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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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Ost-Indien.

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in der Dscliumna-Moschee 1 wiederum eins der vorzüglichst pracht-vollen Beispiele des siebzehnten Jahrhunderts. Die edelsten Stoffe,Marmor, Granit, Porphyr, sind für den Bau verwandt; zur Aus-stattung dienen auch liier Edelsteine, mit gohlnem und silbernemSchmucke verbunden.

Auch die Lande des Dekan besitzen Denkmäler derselbenZeit und Art. Dahin gehört, freilich als ein minder ansehnliches,das Mausoleum Aurengzebs zu Kozah, in der Kühe von Au-rungabad, ein Bau von einfach düstrer Strenge. Dahin, weitersüdwärts, die Monumente in demPalmyra des Dekan, diezu Bidjapur (Bejapur), einer Stadt, welche von der Mitte desfünfzehnten bis zur Mitte des siebzehnten Jahrhunderts die Re-sidenz eines selbständigen und mächtigen Reiches war und derenstolze Ueberreste, Moscheen, Mausoleen, Palläste u. s. w. jetzteinsam in einer üppig verwilderten Vegetation liegen. 2 Anlageund Styl dieser Bauwerke entsprechen denen der Gangeslande,du oh ist zugleich etwas Eignes - in ihnen: eine noch kräftigereFülle, die sicli durchgehend sowohl in der Gesammt-Composition,als namentlich in der reicheren und mein - plastischen Gliederungausspricht. Es mögen auswärtige Einflüsse hiebei mit wirksam<rewesen sein; wenigstens wird der Berufung fremder Künstlerzur Theilnahme an diesen Werken gedacht ;s es scheint jedoch,dass das wesentlich Eigenthümliche mehr einer (absichtlich oderunabsichtlich aufgenommenen) Einwirkung des altnationalen Sin-nes, wie dieser in hinduischen Monumenten ausgesprochen vorlag,zuzuschreiben ist. "Wieviel von dem Vorhandenen dem erstenJahrhundert der Blüthe von Bidjapur angehören mag, ist fürjetzt nicht nachzuweisen; das Bedeutendere und vorzügliclist Cha-rakteristische fällt jedenfalls in die spätere Zeit seit der Mittedes sechzehnten Jahrhunderts. Als derartige Monumente sindnamentlich hervorzuheben: die von Ally Abdil Schah erbauteDschumna-Moschee, von anmuthig edler Anlage, im Inneren mitgoldnen Inschriften auf Lapis Lazuli geschmückt; das höchstglänzende Mausoleum des Ibrahim Schah (gest. 1626), aus schwar-zem Granit gebaut und auf das Reichste ausgestattet; und dasMausoleum des Muhammed Schah , des letzten selbständigenHerrschers von Bidjapur, ein machtvoll ernster Bau, von 150 Fussim Geviert und bis zum Gipfel seiner Kuppel 150 F. hoch. Dieletztere hat, wohl der weiten Spannung halber, die einfache Halb-kugelform, während in Bidjapur sonst die Form stark ausge-

' Forbes, oriental memoirs, III. 2 Abbildungen bei EUiot. 3 Elliot,II, S. 21.

Kuglcr, Geschichte der Baukunst.

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