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XII. Die Architektur des gotliischen Style».
düng, auch schon bei vertiefter Arkadenstellung des Chores warenSäulen als Stützen des Gewülberaumes verwandt worden. Soauch hatte der Absidenkranz des Chorumganges den Raum inreich entwickelter Weise geschlossen und gleichzeitig zur conse-quenten Gestaltung eines Strebesystems wesentlich beigetragen.Das gothische System hatte unbemerkt innerhalb der Grenzendes romanischen Styles begonnen; nur die bewusstere Einigungjener Grundelemente ist es zunächst, was die Scheidung zwischenbeiden, die mehr charakteristischen Anfänge des Gotliischen be-zeichnet.
Isle-de France , Champagne, Picardie.
Einige . der Monumente von Isle - de - France , welche zumSchlüsse des französisch - romanischen Styles bereits besprochensind, müssen hier als frühste Ausgangspunkte nochmals erwähntwerden. Es sind die Bauten des 12. Jahrhunderts an der Kirchevon St. Denis, 1 namentlich der Chor dieser Kirche (in seinenalten Theilen), der Chor von St. Germania des-Pr es zuParis , 2 die Kathedrale von Noyon . 3 Bei ihnen hatte dasRomanische diejenige Wendung genommen, welche als bestimmteEinleitung zu der Richtung des Gotliischen betrachtet werden darf.Besonders dieKathedrale von Noyon , als ein ansehnlicher Gesammt-bau von einheitlichem und doch zugleich fortschreitend schärfer aus-geprägtem Systeme, ist für die Momente des Ueberganges von Be-deutung. Das Innere des Schiffbaues, des jüngeren Tlieiles die-ser Kathedrale, zeigte bereits den räumlichen und formalen Aus-druck der gotliischen Richtung vorwiegend, während das Aeussereallerdings noch an den Grundzügen des romanischen Styles fest-hielt. Andre Monumente, welche neben jenen genannt sind,gleichartig in der kunstgeschichtlichen Stellung, im Einzelnenebenfalls mit bemerkenswerthen Motiven des Ueberganges, lies-sen doch nicht eine ähnlich klare und bestimmte Ausbildungersichtlich werden.
Der dort abgebrochene Faden setzt sich hier fort. Es reihensich jenen Monumenten wiederum andre an, die ihnen der Zeitnach ebenfalls ganz nahe stehen, ihnen im constructiven System,in der stylistischen Behandlung ebenfalls noch durchaus verwandterscheinen. Nur dass hier das Neue nicht mehr als ein Beiläufi-ges zu lassen ist, dass es deutlicher bereits als das Bestimmendeund Bedingende erscheint und Dasjenige, was an überlieferterromanischer Form beibehalten wird, sich seinen Bedingnisseneinordnet. Dem spitzbogigen Kreuzgewölbe mit Rippen undGurten, den spitzbogigen Arkaden, Gallerieen und Triforien des
1 Thl. II, S. 225. — 2 Ebenda, S. 222. — 3 Ebenda. S. 231.