Buch 
3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
Entstehung
Seite
539
JPEG-Download
 

Italien .

539

setzen seine Richtung fort. Andrea di Cione , gewöhnlichAndrea Orcagna genannt, (132980), ein tiefsinniger Meisterder Malerei und nicht minder ausgezeichneter Bildhauer, fasstals Architekt die Strebungen Arnolfos und Giottos zu vorzüg-lich gediegener Wirkung zusammen.

Kirchliche Monumente.

Das frühste Monument der toskanischen Gruppe, eins der-jenigen, welche auf die Einführung gothisclier Form in Italien von gewichtigstem Einflüsse waren, ist die Kirche S. Francescozu Assisi . 1 Sie wurde 1228 gegründet und (nach angeblicherVollendung des Wesentlichen im J. 1230, was aber nur auf einengeringen Tlieil des Ganzen zu deuten sein dürfte), 1253 geweiht.Als Meister des Entwurfes und erster Leiter des Baues wird einAus wartiger genannt; jener deutsche Meister Jakobus. Nachihm hatte ein gewisser Philippus de Campello, der in dasKloster von S. Francesco eingetreten war, die Leitung des Baues.Die Schule des Jakobus kann aber nicht Deutschland gewesensein, welches sich in der Epoche der Gründung von S. Francescoselbst erst, in wenigen Einzelfällen, mit der ersten Aneignungder Elemente des gothischen Styles beschäftigt zeigt; die vor-ziiglichst charakteristischen Details lassen eine französische Schulevoraussetzen, während gewisse Besonderheiten in Anlage und Be-handlung einen bedachten Anschluss an das bis dahin in Italien Uebliclie zeigen. Der Bau war durch den Zweck, als Mausoleumdes erst zwei Jahre vor der Gründung verstorbenen Titel-Heiligenund als Kirche seines Ordens zu dienen, sowie durch die lokalenVerhältnisse bedingt. Es ist eine Doppelkirche, eine über derandern. Die untere, mit dem Grab des Heiligen (gegenwärtigeine besondere, abermals tiefer belegene Gruftkapelle von mo-derner Architektur), ist ein geräumiger Bau, mit einer Rundabsis,einem östlichen und einem westlichen Querschifle und zwischendiesen mit seitenschiffartigen Nebenräumen, Alles jedoch in ge-drückten Verhältnissen und kryptenartig behandelt, noch in derWeise des Ueberganges aus dem romanischen Style mit Kreuz-gewölben von vorherrschend rundbogiger Form und schlichtestemDetail; Gurte und Kippen des Gewölbes in einfach massigem,rechteckigem Profil; Einiges (auch die schmalen spitzbogigenDurchgänge zu den Seitenschiffräumen?) jüngerer Bauveränderungangehörig. Die Oberkirche, von leichterem räumlichen Verhält-nis 8 , ist einschiffig, mit östlichem Querschiff und ebenfalls lialb-

1 Gailhabaud, Denkra. d. Bauk., III, Lief. 58. Wiebeking, Bürgerl. Baukunde,II. t. 51; 75. DAgincourt , t. 36 (39-46); 37; 42 (7); 68 (36); 70 (19). H. G.Kniglit, II, t. 19, f. Denkmäler der Kunst 9 T, 57 (/).