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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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481
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Die deutschen Nordostlande.

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Die gothisclie Architektur von Gross-Polen dürfte der vonPommern zumeist entsprochen haben. Hier ist einstweilen jedochnur ein erhaltenes Monument namhaft zu machen: Die KircheS. Maria in Summo zu Posen, ein Chorhau von der Dispo-sition der Hallenkirchen mit theils acht- , thßils sechseckigenPfeilern, deren Ecken ein gegliedertes Profil haben, etwa dem anden Pfeilern der Kirche von Schlawe (S. 475) vergleichbar.

f. P r e u s s e n.

Die preussische Architektur 1 unterscheidet sich von der derübrigen Lande des Ziegelbaues durch bestimmte Eigenthümlich-keiten. Diese sind in den historischen und in den materiellenVerhältnissen begründet. Die planmässige Germanisirung desLandes durch das Schwert des deutschen Ordens, die Herrschaftdes letzteren und seine durchgeführte kriegerische Verwaltungdes Landes, der sich erst spät das städtische Bürgerthum alsselbständige Macht gegenüberstellte, haben in Anlage und Be-handlung der baulichen Monumente ihre. Spuren zurückgelassen.Das Gefühl kriegerischer Standfähigkeit und Sicherung erscheintdurchgängig als das maassgebende, nicht bloss, wie es sich vonvon selbst versteht, bei dem Bau der Burgen und Schlösser, wel-cher für die Zwecke der klösterlichen Ritterschaft eifrig undnach bestimmter Norm betrieben wurde, sondern auch bei denkirchlichen Monumenten. Durchgängig hat die Anlage einen insich gefestigten und abgeschlossenen Charakter, ein rüstig derbesGefüge, ohne doch auf die Entwickelung reicheren Schmuckesan geeigneter Stelle zu verzichten. Es mischen sieh dem deutschenGrundelement zunächst einige eigenthümlich orientalische Klängeein, Reminiscenzen, welche der deutsche Orden aus den Landenseines Ursprunges und früheren Verweilens mitgebracht hatte;später verschwinden sie, aber die ansehnliche Ausstattung desInnern bei der derben Schlichtheit der äussern Erscheinung hatauch in der späteren Zeit noch Etwas, das an das Verhältniss orien-talischer Architektur gemahnt. Eine bemerkenswerthe Uebertra-gung orientalischen Elements besteht in der Verwendung von In-schriften für die Zwecke baulichen Schmuckes; der Technik und demnordischen Geiste angemessen gestaltet sie sich so, dass der einzel-nen Ziegelplatte der einzelne Buchstabe aufgepresst- ist und hier-aus fortlaufende Friese zusammengereiht werden.. Zur Ausstattungder Innenräume trägt in vorzüglichstem Maasse das Gewölbe bei,

1 Aus Büscliings Nachlass, im Museum, Bl. für bild. Kunst, 1835, No. 6, ff.F. v. Quast, in den Neuen Preuss. Provinzialblättern, IX, S. 1, ff.; XI, S. 3, ff.Liibke, im D. Kunstblatt, 1856, S. 84, ff.

Kugler, Geschichte der Baukunst. III. 61