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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Die spanische Halbinsel.

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hervorzuheben, die in ihrem leichten Emporstreben, in ihrer Glie-derung, in dem Maasswerk, in den durchbrochen gearbeiteten Hel-men eine Aufnahme von Elementen nordischer Gothik bezeugen,wie sie sonst im Süden nicht häufig ist. Es ist eben die eignephantastische Neigung des Landes, die in den phantastischenFormenspielen des Nordens das verwandte Element erkannte undsie für die eignen Zwecke zu nutzen wusste. Der Art ist derThurm der Karthause von Miraflores bei Burgos , als dessenMeister derselbe Johann von Köln genannt wird, welcher dieThurmfagade der Kathedrale von Burgos baute; der Thurm derKlosterkirche Santacruz zu Segovia ; der von S. Felix zu Ge-ro«a; die Thürme der Kathedrale von Barcelona ; und alsvorzüglichst gepriesenes Werk der Thurm der Kathedrale vonOviedo , dessen Spitzewie ein Flor ist, der im Winde spielt.

Unter anderen schmuckreichen Einzeltheilen der Spätzeitmögen schliesslich noch die Capilla mayor in der Kathedrale vonPias encia (seit 1498) und die Capilla Marquesa an der Kathe-drale von Murcia 1 hervorgehoben werden. Die Innenwände derletzteren sind wiederum aufs Reichste verziert, mit einem eignenSystem verschlungenen Stabwerkes, spätestgothigch, aber völligin einer Gefühlsweise, die an maurischer Tradition grossgezogen.

Dann sind es die Kreuzgänge, welche, wie in allen Epo-chen, so auch in dieser, zur Anwendung glänzenden Formen-schmuckes Veranlassung geben. Dahin gehört der des KlostersS. Salvador zu Ona , 2 unfern von Burgos (14951503), zwischendessen Arkaden die Aussenstreben mit ihren Fialen am Oberge-schoss emporlaufen, während die Fenster des letzteren schon ein-fach zierliche Renaissanceform haben; der von S. Francisco elGrande zu Valencia ; der der Kathedrale von Segovia , 3 des-sen Arkaden mit prächtigem Flamboyant-Maasswerk ausgesetztsind; der ebenso reiche von S. Juan de los Reyes zu Toledo ; 4der Kreuzgang der Kathedrale von Siguenza (1507) und dervon S. Francisco zu Torrelaguna , beide in der Provinz Gua­ dalajara ; der der Kathedrale von Leon, der mit den spätgothi-schen Formen schon Elemente des Renaissancestyles verbindet.U. a. m.

Dann giesst sich dieselbe Fülle dekorirender Form über andrePrachtbauten, des öffentlichen wie des Privatlebens, aus; wobeidie charakteristisch südliche Anlage der Arkadenhöfe (gleich derder Kreuzgänge) gerne beibehalten, im Einzelnen mit vorzüg-lichst glänzender Opulenz ausgestattet wird. Es sind grossartige

1 Chapuy, moy. äge mon., 207, 282, 356; (Chapelle Marquise.) 2 Villa-Amu, II. s Chapuy, moy. äge mon-, 273. 4 Villa-Amil, I, liv. 6, pl. 2.Chapuy, moy . &ge pitt-i 37) 47 .

Kn gier, Geschichte der Bankunst. 111.

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