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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Italien .

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und Basen einfach gotliischen Gesimscharakter haben, oberwärtsflachbogigen auf kleineren Säulchen von ähnlicher Behandlung.Die Wände beider Geschosse sind reichlichst, nach moresker Art,mit bunten glasirten Ornamentplatten bedeckt. Ein Paar starkeaufsteigende Pfeiler sind mit barock gotliischen gewundenen Fia-len gekrönt. Andre Monumente sind: die Kirche von Setu-bal, ebenfalls unfern von Lissabon ; das Hospital von Calci as(Estremadura , nördlich von Alemquer); die Kirche Santa Cruzzu Coimbra , vom J. 1515; S. Maria dos Anjos zu Caminlia(Entre Minho e D., nordwestlich von Braga ); die Kirche vonFreixo de Espada-a-Cinta (Tras os montes , unfern vonMoncorvo ); und die Kirche von Villa Nova de Foscoa (un-fern von dort, am Duero , Prov. Beira).

10. Italien .

In Italien 1 fand das gothisclie Bausystem, was das innereBedingniss seiner Gestaltung betrifft, den geringsten Grad vonHingabe und Verständniss. Es wurde zögernd aufgenommen,während der Komanismus auf die ganze Dauer des gotliischenStyles, in allgemeineren Grundzügen oder in charakteristischenEinzelmotiven, eine mitwirkende Kraft behielt. Dem italienischenVolksgeiste sagte weder das räumliche Gefühl noch der geglie-derte Organismus der Gothik zu; nur in Ausnahmefällen, nurunter entschieden fremder Einwirkung zeigt sich eine Annäherungan die Systeme des Nordens. Eine offne Weite des Raumes, eineinfaches Massengefüge, welches nur von mässigen Oeffnungendurchbrochen wird und dessen Verhältniss das Auge des Be-schauenden leicht und sicher erfasst, machte sich als wesentlichesErforderniss geltend; aber man konnte gleichwohl nicht umhin,dem allgemeinen Zeitgeschmäcke ein Zugeständniss zu machen;man fühlte sich von der feinen Beweglichkeit in den Detailbil-dungen der Gothik, von den Zierformen, die aus ihrem quellen-den Organismus hervorgegangen waren, zu lebhaft angezogen,um sich derselben entschlagen zu können; man wandte beidenElementen eine um so grössere Vorliebe zu, je weniger man aufeine eigentlich organische Behandlung ausging. Das ganze Sy-stem musste hienach nothwendig einen zwitterhaften Charaktergewinnen. Es sind einerseits die schlichten Hauptformen, deren

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