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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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X. I)or Islam etc.

schweren Hufeisenbögen, welche die letzteren stützen, auch durchdie hiebei hervortretende malerische Wirkung der Anlage nichtohne Interesse. Die Kapitale der Säulen sind theils der Antikenachgebildet, theils von einer rohen bauchigen Form. 1

Die zweite Epoche der maurischen Architektur umfasst dieZeit vom elften Jahrhundert bis in den Anfang des dreizehnten.Die Traditionen der klassischen, der byzantinischen Kunst tretenzurück und machen den Aeusserungen eines selbständiger phan-tastischen Sinnes, welcher sofort der dekorativen Gestaltung einentschiedenes Uebcrgewicht einräumt, Flatz. Tm 1 logen wirddie strenge Continuität der Bildung häufig einem fast über-miitliigen Formenspiele geopfert, indem er sich in aneinanderge-reihte Bogenstücke und vorschiessende Zacken und Spitzen auf-löst. Nicht selten mischt sich in dieser Zeit der Spitzbogen demsonst üblichen llufeisenbogen (zuweilen mit einem, dem letzterenentsprechenden Ansätze) ein; aber gerade seine Form und eigen-thümliche Bedeutung löst sich vorzugsweise in jenes bunte Wesenauf. Starke Ornamentmassen, doch in festem Einschluss, pflegendie Bogenfelder zu umgeben. Das Zellengewölbe erscheint alsräumlich vermittelnde Ausfüllung bei überhängenden Theilen.Alles ist auf den Ausdruck bunt getheilter Bewegung berechnet;doch in^ Detail zumeist noch mit eigner Energie und mit ent-schiedener Rücksicht auf das Geltendmachen der massenhaftenGesammtwh'kung.

Die im Obigen besprochenen jüngeren Prachttheile der Mo-schee von Cordova bezeichnen die Vorbereitung zur Ausbil-dung einer solchen Geschmacksrichtung; die dortige KapelleVilla Viciosa (ohne näher bestimmbares Datum) dürfte bereitsin die zweite Periode fallen.

Doch gehört die bauliche Thätigkeit dieser Epoche, bei dersinkenden Macht und dem bald eintretenden Fall des Ivhalilatesvon Cordova, überwiegend andern Orten an. Zunächst, wie esscheint, besonders To 1 edo, wo, um die Mitte und in der zwei-ten Hälfte des elften Jahrhunderts, unter Dylnun und Alnnmun,prächtige Moscheen und ein glänzendes Schloss gebaut wurden.Als Rest des letzteren gilt der ausserhalb der Stadt belegeneMeierhof derGaliana, in seinen innern Räumen durch mäch-tige Zackenbögen und die Ueberbleibsel kräftigen Ornamentesausgezeichnet. Ein andrer toledanischer Bau von Bedeutung,ungefähr derselben Zeit angehörig, ist diePuerta del Sol, ein

1 Die zierliche Bauanlage der sogenannten maurischen Bäder zu Girona gehört nicht liieher; dieselbe wird später zu besprechen sein.