cultur hatte das dortige Leben zu innig durchdrungen,als dass sie nicht noch auf geraume Zeit hin, unmittelbar odermittelbar, ihren Einfluss auf die Gestaltungen des Lebens hätteausüben sollen.
Es haben sich in Sicilien einige bauliche Monumente arabi-schen Gepräges 1 erhalten; es ist jedoch zweifelhaft, was vonihnen noch der Herrscherzeit des Islam angehört, oder ob sienicht etwa sämmtlich bereits in die normannische Epoche fallen.Jedenfalls erscheinen sie als in ihrer Art charakteristische undeigenthümliche Belege für die Entfaltung der muhammedanischenArchitektur, deren Formen auch der nordische Herrscherstammsich gern, zumal da, wo die Bedingnisse des Rituals der wieder-hergestellten christlichen Kirche nicht ein Andres forderten, an-eignete. Es sind vornehmlich Schlösser, oder die Reste vonsolchen, die, mit Gärten, Thürmen, Pavillons wechselnd, dieHauptstadt „gleich der Granatschnur um den Hals eines jungenMädchens“ umgaben. Schon die ersten Herrscher normannischenStammes hatten ihr Staunen vor den „mit wundervoller Kunsterrichteten Pallästen“, welche die arabischen Emire hinterlassen,ausgesprochen; sie und ihre Nachfolger fanden keine Veranlas-sung, andre Formen und Einrichtungen für ihren Hof haltzu wählen.
' Girault de Prangey , essai sur l’arclntecture des Arabes etc., p. 78, ff.H. Gally Knight, über die Entwickelung der Architektur vom 10. bis 14. Jahr-hundert unter den Normannen; a. d. Engl., herausgb. von Dr. C. R. Lepsius.S. 345, ff. II. G. Knight, Saraeenic and norman remains in Sicily . Ilittorfet Zantli, architecture moderne de la Sicile (pl. 64, 74.) M. Amari, sur l’ori-gine du palais de la Couba, in der Revue archeologique, VI, p. 669, ff.