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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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Kairwan und Sieilien.

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dass die Wandnischen, breit eingerahmt und in scharf ausge-prägtem Spitzbogen schliessend, ohne Abtheilung durch die Ge-schosse emporlaufen und die letzteren nur durch kleine Fenster,zumeist nur durch kleine Fensternischen (oberwärts mit muschel-förmiger Füllung), bezeichnet sind. Die krönende Brüstung mitder in dieser hinlaufenden Inschrift (deren Vortrag und Formschon den Verfall des reinen arabischen Styles bekunden) ist zumgrossen Tlieil erhalten; hieraus geht hervor, dass das Gebäudeunter Wilhelm II. , in den achtziger Jahren des zwölften Jahr-hunderts, errichtet wurde. 1 Es befindet sich im Uebrigen, na-mentlich was das Innere betrifft, in übler Verfassung. DerMittelraum ist unbedeckt, doch noch durch zierlich dekorativeReste und vorzüglich geschmackvolle Ansätze jener zellenartigen

Dekorative Reste der Kuba .

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Eckwölbungen ausgezeichnet. Vor Allem, noch im späterenMittelalter, wird der Garten der Kuba , mit seinen zahlreichenüberwölbten Lusthäuschen, gepriesen. Eins der letzteren, einevierseitige Halle von etwa 20 Fuss Breite, durch gedrückte Spitz-bögen geöffnet und von einer Kuppel überragt, hat sich bis heuteerhalten.

Anderweit darf in Sicilien, als Rest der muhammedanischenEpoche, ein Badgebäude zu Cefala , im Südosten von Palermo ,genannt werden. Es ist in künstlerischem Belange jedoch nurvon untergeordnetem Werthe.

Von erheblicher Bedeutung ist der Einfluss des arabischenElementes auf die Gestaltung der religiösen Architektur der nor-mannischen Epoche Siciliens. Da aber dasselbe hier nicht nurmit bereits vorliegenden Motiven der christlichen Architektur inVerbindung tritt, sondern aus solcher Verbindung sich zugleich

1 M. Amari, in der R6v. archeol. VI, p. 681, f.

Kugler, Geschichte der Baukunst. 65