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wesentlich verschieden, und nur die Details an Säulen, Pfeilernund Bögen, die der mein- oder weniger reichen dekorativen Aus-stattung bekunden das nationale Element. Insbesondre ist anzu-führen, dass in der Bogenform, sowohl bei den grossen Schwib-bögen, über denen die Hauptkuppel ruht, als hei den Säulen-arkaden des Inneren und der Vorhöfe der einfache Spitzbogenvorherrscht und dabei (wie schon an den Monumenten von Brussa)ein verschiedenfarbiger Wechsel der Keilsteine beliebt ist. Zu-gleich aber macht sich in den dekorativen Elementen eine grös-sere oder geringere Willkür bemerklich, so dass es zur Durch-bildung eines reinen und selbständigen künstlerischen Geschmackesnicht kommt. Bei jüngeren Denkmälern verwirrt sich dann daskünstlerische Gefühl noch mehr durch das Eindringen von ein-zelnen Elementen der spät-modernen Architektur des europäischenOccidents. In einem ihrer baulichen Elemente prägt sich dieosmanische Architektur dieser Epoche indess zur charakteristi-schen, sehr bemerkenswerthen Eigentliümlichkeit aus. Dies istdie Gestaltung der Minarets, welche in sehr schlanker und leich-ter Form, zum Theil mit mehreren Gallerieen umgürtet, empor-scliiessen und in scharfer Spitze endigen. Im Gegensatz gegendie bauliche Masse der Moschee, deren Aeusseres die schwereLagerung der Sophienkirche bewahrt oder von dieser durch einedoch nur wenig grössere Erhebung der Einzeltheile unterschie-den ist, malerisch zu zweien oder vieren, selbst sechsen um denKörper des Gebäudes gruppirt, fügen diese luftigen Tliürme derfesten Ruhe der baulichen Masse den Ausdruck eines kriegerischkühnen Aufschwunges hinzu. Wie Siegerlanzen, wie die keckenTrophäen eines Triumphators stehen sie zu den Seiten desIleiligthums.
Eine der Moscheen von Adrianopel 1 , die des Bajazet,entspricht noch dem Charakter der Monumente von Brussa. Esist ein einfaches, hohes, mit einer hohen Kuppel überwölbtesQuadrat. Zu den Seiten sind niedrige, für andre Zwecke die-nende Räume; an den Ecken der letzteren zwei Minarets, hochund schlank, doch nur mit einer Gallerie, welche oberwärtsnoch etwas schwer ausladet. Davor ein Vorhof mit breit spitz-bogigen Arkaden, auf Säulen mit zellig gebildeten Kapitälen. —Eine zweite Moschee, ebendaselbst, die des Selim II. (reg. 1566—74) ist ein in der späteren Art reich entwickelter Prachtbau.*Sie war schon von Selim’s Vorgänger, Soliman II. , begonnen;den Bau führte der grösste und berühmteste der osmanischen
1 Sayger et Desarnod, album d’un voyage en Turquie, pl. 18 u. 24, 6 u. 12.— 2 Vergl. den Grundriss auf der anliegenden Tafel.
Kugler, Geschichte der Baukunst.
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