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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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498
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498 XII. Die Architektur des gothisclien Styles.

mit drei Portalen versehen, zeigt er sich auf ein dreitheiligesInneres von geringer Breitenausdehnung (54 Fuss) berechnet,während sich zu den Seiten starke viereckige Thürme anlehnen,in einer Anordnung, die zumeist nur in Monumenten des Nord-westens, z. B. dem Fagadenbau der Kathedrale von Rouen , vor-kommt. Der nördliche von diesen beiden Thürmen, oberwärtsachteckig, scheint noch iibergangsartige Formen zu bewahren,Rundbogenfriese bei einfach gothischen Fenstern; wie viel von

dem Uebrigen aus derselbenFrühzeit herrührt, muss einst-weilen dahingestellt bleiben.Die Kirche selbst fügt sichder Fa<;ade in abweichenderDisposition an; sie hat (vomPortal bis zum Chorschluss)eine innere Länge von 163 F.und 90 F. Gesammtbreite. ImWesentlichen ihres Systems er-scheint sie als ein Kreuzbaumit niedrigen Seitenräumen.Die Ostseite ordnet sich nachdem Muster der Liebfrauen-kirche zu Trier , mit hinaus-tretendem, fünfseitig schlies-sendem Chore und mit zwei-fachen , schräg vortretendenSeiten - Absiden, doch dabeimit grösserer Ausweitung derSeitenräume; die Westseiteschliesst sich dem Thurmbauder Fagade mit geradlinigenSeitenmauern an, scheint aberin der Einrichtung ihrer Sei-tenräume den östlichen Theilen zu correspondiren. Die Haupt-räume des Kreuzbaues haben 30 Fuss Breite (in den Axen derPfeiler gemessen); ob der nördliche und der südliche Flügeldesselben die grössere Höhe der Mittelräume haben, erhellt ausden Vorlagen nicht; der Plan erscheint jedenfalls auf eine solcheErhöhung berechnet. Die vier Mittelpfeiler haben die Form über-eck gestellter Quadrate, mit einer Gliederung, welche au die derSchiffpfeiler des Regensburger Domes erinnert; die übrigen Pfei-ler und Wandpfeiler des Innern sind leichter gegliedert. DerAussenbau des Chores zeigt eine glänzend dekorative Behand-lung, welche der Spätzeit des 14. Jahrhunderts zumeist entspricht.Die Ausstattung der Fagade, namentlich das Prachtportal in derMitte und der Giebelbau über demselben, hat die dekorativenFormen des 15. Jahrhunderts, ebenso das in sehr eigenthümlicher

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Kascfut!

Grundriss dos Domes zw Kasehau. (Nachllenszlmann.)