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XII. Die Architektur des gotkisclien Styles.
geweiht, genau nach dem Vorbilde der Marienkirche angelegt,aber in reicherer und feinerer Ausbildung des Details und inabermals schon wachsenden Höhen, die indess, hei den engenBreitenverhältnissen, von entschieden unschöner gespreizter Wir-kung sind; (das Mittelschiffgewölbe, das jedoch nur im Chor-polygon zur Ausführung gekommen, auf 128 F. Höhe angelegt;)im Aeussern, besonders an den Giebeln der Querschiffflügel undder Westhalle reichlich mit dekorativen Füllungen und Musternaus schwarz glasirten Steinen bedeckt. — Ferner die Marien-kirche zu Rostock , verschiedenzeitig, von 1398 bis nach 1472erbaut, ebenfalls auf eine gewaltsame Höhenwirkung (bei 110 F.Mittelschiffhöhe) berechnet; in den älteren östlichen Theilen mehrnach dem Doberaner und Schweriner Muster ausgeführt, in denjüngeren roher; in den riesigen Massen der letzteren aussen völ-lig mit glasirten Steinen bekleidet, der Art, dass durchgängigschwarze und gelbe in Doppellagen wechseln.
Eben demselben Systeme folgen auch einige Monumente aus-serhalb der mecklenburgischen Grenzen. Einerseits schliesst sichihm die Nikolaikirche zu Lüneburg an, von deren inneremBau anzumerken ist, dass die Schiffpfeiler achteckig sind, mitetwas eingezogenen Seiten und je drei Stäbchen auf den Ecken;andrerseits die Nikolaikirche zu Stralsund . Die letztereist weiter unten, bei der gothischen Architektur in Pommern ,näher zu besprechen, indem überhaupt die Monumente von Stral sund , trotz lebhafter Annäherung an die mecklenburgische Rich-tung, doch die pommersche Grundlage nicht verleugnen.
Ein eigenthümlicher Bau ist die Katharinenkirche zuLübeck , einem Minoritenkloster angehörig, für deren Gründungdas Jahr 1335 angegeben wird. 1 Sie schliesst im Chore dreisei-tig, ohne Umgang und hat an den Seitenschiffen, nach rheinisch-lothringischer Art, besondre schräg hinaustretende Chorschlüsse.Die Mittelschiffhöhe beträgt 97 Fuss, bei 35 F. Mittelschiffbreite.Die östliche Hälfte, etwas mehr durchgebildet, hat achteckigePfeiler mit vier Diensten; die westliche Hälfte ungegliedertachteckige Pfeiler und über diesen schlichte Pilaster als Gurt-träger. Der gesammte Chorraum ist (wie anderweit, in Nonnen-klosterkirchen, der westliche Theil des Gebäudes) durch eineEmpore ausgefüllt, von 16 Säulen und den entsprechenden Wand-säulen getragen und nach vorn geöffnet, was einen reichen Ein-druck hervorbringt. Bemerkenswerth ist, dass die Säulen, anBasen (sogar mit Eckblättern) und Kelcliblattkapitälen noch einfrühgothisches Gepräge haben.
Zwei Kirchen von Rostock , die Petrikirche und dieJakobikirche, beide dem 14. Jahrhundert angehörig, habenebenfalls noch das ei'höhte Mittelschiff, doch beide in sehr mässiger
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1 Fiorillo, II, S. 131. (Im Organ für christl. Kunst, I, S. 92, wird das Jahr1351 genannt.)