Die spanische Halbinsel
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den Fenstern sind stark, lialbsäulenartig, kanellirt. Aussen er-heben sieh über den Eckstreben der Kapelle schlanke Fialen,mehrfach von baldachinartigen Krönungen umgeben. Auch andreKapellen, wie die der hl. Anna , haben zierliche Schmucktheile,hängende Bogenzacken an den Gewölbrippen u. dergl. — Nochspäter sind wesentliche Theile im Mittelbau der Kathedrale. Hierwar die Kuppel über der mittleren Vierung im J. 1539 zusam-mengestürzt, was einen Herstellungsbau veranlasste, der im Jahr1567 vollendet wurde. Es scheint, dass der letztere nicht blosdie mittlere Vierung, sondern auch die obern Theile der Flügeldes Querschiffes in sich begriffen hat; wenigstens haben die letz-teren hohe Triforien-Arkaden in einem phantastischen Flamboyant-styl, mit moresken und mit Renaissance-Elementen, und sind dieOberfenster in ähnlicher Weise behandelt. Der Innenbau derneuen Kuppel selbst, sainmt den Pfeilern der Vierung und dengrossen Schwibbögen, auf denen die Kuppel ruht, sind in schonüberwiegender Umbildung des gothischen Systems in dem Re-naissancegeschmack ausgeführt, die Pfeiler rund, kanellirt, mitbarocken Kapitälkränzen. In dem starken Thurme dagegen, dersich aussen, horizontal abschliessend, über der Kuppel erhebt,sind die gothischen Formen beibehalten, in phantastischer Ver-wendung, mit buntgeschweiften Details, mit thurmartig aufschies-senden Fialen, welche den Fialenschmuck der Kapelle del Con-destable in mächtigerer und üppigerer Weise wiederholen. —Das Aeussere der Kathedrale, die schon durch ihre Lage amBergabhange eigentliümlicli wirkt, (obgleich für die näherenStandpunkte durch umgebende Gebäude grossentheils verdeckt,)gewinnt dui’ch diese verschiedenartig aufragenden Theile einüberaus malerisches Profil. Das Vorhandensein zweier gleicharti-ger Faijadenthürme mit durchbrochenen Spitzen ist immerhin,welchem Bedenken auch die Ausführung unterliege, im höchstenGrade beachtenswerth.
Des mehr schlichten Aeusseren der Kathedrale von To-ledo 1 ist bereits gedacht worden. Ihre Hauptfaqade bildet keingleichartiges Ganzes. Dem Mittelbau, mit gothischem Portal,fehlt die gesetzlich klare Entwickelung der oberen Theile; überdem Unterbau des südlichen Flügels erhöbt sich eine in moder-ner Form schliessende Kuppel. Ueber dem nördlichen Flügelsteigt ein sehr ansehnlicher Thurm empor, durch seine schlankeMasse von entscheidender Wirkung, doch ohne dekorativen Luxus ;nnterwärts viereckig und mit Leistenmaasswerk geschmückt, ober-wärts im luftigen Achteck und mit leichter barocker Spitze ge-krönt. Er wurde von 1380 bis 1440 ausgeführt; die Spitze gehörte jner Restauration aus der Zeit des 17. Jahrhunderts an. Dersüdliche Querschiffffügel ist durch das „Löwenportal“ (seit 1459)
1 Vergl. Villa-Amil, I, liv. 1, pl. 3; 5, 2; 12, 4; II, 3, 3; 5, 1; 11, 4; 12 ,3; III, 1 , 2. Chapuy, moy, age pitt., 86; moy. age mon., 374.