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entwickelt hatte, mit den Mitteln der Ziegeltechnik auf das Reich-lichste nachahmt, auch überall dem Gesetz des Wimberg-Ab-schlusses gerecht zu werden sucht und in solcher Weise eins derseltensten und glanzvollsten Beispiele des gesaminten Ziegelsy-stems ausmacht. Die Langseiten sind ebenfalls mit dekorativemGiebelwerk versehen. — Der Ostgiebel der Marienkirche zuNeu-Brandenburg wird als ein ähnliches Werk bezeichnet. 1
Andre Bauten des 14. Jahrhunderts, zumal aus dessen spä-terer Zeit, haben ein einfacher handwerkliches Gefüge. Hieherdürfte zunächst, ihrer Anlage nach, die Kirche von Bernau ge-hören, die im Chore noch strenge Rundpfeiler mit je drei odervier Diensten, glatten oder schräg gereiften, im Schiff achteckigePfeiler mit je acht Halbsäulen hat. Im Schiffbau ist jedoch spä-tere Bauveränderung eingetreten, die u. A. auf der Nordseitegedoppelte Seitenschiffe zur Folge hatte. Eine Inschrift am Ge-wölbe bezeichnet das J. 1519 als das der Beendung des Baues.— Sodann die Marienkirche und die Nikolaikirche zuBerlin . 2 Beide haben ältere Granitreste; 3 beide scheinen'nacheinem Brande der Stadt im Jahr 1380 neugebaut zu sein. Siehaben kräftige, schlicht behandelte achteckige Schiffpfeiler mitje acht Halbsäulen. Die Choranlagen sind verschieden, indemder Chor der Marienkirche nur die Breite des Mittelschiffs hatund fünfseitig schliesst, die Nikolaikirche mit einem siebenseitigen
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Chorumgange versehen ist. Ueber beide Kirchen sind spätereErneuungen ergangen, sehr umfassende über die Nikolaikirche,seit 1460. —
Um den Beginn des 15. Jahrhunderts fällt der Bau derKat h ar inenkir ch e zu Brandenburg. 4 Eine Inschrifttafelbezeichnet das Jahr 1401 als das des Baues (der Grundstein-legung?) dieser Kirche und nennt Heinrich Brunsberg ausStettin als den Meister. Sie hat achteckige Schiffpfeiler mit Eck-rundstäben , fünfseitigen Chorumgang und rings in das Innerehineintretende Strebepfeiler. Im Aeussern ist die Stelle der letz-teren nur durch geringen Vorsprung, aber durch eine reich de-korative Ausstattung desselben, mit dreigeschossig doppeltenBildernischen, welche durch zierliche farbig glasirte Fonnsteinegebildet werden, ausgezeichnet. Der Gegensatz dieser dekorativenVorsprünge zu den schlichten Mauern und den einfachen Fen-stersystemen ist von lebhaftester Wirkung; ein unter dem Dachedurchlaufender Rosettenfries schliesst das Ganze oberwärts inangemessener Weise ab. Noch reicherer Schmuck entfaltet sich
1 v - Quast, in der Beil. Zeitschrift f. Bauwesen, I, Sp. 155. — 2 Historischeo !zen u. A. hei Nicolai, Beschreibung von Berlin u. Potsdam , und in Mono graphien. _ s u eber die Nikolaikirche s. Thl. II, S. 555. Die Marienkirchehat einen Unterbau von Granit und in diesem, auf der Nordseite, einen nied-rig alterthiimlichen vermauerten Portalbogen. — 4 Biisching, Keise durch einigeMunster des nürdl. Deutschlands , S. 11. Organ für christl. Kunst, II, S. 88.v. Minutoli, a. a. O. (H. 1.) Kallenbach, Chronologie, T. 63.