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XII. Die Architektur des gotliischen Styles.
Verbindung mit einem Langscliiffe von entsprechenden Maassenals das vorzüglich Geeignete. Vielleicht auch gab die Kuppel-kirche S. Giovanni, welche bis dahin den Stolz von Florenz aus-gemacht hatte und der gegenüber die Fa<;ade des Domes sicherheben sollte, das Motiv zu jenem System, der Art, dass dasdort Gewonnene in riesigster Ausdehnung wiederholt und über-boten ward. Der Kern des Doms ist (wie S. Giovanni) ein acht-eckiger Kuppelbau; aber er öffnet sich in Seitenflügel, die, nebstdem Schiffbau als gegenwirkende Construktionen dienend, demGanzen die übliche Gestalt des lateinischen Kreuzes geben. JeneFlügel gehen in fünf Seiten eines Achtecks aus, mit fünf niedrigenKapellen umgeben, zwischen denen sich feste Strebemassen demDrucke der Kuppel entgegenlagern. Die Hauptmaasse sind:486 Fuss 6 Zoll (rheinländisch) innerer Gesammtlänge, 292 F.
6 Z. Querschifflänge mit Einschluss der Kapellen, 135r F. 2 Z.Kuppeldurchmesser, 133 F. 10 Z. Gesammtbreite des Langschiffes.In der That ist für das Innere des Domes eine überaus macht-volle Wirkung gewonnen ; zunächst und vornehmlich im Chore,durch jene erhabene Weite des (in seinen Obertheilen und inseiner Wölbung höher, als ursprünglich beabsichtigt war, empor-geführten) Kuppelraumes, durch die Einfachheit der Massen, dieihn bilden, durch die Ueberleitung'* des Blickes von den niedrigenSeitenflügeln zu der Erhabenheit jenes Mittelraumes; im Schiff-bau durch die kühne Weite der Pfeilerstellungen, welche gleich-wohl der Last der Wölbungen mit fester Kraft begegnen. Abernur das constructiv Ausserordentliche, nur das Allgemeine solcherWirkung lag im Vermögen des Meisters; räumlicher Wohllaut,künstlerische Beseelung fehlen seinem Werke. Im Kuppelraumstellen (auch abgesehen von den jüngern Theilen) Massen undOeffnungen in einem wenig rhythmischen Verhältnisse; die Durch-gänge von den Seitenschiffen des Langbaues schneiden, in geradezuunschöner Weise, schräg in die tragenden Kuppelwände ein. ImLangscliiffe herrscht ein System von fast herber Kälte. DasMittelschiff, 58 Fuss 10 Zoll breit und 139 F. 5 Z. hoch, hatPfeilerstellungen in quadratischen Abständen; die Pfeiler, vier-eckig, mit in die Ecken eingelassenen Polygondiensten, mitschwerem, aus dreifacher Blätterreihe gebildetem Kapitäl, sindungefähr 40 Fuss und die im breiten Spitzbogen gespannten Scheid-bögen ungefähr ebenso hoch; über den Pfeilern setzen Pilasterauf, querdurchschnitteil von einem Gesims, welches die Scheid-bögen umfasst; über den Pilastern und dem Gipfel der Scheid-bögen läuft eine mächtig vorkragende Consolengallerie hin, undhinter dieser steigen sofort die Gurte und Iiippen des Gewölbesempor, — eine Composition, der es an Harmonie, Einheit, innererEntwicklung völlig fehlt. Die Rundfenster im Oberschilf, diekleinen Spitzbogenfenster, die verloren und ohne alle architek-tonische Gesammtbeziehung in den Seitenschiffwänden ■angebracht