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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Ungarn und Siebenbürgen . *

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mit schlanken Pfeilern, die, was später kaum noch der Fall, leb-haft gegliedert und mit Kapitälkränzen versehen sind. Danndie Hauptkirchen von Kronstadt (18851425), von Reps(1400), von Klausenburg (bis 1414), von Schorsch bei Me-diascli (1422). Eigene Anlage hat die evangelische Kirche vonHermannstadt , 1 zwischen 1431 und 71 und bis in den An-fang des 16. Jahrhunderts gebaut, mit niederen Seitenschiffen,aber mit geräumiger Empore auf der Südseite, die hiedurch demMittelschiffe an Höhe gleich wird und über der im Acusserensieben Giebel emporragen, denen es für das siebenbürgisclie Volknicht an symbolischer Deutung fehlt. Ferner die Bergkirchezu Schässburg , 2 deren Hauptbau im J. 1488 beendet und dieim J. 1511 geweiht wurde, ein luftiger Hallenbau mit schlankeneinfach achteckigen Pfeilern und bunten Sterngewölben.

Mit der schlichten Strenge des architektonischen Systemsvereinigt sich im Aeussern der siebenbiirgischen Landkirchenhäufig zugleich ein völlig kastellartiges Gepräge. 3 Die den feind-lichen Angriffen ausgesetzte Lage des Landes und seiner Bewoh-ner, besonders seit dem Beginne der türkischen Einfälle (1420,1479, 1493), nöthigten zu solcher Schutzwehr. Der Kirchplatzward mit starken Befestigungswerken, mit Mauern, zuweilen dop-pelten und dreifachen, mit Thürmen, Basteien, Graben, Thorbau-ten und dergl. umgeben, die Kirche selbst zur mehr oder weni-ger festen Burg umgestaltet. Theils erscheint sie von starkenThürmen beschützt: zu Homorod (Bezirk Reps), zu Zied undNeithausen (Bez. Agnetheln); theils erhöht sich der Chor,mit Schiessscharten zur Abwehr versehen: zu Jakobsdorf (Ag­ netheln ), Pretai und Gr. Kopisch (Mediarch); oder förmlichzum Thurme umgestaltet: zu Bulkesch (Blasendorf), Bones-dorf und Baassen (Mediasch ); oder die ganze Kirche erscheintvon aussen als massiver Thurmbau, mit einer Doppelreihe vonSchiessscharten : zu Sch weis eher (Reps); theils entwickeltsich ein eigenthümlich durchgebildetes System, indem die starkvortretenden Strebepfeiler oberwärts durch Halbkreisbögen ver-bunden sind und über diesen einen verdeckten Gang, mit Schiess-und Pechscharten, tragen. In der Mehrzahl ist es nur der Chor,dessen Aeusseres auf solche Weise eingerichtet ist, während aufder Vorderseite der Thurm das Vertheidigungswerk bildet: zuDenndorf (Schässburg) v. J. 1451, zu Martinsberg (Gross-schenk), Gros scheuern (Hermannstadt ), Ros ein und Neu-statt (Agnetheln ), zu Meschen (Mediasch ), dies ein im Innernbesonders stattlicher, selbst einigermaassen gesucht kunstreicherHallenbau vom J. 1498), und zu Markt sch elken v. J. 1562.Die Kirche zu Radeln (Schässburg), vom J. 1526, hat diese

1 Fr. Müller, in den Mittlieilungen der K. K. Central-Commission, I, S. 158. 2 Ebenda, S. 167. 3 Derselbe, ebenda, II, S. 211, 227, 262.