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XII. Die Architektur des gothiselien Styles.
waren, der Kirchenbau im J. 1339 noch im Gange war, das Ge-bäude aber im J. 1362 als bereits vorhanden erwähnt wird. DerChor, ein einfach oblonger Langbau und vermuthlich in dennächsten Jahren nach 1333 aufgeführt, ist mit einem Sternge-wölbe bedeckt, dessen derbe Gurte von einfach eckigen Dienstenausgehen; die letzteren ruhen auf kleinen Baldachinen, unterdenen Statuen befindlich sind. Im Schiff ist der Mittelbau umein Weniges höher als die Seitenschiffe; die Pfeiler sind acht-eckig, mit in Stäben und Kehlen lebhaft gegliedertem Profil aufden Eckseiten, welches, ohne Unterbrechung, theils in die Scheid-bögen überläuft, theils in die höheren Schildbögen, denen dasMittelschiffgewölbe angelegt ist. Das letztere ist gleichfalls stern-förmig und auch seine Rippen werden von kurzen Diensten ge-tragen. Das Aeussere des Domes hat eine überschlichte Ein-fachheit.
Mit der Zeit um die Mitte des 14. Jahrhunderts gewinnendie Kirchenanlagen ein übereinstimmendes Gepräge, indem sichjenem Chor- und. Gewölbemotiv der Hallenbau der Vorderschiffeund die Anordnung einfach achteckiger Pfeiler, mit Diensten oderohne solche, zugesellt. Ein vorzüglich bemerkenswerthes Beispielist zunächst der Dom zu Frauen bürg, als dessen UrheberBischof Johann I. (1350—55) genannt wird. Das Verhältnis desInnern ist schwer und niedrig, doch die Innenwände durch eineBekleidung mit gemusterten Formsteinen belebt. Bedeutendersind Anordnung und Ausstattung des Aeusseren, mit schlankenThürmclien auf den Ecken, mit lebhaft gegliederter und gemuster-ter Portalhalle, mit sonstigen schmückenden Theilen und Fül-lungen. — Sodann die Marienkirche zu Thorn, 1 die sichdurch das hochschlanke Verhältnis des Inneren (85 Fuss) undden mit einem stärkeren Mittelthürmchen und leichteren Eck-thürmchen malerisch aufgebauten, doch wohl schon etwas jünge-rer Zeit angehörigen Ostgiebel auszeichnet. — Ferner die Pfarr-kirche zu Culm , — der Dom zu Culmsee, ein ansehnlicherBau, doch wiederum von gedrückten Innenverhältnissen, — undder Dom zu Marienwerder , mit erhöhtem, aber nicht durcheigne Fenster beleuchtetem Mittelschiff; u. s. w. — Schlichte,zum Theil durch spätere Veränderungen entstellte Beispiele sinddie Kirchen von Graudenz , Dirschau , Stadt Marienburg ,Heilsberg; die Marienkirche zu Elbing , deren jüngereTheile vom Ende des 14. und vom Anfänge des 16. Jahrhundertsherrühren; die nach inschriftlicher Angabe im J. 1405 erbauteheil. Leichnamskirche, ebendaselbst; u. a. m.
Das Haupt der preussischen Städte war Danzig . 2 Seine
1 v. Quast, a. a. O., Sp. 323, Bl. 33. — 2 J. C. Schultz. Danzig und seineBauwerke in malerischen Original-ßadirungen mit geometrischen Details undText. Vergl. auch den Vortrag desselben „über alterthümliche Gegenständeder bildenden Kunst in Danzig .“